ZEW-Konjunkturerwartungen stagnieren

Nach dem deutlichen Rückgang um 12,2 Punkte im Vormonat haben sich die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland im Mai seitwärts bewegt. Dies teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Der Index erreicht mit 36,4 Punkten nur 0,1 Punkte mehr als im April. Angesichts zuletzt einiger guter Konjunktur-Daten und nachdem sich die Unruhe durch die Zypern-Krise in den Finanzmärkten wieder beruhigt hat, waren Ökonomen im Vorfeld eigentlich von einer Erholung auf knapp 40 Punkte ausgegangen.

„Trotz überwiegend positiver Konjunkturdaten für die deutsche Wirtschaft bewegt sich der ZEW-Index nicht von der Stelle. Ein Grund könnte darin liegen, dass die Konjunkturlage in der Eurozone weiterhin schlecht ist. Die Zinssenkung der EZB passt in dieses Bild“, erklärte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

Trotz der Stagnation bleibt der Index aber auf einem hohen Niveau und zeigt, dass die Finanzexperten weiterhin positive Erwartungen für die deutsche Konjunktur haben. Im Einzelnen prognostizierten nur 11,2 Prozent der Umfrage-Teilnehmer eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Die bestehende Situation sieht die Mehrheit von 71,1 Prozent dabei als „normal“ an. Dieser Teilindex stagniert mit 8,9 Punkten (-0,3) ebenfalls.

Deutlich schlechter bleibt die Einschätzung für die Eurozone insgesamt. Nur 21,6 Prozent sehen die konjunkturelle Lage als „normal“ und gar nur 0,8 Prozent als „gut“ an. Auch dieser Teilindex stagniert mit einem Minus von 0,8 Punkten auf jetzt minus 76,8 Punkte. Ein leichter Aufwärtstrend ist bei den Erwartungen für die Eurozone zu sehen. Dieser Index liegt inzwischen immerhin schon auf plus 27,6 Punkten (+2,7). Das sah vor einiger Zeit noch deutlich schlechter aus. 38,0 Prozent prognostizieren eine Verbesserung in den kommenden sechs Monaten und 51,6 Prozent eine gleich bleibende Situation, während nur noch 10,4 Prozent eine weitere Verschlechterung befürchten.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass die Finanzmarktexperten die konjunkturelle Situation in Deutschland als gut bezeichnen, während man diese für die Eurozone insgesamt für sehr schlecht hält. Bei den Erwartungen liegt aber auch der Euroraum deutlich im positiven Bereich, was darauf hindeutet, dass nicht nur die deutsche Konjunktur weiter wachsen kann, sondern sich auch auf europäischer Ebene eine Stabilisierung andeutet.

Sehr optimistisch ist man für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte. Trotz bereits erreichter Rekordstände erwarten die meisten Experten sowohl für den DAX, als auch für den Dow Jones und Nikkei, weiter steigende Kurse. Diese Teil-Indexe liegen alle deutlich im positiven Bereich. Etwas pessimistischer ist man für die Aktienmärkte von Großbritannien, Frankreich und Italien. Hier liegen die Index-Werte zwar auch leicht im positiven Bereich. Die meisten Umfrage-Teilnehmer geht aber von einer Stagnation aus.

Weitgehend einig ist man sich, dass der Yen in den kommenden sechs Monaten weiter abwerten wird. Dieser Teilindex hat sich sogar nochmal um 9,3 auf jetzt minus 50,2 Punkte verringert. Nur 7,7 Prozent (-3,5) der Finanzmarktexperten gehen noch von einem wieder steigenden Yen aus.

Für EUR/USD erwartet die Mehrheit von 50,6 Prozent eine Seitwärtsbewegung in den kommenden sechs Monaten. Allerdings ist die Zahl derjenigen, welche einen steigenden Kurs prognostizieren mit 19,0 Prozent und derjenigen, welche einen sinkenden Kurs erwarten, mit 30,4 Prozent auch nicht gering.

Mit nur 6,8 Prozent beim britischen Pfund und gar nur 4,5 Prozent beim Schweizer Franken traut diesen beiden Währungen kaum jemand eine Aufwertung zu. Allerdings gehen auch hier mit 63,8 Prozent bzw. 75,0 Prozent die meisten eher von einer Seitwärtsbewegung in der nächsten Zeit, als von einem steigenden EUR/GBP bzw. EUR/CHF aus.

An der Umfrage haben sich 251 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über deren Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

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