ZEW-Index sinkt deutlich, Finanzmarktexperten bleiben dennoch optimistisch

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten ist im April unerwartet deutlich um 12,2 Punkte auf jetzt 36,3 Punkte gefallen. Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Im März lag der Index mit 48,5 Punkten noch auf einem 35-Monatshoch und Experten hatten einen nur kleine Verschlechterung auf 41,5 Punkte prognostiziert. Es handelte sich um den ersten Rückgang des Index seit November 2012. Auch die aktuelle Situation für Deutschland wird mit einem Minus von 4,4 auf 9,2 Punkte etwas schlechter beurteilt, als noch im März. Der ZEW-Index folgte damit anderen Konjunktur-Indikatoren, wie beispielsweise dem Einkaufsmanagerindex, welche sich zuletzt ebenfalls eingetrübt hatten.

Das ZEW-Institut betonte, dass der Indikator trotz des Rückgangs immer noch auf dem drittbesten Stand seit 24 Monaten liegt. Nur in den vergangenen beiden Monaten seien die Ergebnisse besser ausgefallen. „Im Grundsatz bleiben die Finanzmarktexperten positiv gestimmt, aber weniger optimistisch als im Vormonat. Der Rückgang des ZEW-Index ist konsistent mit aktuellen Konjunkturmeldungen, die hinter den Erwartungen zurückbleiben“, sagte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest. So seien beispielsweise die deutschen Exporte sowohl in die Euro-Länder als auch weltweit zurückgegangen. Die Schuldenkrise in der Eurozone sorge nach wie vor für Unsicherheit.

Im Einzelnen bezeichnen genauso wie im Vormonat nur 7,4 Prozent der Befragten die derzeitige konjunkturelle Situation in Deutschland als „schlecht“, während die Mehrheit von 46 Prozent diese für „normal“ hält. Der Rückgang um 4,4 Punkte erklärt sich allein daraus, dass nur noch 16,6 Prozent die Situation sogar für „gut“ halten, während es im März noch 21,0 Prozent waren. Zwölf Prozent erwarten eine sich verschlechternde konjunkturelle Lage in den kommenden sechs Monaten. Das sind 4,9 Prozent mehr, als vor einem Monat. 39,7 Prozent prognostizieren eine ungefähr gleichbleibende Lage, während 48,3 Prozent von einer sich verbessernden Konjunktur ausgehen.

Deutlich schlechter sind die Beurteilungen für die Eurozone. Kein einziger der Befragten bezeichnet hier die Situation als „gut“. Im März gab es mit 1,2 Prozent immerhin noch ein paar Experten die dieser Ansicht waren. Mit jetzt 76,0 Prozent sehen dagegen inzwischen nochmal 1,3 Prozent mehr Umfrageteilnehmer die konjunkturelle Lage als „schlecht“ an. Der Indexwert liegt somit bei minus 76,0 Punkten. Immerhin erwartet nur eine Minderheit von 14 Prozent (+2,8), dass sich die Situation im Euroraum in den kommenden sechs Monaten weiter verschlechtern wird. 47,1 Prozent (+2,9) erwarten eine gleichbleibende und 38,9 Prozent (-5,7) eine sich verbessernde Konjunktur.

Für die meisten Aktienmärkte prognostizieren die Finanzmarktexperten steigende oder zumindest gleichbleibende Kurse in den kommenden sechs Monaten, womit sich hier der Optimismus kaum verändert hat. Beispielsweise glauben 53,1 Prozent (+0,2), dass der deutsche DAX weiter steigen wird. 36,1 Prozent (+8,0) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus, während nur 14,3 Prozent (-6,0) fallende Kurse erwarten. Auch in anderen Märkten ist man optimistisch. Für den Dow Jones und den japanischen Nikkei sehen jeweils 51,6 Prozent der Befragten einen weiteren Anstieg, während nur 12,3 bzw. 12,2 Prozent fallende Kurse erwarten. Pessimistischer ist man lediglich für den italienischen Aktienmarkt, aber auch für französische und britische Aktien. Wobei aber auch hier die Indexwerte mit 20,3 Punkten für Großbritannien, 10,6 Punkten für Frankreich und 5,6 Punkten für Italien im positiven Bereich liegen.

Der Euro dürfte in den kommenden sechs Monaten gegenüber dem japanischen Yen weiter aufwerten. Dies prognostiziert zumindest die Mehrheit von 52,1 Prozent (-1,7) der befragten Finanzmarktexperten. Nur 11,2 Prozent (+2,7) erwarten hier das Gegenteil. Anders sieht es gegenüber dem amerikanischen Dollar aus. Hier trauen nur 18,6 Prozent (-5,7) dem Euro eine längerfristige Aufwertung zu. 48,7 Prozent (+1,8) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus, während 32,7 Prozent (+3,9) für EUR/USD fallende Kurse prognostizieren. Gegenüber dem Britischen Pfund erwartet die Mehrheit von 60,6 Prozent (+9,9) und gegenüber dem Schweizer Franken mit 74,1 Prozent (+1,5) eine Seitwärtsbewegung.

An der Umfrage haben sich 243 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über deren Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

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