Wichtige Termine in der kommenden Woche

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In der kommenden Woche sind eine ganze Reihe wichtiger Termine vorhanden. Am Montag und Dienstag findet in Irland das Jahrestreffen der Gruppe der Acht (G8) statt. Es handelt sich dabei um die größten Industrienationen der Welt, zu denen Deutschland, die USA, Japan, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Russland gehören. Auf dem Treffen soll die Situation der Weltwirtschaft erörtert und gegebenenfalls gemeinsame Initiativen ergriffen werden. Eine entsprechend hohe Bedeutung können dortige Vereinbarungen für die Finanzmärkte haben. Diesmal soll insbesondere der Kampf gegen die Steuerflucht ein zentrales Thema sein.

In der Nacht zu Dienstag wird um 3:30 Uhr die Reserve Bank of Australia (RBA) das Protokoll Ihrer letzten geldpolitischen Sitzung veröffentlichen. Dort hatte man vor rund zwei Wochen zwar keine Änderungen am Leitzins oder anderen Programmen vorgenommen. Dennoch prognostizieren die meisten Ökonomen eine weitere Lockerung der Geldpolitik in den kommenden Monaten. Da im Protokoll die persönlichen Ansichten der einzelnen stimmberechtigten Mitglieder ersichtlich sind, kann daraus auch gefolgert werden, wie wahrscheinlich diese Prognosen sind.

Am Dienstag um 11:00 Uhr werden die vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelten Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Dafür wurden rund 300 Analysten und institutionelle Anleger über deren Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden. Seit Dezember liegt der Index wieder im positiven Bereich. Am Jahresanfang schoss er sogar bis 48,5 Punkte regelrecht nach oben. Danach kühlte sich die Stimmung zwar wieder etwas ab, lag aber mit 36,3 Punkten im April bzw. 36,4 Punkten im Mai weiter auf einem hohen Niveau.

Am Dienstagvormittag um 10:30 Uhr wird die britische Statistikbehörde die Entwicklung der Verbraucherpreise bekannt geben. Die Inflation war in den vergangenen Monaten zwar rückläufig, aber dennoch ständig deutlich über dem Zielwert der Notenbank von zwei Prozent. Man prognostiziert im Jahresverlauf sogar einen erneuten Anstieg, bevor die Teuerung dann wieder abnimmt. Da die Inflation ein wichtiger Faktor für die Geldpolitik ist, werden diese Zahlen von den Märkten sehr stark beachtet.

Das Thema Inflation wird auch eine halbe Stunde später, um 11:00 Uhr, im britischen Parlament behandelt werden. Dann findet die vierteljährliche „Inflations-Anhörung“ statt, bei welcher der Gouverneur der Bank of England Mervyn King und weitere Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses über die Notenbank-Prognosen zur weiteren Entwicklung der Teuerung berichten, sowie in diesem Zusammenhang den geldpolitischen Kurs erklären. Für Mervyn King ist es die letzte Inflations-Anhörung, da er Ende des Monats aus dem Amt scheidet.

Der nächste wichtige Termin steht in Großbritannien am Mittwoch um 10:30 Uhr an. Dann wird das Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung der Notenbank veröffentlicht. Bei dieser hatte es keine Änderungen an der Geldpolitik gegeben. Spannend ist, wie das Abstimmungsverhalten bezüglich einer Erweiterung der (seit Ende Oktober ruhenden) Anleihenkäufe ausgegangen ist. Bei den voran gegangenen Sitzungen hatten jeweils drei der neun Ratsmitglieder, darunter auch Gouverneur Mervyn King, für eine Ausweitung um 25 Milliarden auf 400 Milliarden Pfund gestimmt. Man wird nun darauf achten, ob dies so geblieben ist, oder sich aufgrund zuletzt einiger besserer Konjunktur-Daten die Anzahl der Befürworter möglicherweise verringert hat. Ob es in den kommenden Monaten noch zu einer Ausweitung der Anleihenkäufe kommen wird, ist unter Ökonomen umstritten. Eine knappe Mehrheit erwartet dies inzwischen in diesem Jahr nicht mehr.

Am Mittwoch ab 18:40 Uhr wird der neue Gouverneur der kanadischen Notenbank (BoC) Stephen Poloz vor der Handelskammer in Oakville eine Rede halten. Anschließend wird eine Pressekonferenz stattfinden. Öffentliche Auftritte der Notenbank-Vorsitzenden können prinzipiell immer zu Bewegungen in den Märkten führen, da nie ausgeschlossen werden kann, dass überraschende Hinweise zur weiteren Geldpolitik fallen. Dies gilt in diesem Fall ganz besonders, da sich Poloz erst seit wenigen Tagen im Amt befindet und möglicherweise neue Akzente setzt.

Am Mittwoch entscheidet der Offenmarktausschuss (FOMC) der amerikanischen Notenbank (Fed) über die weitere Geldpolitik. Um 20:00 Uhr werden das Ergebnis und ein Statement veröffentlicht. Fast noch wichtiger werden aber die vierteljährlichen Projektionen zur weiteren Entwicklung von Konjunktur und Inflation sein, welche ebenfalls um 20:00 Uhr bekannt gegeben werden. Ab 20:30 Uhr folgt eine Pressekonferenz mit Gouverneur Ben Bernanke. Obwohl größere geldpolitische Änderungen unwahrscheinlich sind, ist die Notenbank-Entscheidung aus terminlicher Sicht der Höhepunkt der Woche. In letzter Zeit gab es immer wieder Mutmaßungen nach denen ein früherer Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik schon dieses Jahr möglich ist. Dies hatte regelmäßig insbesondere die Aktienmärkte belastet. Mögliche Veränderungen bei den Projektionen gegenüber den Angaben vor drei Monaten und natürlich insbesondere die Äußerungen von Bernanke werden genau darauf analysiert werden, ob dadurch eine Änderung der Geldpolitik in den kommenden Monaten wahrscheinlich werden könnte.

Der Donnerstag wird das Londoner Markit Institut erste Schätzungen zum Einkaufsmanagerindex für Juni veröffentlicht. Den Anfang macht um 3:45 Uhr der chinesische HSBC Einkaufsmanagerindex. Später folgen die Schätzungen für den französischen (9:00 Uhr), deutschen (9:30 Uhr) und den Eurozonen-Einkaufsmanagerindex (10:00 Uhr). Dabei handelt es sich um wichtige monatlich ermittelte Konjunkturindikatoren, für welche Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrieunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Die jetzigen Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Vor einem Monat gab es erste Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung in der Eurozone. Man hofft, dass diese positiven Zeichen nun durch die neue Erhebung bestätigt werden.  Zu beachten ist, dass Abonnenten von Reuters die Ergebnisse der Einkaufsmanagerindexe jeweils 2 Minuten vor dem angegebenen Veröffentlichungs-Termin erhalten. Daher kann schon dann Bewegung in den Märkten entstehen.

Am Donnerstag um 16:00 Uhr veröffentlicht die Fed von Philadelphia ihren so genannten Philly Fed Index. Für diesen werden monatlich rund 250 Unternehmen mit mindestens 100 Arbeitnehmern nach deren Einschätzung zur derzeitigen Situation, sowie den Konjunkturerwartungen befragt. Ein Index über null signalisiert eine positive Stimmung, wodurch man auch auf eine positive Konjunkturentwicklung schließen kann. Der Wert schwankt seit Monaten um die Null-Linie herum. Zuletzt wurden im Mai nur minus 5,2 Punkte erzielt, nach plus 1,3 Punkten im April. Man hofft, dass nun wieder ein Ergebnis über null herauskommt.

Am frühen Freitagmorgen wird ab 8:35 Uhr der Gouverneur der Bank of Japan (BoJ), Haruhiko Kuroda, in Tokio eine Rede halten. Öffentliche Auftritte des Notenbank-Vorsitzenden können immer zu Bewegung in den Märkten führen, da nie ausgeschlossen werden kann, dass überraschende Äußerungen zu weiteren Geldpolitik fallen. Die japanische Notenbank steht derzeit aufgrund ihrer ultralockeren Geldpolitik ohnehin unter besonderer Beobachtung.

Die Einzelaufstellung der Termine finden Sie hier: Wirtschaftskalender

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