Wichtige Termine in der kommenden Woche

Auch am Pfingstmontag wird gehandelt. Der Tag dürfte aber sehr ruhig werden. Wichtige Termine sind nicht vorhanden. Erst in der Nacht zu Dienstag wird um 3:30 Uhr das Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung der Reserve Bank of Australia (RBA) auf größeres Interesse stoßen. Die Notenbank hatte vor rund zwei Wochen den Leitzins auf das Rekordtief von 2,75 Prozent gesenkt. Viele Händler waren zumindest vom Zeitpunkt dieser Entscheidung überrascht. Außerdem hatte die RBA angedeutet, dass es in den kommenden Monaten zu weiteren geldpolitischen Lockerungen kommen könnte. Im Protokoll sind nun das genaue Abstimmungsverhalten und die persönlichen Ansichten der stimmberechtigten Mitglieder ersichtlich, wodurch man noch besser die weitere Geldpolitik einschätzen kann.

In der Nacht zu Mittwoch wird die Bank of Japan (BoJ) über ihre weitere Geldpolitik entscheiden. Die Notenbank hatte in den vergangenen Monaten eine beispiellose Liquiditäts-Flut erzeugt mit dem Ziel die wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen und insbesondere die seit Jahren in Japan vorhandene hartnäckige Deflation zu beenden. Ziel ist es innerhalb von nur zwei Jahren eine Inflationsrate von zwei Prozent zu erreichen. Der Nebeneffekt dieser ultralockeren Geldpolitik ist, dass sich der Yen erheblich abschwächt, was von der Notenbank ebenfalls erwünscht ist. Beachtet werden sollte, dass die Erwartungshaltung der Märkte an die BoJ inzwischen so groß ist, dass bei den Notenbank-Sitzungen immer auch ein gewisses Enttäuschungspotenzial vorhanden ist. Neben der Veröffentlichung der Entscheidung, steht insbesondere auch die etwas später stattfindende Pressekonferenz mit BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda im Fokus.

Am Mittwoch um 10:30 Uhr wird das Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung der Bank of England (BoE) veröffentlicht. Diese hatte bei ihrer Sitzung vor rund zwei Wochen eine abwartende Haltung eingenommen und weder den Leitzins noch das Volumen des Anleihenkaufprogramms verändert. Ökonomen hatten dies so erwartet, insbesondere da sich die konjunkturellen Vorzeichen zuletzt für Großbritannien etwas aufgehellt haben. Allerdings hatten bei den vorangegangenen Sitzungen jeweils drei der neun stimmberechtigten Mitglieder für eine Ausweitung des derzeit bei 375 Milliarden Pfund (und seit November ausgeschöpften) Volumens des Anleihenkaufprogramms gestimmt. Darunter war auch der BoE-Gouverneur Mervyn King. Man ist gespannt, ob dies so geblieben ist oder sich die Zahl verringert hat. Zudem sind im Protokoll die persönlichen Ansichten der Entscheidungsträger und auch das (wahrscheinlich einstimmige) Abstimmungsverhalten zum Leitzins ersichtlich. Ökonomen gehen davon aus, dass auch bei der kommenden Sitzung im Juni keine Änderung der Geldpolitik zu erwarten ist. BOE-Gouverneur King wird Ende Juni aus dem Amt scheiden. Unter seinem Nachfolger, dem derzeitigen Notenbank-Chef von Kanada, Mark Carney, könnte es dann allerdings doch wieder zu geldpolitischen Lockerungen kommen, falls sich die konjunkturelle Entwicklung bis dahin wieder eintrüben sollte.

Am Mittwochabend um 20:00 Uhr wird das Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung der amerikanischen Notenbank veröffentlicht. Auch diese hatte dabei am 1. Mai die Geldpolitik nicht verändert. Es gab in den letzten Monaten allerdings vermehrt Stimmen innerhalb der Notenbank, welche die ultralockere Geldpolitik bereits im Laufe dieses Jahres langsam zurückfahren wollen. Andere sehen den Zeitpunkt dafür erst im kommenden Jahr als richtig an. Die Notenbank hatte bisher zumindest bezüglich dem „außergewöhnlich niedrigen“ Leitzins nahe null immer betont, dass dieser beibehalten werden soll, bis die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent gefallen ist. Obwohl sich der Arbeitsmarkt inzwischen deutlich aufgehellt hat, ist dies wohl auch erst im kommenden Jahr zu erwarten. Das Protokoll wird die persönlichen Ansichten der Entscheidungsträger und das Abstimmungsverhalten zeigen, wodurch die weitere Geldpolitik besser eingeschätzt werden kann.

Überhaupt wird die kommende Woche möglicherweise für mehr Klarheit über den weiteren Kurs der wichtigsten Notenbanken der Welt sorgen. Nicht nur die genannten Notenbank-Sitzungen und Sitzungs-Protokolle stehen nämlich im Kalender, sondern auch mehrere Reden von Notenbank-Vorsitzenden. Im Einzelnen wird der Gouverneur der Bank of Canada Mark Carney am Dienstag ab 18:45 Uhr in Montreal sprechen. Am Mittwoch folgt ab 12:00 Uhr eine Rede des Vorsitzenden der Schweizerischen Nationalbank Thomas Jordan in Frankfurt und ab 16:00 Uhr eine Anhörung des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke vor dem Finanzausschuss des Kongresses in Washington. Am Donnerstag könnte man dann noch mehr über den weiteren Kurs der Europäischen Zentralbank erfahren, da ab 19:30 Uhr der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und ab 21:30 Uhr EZB-Präsident Mario Draghi öffentlich auftreten werden. Zuletzt wird der Gouverneur der Bank of Japan Haruhiko Kuroda nicht nur am Dienstag an der erwähnten Pressekonferenz teilnehmen, sondern auch am frühen Freitagmorgen ab 4:55 Uhr in Tokio sprechen.

Der Donnerstag steht ansonsten ganz im Fokus wichtiger Konjunktur-Indikatoren, da das Londoner Markit Institut erste Schätzungen zum Einkaufsmanagerindex für Mai veröffentlicht. Den Anfang macht um 3:45 Uhr der chinesische HSBC Einkaufsmanagerindex. Später folgen die Schätzungen für den französischen (9:00 Uhr), deutschen (9:30 Uhr) und den Eurozonen-Einkaufsmanagerindex (10:00 Uhr). Dabei handelt es sich um wichtige monatlich ermittelte Konjunkturindikatoren, für welche Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrieunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Die jetzigen Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die Indikatoren hatten sich nach einem hoffnungsvollen Januar in den letzten Monaten doch wieder eingetrübt. Sorge bereitet insbesondere, dass Deutschland im April auch wieder unter 50 gefallen ist und somit für die größte Volkswirtschaft der Eurozone ebenfalls eine sich abschwächen Wirtschaftskraft angezeigt wurde. Zu beachten ist, dass Abonnenten von Reuters die Ergebnisse der Einkaufsmanagerindexe jeweils 2 Minuten vor dem angegebenen Veröffentlichungs-Termin erhalten. Daher kann schon dann Bewegung in den Märkten entstehen.

Am Donnerstag um 11:30 Uhr wird das britische Statistikamt die zweite Schätzung zur Entwicklung des Bruttonationalproduktes (BIP) im ersten Quartal des Jahres bekannt geben. Laut der ersten Schätzung konnte Großbritannien entgegen den Befürchtungen von Ökonomen eine Rezession vermeiden und einen leichten Anstieg des BIP um 0,3 Prozent verzeichnen. Man hofft, dass die nun genauere Schätzung dies bestätigen wird. Das endgültige Ergebnis wird erst Ende Juni veröffentlicht, wobei es gewöhnlich zu der jetzigen zweiten Schätzung keine größeren Abweichungen mehr geben wird.

Ein anderer Konjunktur-Indikator steht am Freitag um 10:00 Uhr zur Veröffentlichung an. Dann wird das Münchener ifo-Institut seinen monatlich ermittelten Geschäftsklimaindex veröffentlichen. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Zur Ermittlung werden regelmäßig rund 7.000 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, sowie des Groß- und Einzelhandels nach der derzeitigen Geschäftssituation und den Erwartungen für die kommenden sechs Monate befragt. Der Index hatte sich nach einem zwischenzeitlichen Hoch im Februar bei 107,4 Punkten, in den letzten beiden Monaten wieder bis 104,4 Punkte abgeschwächt. Trotzdem ist dies immer noch ein guter Wert, welcher die stabile konjunkturelle Entwicklung des Landes bestätigt. Man hofft, dass das Geschäftsklima für Mai nicht nur die gute Situation bestätigt, sondern auch wieder nach oben dreht.

Weitere Termine, welche beachtet werden sollten, sind spanische Anleihenauktionen am Dienstag und Donnerstag jeweils um 10:45 Uhr, die Entwicklung der britischen Verbraucherpreise am Dienstag um 10:30 Uhr, die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA am Donnerstag um 14:30 Uhr, die Anzahl neuer Immobilienverkäufe in den USA am Donnerstag um 16:00 Uhr, sowie am Freitag um 14:30 Uhr die amerikanischen Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter.

Die Einzelaufstellung der Termine finden Sie hier: http://www.tradernews.de/wirtschaftskalender

 

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