USD/JPY: Weitere Yen-Abwertung nicht erwünscht?

USD/JPY hatte seine starke Aufwärtsbewegung auch in der vergangenen Woche fortgesetzt und konnte erstmals seit Oktober 2008 zum Wochenende wieder über 103 schließen. Der Kurs ist damit in den letzten sieben Monaten um rund 32 Prozent und davon allein in diesem Jahr um fast 20 Prozent gestiegen. In dieser Woche gab es allerdings direkt in der Nacht zum Montag einen Rücksetzer bis 102. Auch danach kann das Paar bisher nicht weiter steigen, sondern zeigt sich eher unentschlossen und bewegt sich seitwärts. Ein Grund dafür könnten Äußerungen von Japans Finanzminister Akira Amari in einer Talkshow am Sonntag sein. Auf die Frage, wie stark der Yen noch abwerten soll, hatte er sich ausweichend geäußert und verwies auf Experten, welche der Meinung seien, dass die Korrektur des starken Yen inzwischen bereits weitgehend abgeschlossen wäre. Außerdem fügte er hinzu: „Wenn der Yen noch sehr viel stärker nachgäbe, würde das Leben der Menschen negativ beeinflusst.“ Besorgt zeigte sich Amari zudem wegen dem schnellen Anstieg des japanischen Aktienmarktes. Aufgrund der ultralockeren Geldpolitik hat der Leitindex Nikkei in diesem Jahr bereits um mehr als 45 Prozent auf ein 5-Jahreshoch aufgewertet. Amari sagte, dass er diese Geschwindigkeit nicht erwartet habe.

Die japanische Notenbank hatte in den letzten Monaten beispiellose geldpolitische Lockerungen beschlossen mit dem Ziel die Wirtschaft anzukurbeln und die jahrelange hartnäckige Deflation zu beenden. Innerhalb von nur zwei Jahren soll eine Inflationsrate von zwei Prozent erreicht werden. Obwohl dies nicht als Ziel genannt wurde, galt der durch diese Geldpolitik stark abwertende Yen als gewollter Nebeneffekt. Die Landeswährung war in der Finanzkrise als „sicherer Hafen“ gefragt und hatte stark aufgewertet, was die japanische Exportindustrie vor große Probleme gestellt hat. Premierminister Shinzo Abe, welcher seit Ende Dezember im Amt ist, hatte daher massiven Druck auf die Bank of Japan (BoJ) ausgeübt, die (ohnehin schon damals expansive) Geldpolitik weiter zu lockern. Sogar mit einem möglichen Ende der Unabhängigkeit der Notenbank wurde gedroht. Der damalige BoJ-Gouverneur Shirakawa hatte sich bereits Anfang des Jahres widerwillig dem Druck gebeugt und weitere Lockerungen beschlossen. Nachdem dieser im März aus dem Amt geschieden ist, wurde die BoJ-Führung mit Personen besetzt, welche als Befürworter des geldpolitischen Kurses von Premiere Abe gelten. Der neue Notenbank-Gouverneur Haruhiko Kuroda hat dann auch gleich den politischen Vorstellungen entsprochen und nach Amtsübernahme eine massive Ausweitung des Anleihenkaufprogramms im geldpolitischen Rat durchgesetzt.

Gerade weil die ultralockere Geldpolitik und der dadurch abwertende Yen also bisher politisch gewollt waren, sind die Äußerungen des Finanzministers in der Talkshow auf Aufmerksamkeit gestoßen. Denn dies könnte ein Indiz dafür sein, dass auch der Notenbank die Entwicklung der Währung und der Anstieg der Aktienmärkte zu schnell gehen. Zwar würde dies dann sicherlich nicht zu einer Änderung der geldpolitischen Programme führen. Man könnte aber zumindest verbal versuchen etwas auf die Bremse zu drücken. Bei USD/JPY wäre in diesem Fall eine Korrektur möglich, welche viele Devisenhändler ohnehin als überfällig betrachten.

In diesem Zusammenhang sollten zwei Termine der Woche besonders beachtet werden. Zum einen findet in der Nacht zu Mittwoch eine geldpolitische Sitzung der BoJ statt. Dort werden zwar keiner größeren Änderungen erwartet. Der Wortlaut des anschließenden Statements und insbesondere die Äußerungen von BoJ-Gouverneur Kuroda auf der Pressekonferenz dürften aber stark beachtet werden. Zudem wird Kuroda auch in der Nacht zu Freitag ab 4:55 Uhr auf einer Veranstaltung in Tokio eine Rede halten.

Kurzfristig findet sich für USD/JPY derzeit (Stand Dienstag ca. 13:00 Uhr) bei ungefähr 101,80 und 101,23 Unterstützung. Darunter müsste von einer ausgeprägteren Korrektur bis 100; 97 und möglicherweise 95,78 ausgegangen werden. Im Moment ist das Chartbild aber trotz der aus den oben genannten Gründen zunehmenden Korrektur-Wahrscheinlichkeit bullish zu bewerten. Falls ein Anstieg über 103,50 und anschließend auch über den Bereich 104/105 gelingt, wäre der Weg bis 108 und dann 110 frei.

Tageschart USD/JPY (Stand ca. 13:00 Uhr):
USDJPY

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