USD/JPY: Bank of Japan wartet ab

Die Bank of Japan (BoJ) hat bei ihrer geldpolitischen Sitzung in der Nacht zu Donnerstag keine Änderungen an der Geldpolitik vorgenommen und will die im April beschlossenen Maßnahmen unverändert fortführen. Die Notenbank hatte damals entschieden im großen Stil Anleihen zu kaufen und die Geldbasis jährlich um 60 bis 70 Billionen Yen (rund 465 bis 542 Milliarden Euro) auszuweiten. Dadurch soll die Wirtschaft gestärkt und insbesondere die seit rund 15 Jahren herrschende Deflation beendet werden. Ziel ist es in zwei Jahren eine Inflationsrate von 2,0 Prozent zu erreichen.

Mit der bisherigen Entwicklung zeigt man sich zufrieden, wodurch auch keine Notwendigkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung gegeben war. „Japans Wirtschaft beginnt sich moderat zu erholen“, wurde im begleitenden Statement mitgeteilt. Diese Formulierung sorgte für stärkere Beachtung, da das Wort „erholen“ erstmals seit Januar 2011, also kurz vor der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe von März 2011, wieder verwendet wurde. Auch BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda sagte bei der späteren Pressekonferenz: „Die Wirtschaft unseres Landes beginnt eindeutig sich moderat zu erholen. Das kann ich an mehreren Konjunkturindikatoren ablesen.“

Risiken für die weitere Entwicklung sieht man weniger in der Binnennachfrage, als in der Weltwirtschaft, wobei hier explizit die Eurozone genannt wurde. Sollte sich die Exportnachfrage nämlich verringern, könnte dies wieder zu mehr Pessimismus bei den japanischen Unternehmen führen.

Die Wachstumsprognose wurde leicht gesenkt. Im aktuellen Fiskaljahr geht die BoJ nun von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,8 Prozent aus. Zuvor waren es 2,9 Prozent. Im kommenden Fiskaljahr wird dann ein geringeres Plus von 1,3 Prozent erwartet, was ebenfalls 0,1 Prozent unter dem Wert der letzten Schätzung aus April liegt. Eine kleine Enttäuschung ist, dass gleichzeitig auch die Inflationserwartungen für die kommenden zwei Fiskaljahre um jeweils 0,1 Prozent gesenkt werden mussten. Für dieses Jahr erwartet man nur noch eine Inflationsrate von 0,6 Prozent. Für 2014/15 sollen es dann 1,3 Prozent sein und im darauf folgenden Fiskaljahr 1,9 Prozent. Damit hätte man aber trotzdem innerhalb der angestrebten zwei Jahre das Ziel von 2,0 Prozent fast erreicht.

Viele Ökonomen sind skeptisch ob sich die Inflation tatsächlich wie von der Notenbank erwartet entwickeln wird. In einer Umfrage unter 41 Experten prognostizierten diese im Durchschnitt für 2015 lediglich eine Inflation von 1,0 Prozent. Für die weitere Geldpolitik erwarten die meisten Fachleute, dass die Notenbank noch etwas länger eine abwartende Haltung einnehmen wird. Frühestens im Oktober, wenn von der BoJ neue Prognosen zur Entwicklung der Konjunktur und Inflation veröffentlicht werden, wird eine weitere geldpolitische Lockerung für möglich gehalten. Noch wahrscheinlicher erscheint den Experten eine erneute Lockerung aber sogar erst für Anfang des kommenden Jahres. Und dies unter der Voraussetzung, dass die neuen Notenbank-Prognosen dann tatsächlich deutliche Risiken für das Erreichen der Zielwerte offenbaren.

Charttechnische Betrachtung von USD/JPY (Stand Donnerstag ca. 18:30 Uhr):

Seit Oktober vergangenen Jahres hatte USD/JPY eine steile Rallye hingelegt. Beflügelt durch die ultralockere japanische Geldpolitik ging es ausgehend von Kursen bei rund 78 im Hoch bis 103,73 am 22. Mai dieses Jahres nach oben. Anschließend korrigierte der Dollar aber deutlich und fiel Mitte Juni im Tief bis 93,77. Danach konnte sich das Paar wieder erholen und bis zum vergangenen Montag erneut bis 101,55 steigen. Das Ergebnis der japanischen Notenbanksitzung entsprach den Erwartungen der Marktteilnehmer und hatte kaum Einfluss auf die weitere Kursentwicklung. Wichtiger waren dagegen die Äußerungen des Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, am Mittwochabend. Dieser hatte erklärt, dass die amerikanische Wirtschaft noch lange Zeit eine sehr lockere Geldpolitik benötigen würde. Das sorgte für eine Dollar-Abwertung. USD/JPY fiel darauf am heutigen Donnerstag im Tief bis 98,21 (Stand ca. 18:30 Uhr). Ein Ende der seit Mitte Juni zu sehenden Aufwärtsbewegung muss dies allerdings noch nicht bedeuten. Erst unter 97 würde sich die Situation für das Paar wieder deutlich eintrüben und spätestens unter 96 müsste von einer weiteren Abwertung bis zum Juni-Tief bei 93,77 ausgegangen werden. Auch eine noch größere Dollar-Abwertung könnte in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden. Im Moment besteht aber durchaus noch die Möglichkeit, dass sich das Paar wieder stabilisiert und nachhaltig nach oben dreht. Bei einem Anstieg über das Wochenhoch bei 101,55 und anschließend die Widerstände bei rund 102,55 wäre USD/JPY nicht nur in den ehemaligen Aufwärtstrend, beginnend im November 2012, zurückgekehrt, sondern auch der Weg für eine weitere Aufwertung bis 103,73 und anschließend 105 wäre frei.

Tageschart USD/JPY (Stand ca. 18:30 Uhr):
USDJPY

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