USD/JPY: Bank of Japan lockert die Geldpolitik vorerst nicht weiter

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Die Bank of Japan (BoJ) hat nach ihrer zweitägigen geldpolitischen Sitzung am frühen Dienstagmorgen bekräftigt, dass die expansive Geldpolitik einschließlich der im April beschlossenen umfangreichen Anleihenkäufe unverändert fortgeführt werden sollen. Bei Marktteilnehmer sorgte die Entscheidung dennoch überwiegend für Enttäuschung, da man auf Maßnahmen spekuliert hatte, um der zuletzt hohen Volatilität auf den Anleihenmärkten und einem möglichen Anstieg der langfristigen Zinsen entgegen zu wirken. Wie aus Notenbank-Kreisen bekannt wurde, hat der geldpolitische Rat zwar auch über die Möglichkeit diskutiert die Laufzeit von bestimmten Krediten an Geldinstitute auf zwei Jahre zu verdoppeln. So hätte man deren Liquidität zum Kauf von Anleihen stärken können, um einem Anstieg der Zinsen entgegen zu wirken. Man habe sich letztendlich aber dagegen entschieden. Einige Ratsmitglieder hätten die Sorge gehabt, dass die Banken dann nämlich weniger in Aktien und andere Anlagen investieren würden. Außerdem sei derzeit der unmittelbare Druck nicht mehr vorhanden gewesen, da der Ende Mai zu beobachtende Zinsanstieg in diesem Monat vorerst zum Erliegen gekommen ist.

Die BoJ hat außerdem zum sechsten Mal in Folge ihre Einschätzung zur weiteren konjunkturellen Entwicklung angehoben. Während man vor einem Monat noch mitteilte, dass die Wirtschaft „beginnt“ zuzulegen, heißt es nun die Wirtschaft „legt zu“.

Erst am Montag wurde bekannt, dass das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal des Jahres um 1,0 Prozent gegenüber dem Vor-Quartal gewachsen ist. Damit wurde eine erste Schätzung über 0,9 Prozent nach oben korrigiert. Im Vergleich zum ersten Quartal 2012 betrug der Anstieg sogar 4,1 Prozent, gegenüber zunächst geschätzten 3,5 Prozent. Die Investitionen der Unternehmen waren mit minus 0,3 Prozent dabei zwar weiterhin rückläufig. Damit aber weniger stark, als zunächst angenommen.

Um die Unternehmens-Investitionen weiter anzukurbeln kündigte Ministerpräsident Shinzo Abe außerdem für Herbst eine Steuerreform an, durch welche Investitionen steuerlich stärker gefördert werden sollen.

Japans Regierung und Zentralbank wollen durch eine beispiellose Geldflut und Konjunkturprogramme die schwächelnde Konjunktur wieder zum Laufen bringen und außerdem die seit Jahren vorhandene Deflation innerhalb von maximal zwei bis drei Jahren überwinden.

Charttechnische Betrachtung von USD/JPY:

Seit Oktober vergangenen Jahres hatte USD/JPY eine steile Rallye hingelegt. Beflügelt durch die ultralockere japanische Geldpolitik ging es ausgehend von Kursen bei rund 78 im Hoch bis 103,73 am 22. Mai dieses Jahres nach oben. Seit diesem Zeitpunkt korrigiert der Dollar aber deutlich. Vor allem in der vergangenen Woche stürzte das Paar bis zu einem Tief bei nur noch 94,95 regelrecht ab. In dieser Woche gelang zunächst eine Erholung bis 99,31. Nach der Notenbank-Entscheidung ist USD/JPY aber am Dienstag erneut bis zu einem Tief bei 96,45 (Stand Dienstag ca. 19:15 Uhr) gesunken. Insgesamt sieht es danach aus, dass das Ende der Korrektur noch nicht erreicht ist. Insbesondere falls der Kurs nochmals nachhaltig unter 95,78 fällt, müsste von einer anschließenden weiteren Abwertung bis 94; 92,53 und möglicherweise 90,84 ausgegangen werden. Aufhellen würde sich die Lage für den Dollar dagegen bei einem Anstieg über 99,50. Dann wären die nächsten Widerstände bei 100,48 und 102,58 zu finden. Darüber könnten dann sogar neue Jahreshochs bei 105 und 108 erreicht werden.

Trotz der erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine kurzfristige Fortsetzung der Korrektur, ist langfristig wahrscheinlich, dass der Yen durch die sehr expansive japanische Geldpolitik doch wieder unter Druck kommen wird (also USD/JPY steigt).

Tageschart USD/JPY (Stand Dienstag, ca. 19:15 Uhr):
USDJPY

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