US-Notenbank ist uneinig über die Dauer der Anleihenkäufe

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Der Offenmarktausschuss (FOMC) der amerikanischen Notenbank (Fed) ist sich nicht einig in der Frage, wie lange die Anleihenkäufe anhalten sollen. Das geht aus dem am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Notenbanksitzung vom 19. und 20. März hervor. Einige Mitglieder sind der Auffassung, dass die Notenbank ihre Anleihenkäufe ab Mitte des Jahres reduzieren und zum Jahresende ganz einstellen soll. Ein Mitglied sprach sich sogar dafür aus, diese sofort zu verringern. Andere befürworten im weiteren Jahresverlauf einen langsamen Ausstieg. Nur noch zwei Mitglieder möchten die Käufe bis ins nächste Jahr unverändert fortführen. Im Moment kauft die Fed monatlich Anleihen und immobilienbesicherte Wertpapiere im Umfang von 85 Milliarden Dollar.

Auch die Befürworter eines langsamen Ausstiegs, machten dies aber abhängig von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und befürworteten dies nur für den Fall, dass „sich die Lage am Arbeitsmarkt wie prognostiziert bessert“. Aufgrund dieser Aussage ist auch zweifelhaft, ob es tatsächlich schon so bald zu einem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik kommt. Denn erst am letzten Freitag gab es enttäuschende Arbeitsmarktzahlen für März. So wurden lediglich 88.000 neue Stellen geschaffen, während es im Februar noch 268.000 gewesen waren. Die meisten Experten gehen weiter davon aus, dass es frühestens Ende des Jahres oder Anfang 2014 zu einer Verringerung der Anleihenkäufe kommt.

Auch der Fed-Vorsitzender Ben Bernanke hat die Anleihenkäufe stets öffentlich unterstützt. Erst am Montag hatte er während einer Rede die amerikanische Wirtschaft zwar als „signifikant stärker“ als noch im Jahr 2009 bezeichnet. Trotzdem hat er betont, dass „die Bedingungen ganz offensichtlich nicht so sind, wie wir sie uns wünschen“. Zudem würden die meisten der führenden industriellen Volkswirtschaften im Moment eine expansive Geldpolitik betreiben, welche im Ergebnis positiv für alle beteiligten Staaten sei. Bisher hat die Notenbank immer angekündigt die ultralockere Geldpolitik erst zu beenden, wenn die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent gefallen ist. Im Moment liegt diese bei 7,6 Prozent und alle Prognosen lassen nicht erwarten, dass die Quote schon bald unter diesen Wert fallen könnte.

Panne bei der Veröffentlichung des Protokolls

Eine Panne gab es bei der Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls, welches stets mit Spannung erwartet wird und häufig zu größeren Bewegungen in den Märkten führt. Eigentlich sollte die Veröffentlichung am Mittwoch um 20:00 Uhr sein. Aus Versehen hatte die Fed das Protokoll aber bereits am Dienstag gegen 14:00 Uhr Ortszeit per E-Mail an Mitarbeiter des Kongresses und anderer Organisationen geschickt, welche dies normalerweise kurz nach der planmäßigen Veröffentlichung erhalten. So war die marktsensible Information bereits 100 Personen vorab bekannt. Hinweise auf Insiderhandel gebe es zwar laut Fed nicht. Trotzdem werde der Vorgang untersucht. Direkt nachdem der Fehler am Mittwoch gegen 15:00 Uhr MESZ aufgefallen war, wurde das Sitzungsprotokoll dann vorzeitig veröffentlicht.

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