US Konsumenten sind wenig euphorisch

Gastbeitrag: R. Müller (Schweiz)

Die US-Detailhändler haben im März im Vergleich zum Vormonat einen geringeren Absatz erzielt. Der Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan deutet zudem auf schwächeren Absatz hin.

T-Shirt-Wetter in New York. Doch obwohl das Thermometer nächste Woche auf 28 Grad klettern soll, hallt der Winter nach, zumindest in der Konsumstatistik. Angesichts der ausgesprochen tiefen Temperaturen im März blieben viele Verbraucher lieber in der kuschelig warmen Stube, als den Weg ins Shopping-Center anzutreten. Der saisonal bereinigte Detailhandelsumsatz ist gegenüber Februar um 0,4% geschrumpft. Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Immerhin hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr leicht aufgehellt. Die Konsumenten haben ihre Ausgaben um 2,8% gesteigert. Gegenüber dem ersten Quartal 2012 ist der Detailhandelsumsatz gar 3,7% gewachsen. Besonders gut ist es neben den Autohändlern auch den Online-Shops gelaufen. Der Versandhandel – zu dem die Geschäfte im Internet gehören – hat seit dem Vorjahr um 13,5% zugelegt, wie das US-Handelsministerium am Freitag berichtet.

Einige Analysten sehen den Grund für die schwachen Märzzahlen darin, dass der Winter diese Saison erst spät sein wahres Gesicht gezeigt hat. Weil der Dezember überraschend mild gewesen sei, hätten die Verbraucher dann mehr ausgegeben als üblich. Nun seien sie einfach am Kompensieren. Angst vor einem Konjunktureinbruch klingt anders. Die meisten Analystenberichte nehmen den Konsumbericht erstaunlicherweise gelassen zur Kenntnis.

Indikatoren zeigen nach unten

Neben den eisigen Temperaturen hat vor allem die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt ihren Tribut gefordert. «Jeder, der glaubt, die Konsumenten würden jetzt wie wild einkaufen, täuscht sich selbst», sagte Detailhandelsspezialist Alison Jatlow Levy vom Beratungsunternehmen Kurt Salmon zur Nachrichtenagentur Reuters. Immerhin kamen diese Woche ausnahmsweise erfreuliche Neuigkeiten vom US-Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosengeld ist unerwartet auf 346 000 gesunken – nachdem sie in den letzten Wochen mehrheitlich über den Erwartungen ausgefallen war.

Schliesslich könnten nun auch die zu Beginn des Jahres beschlossenen höheren Rentenversicherungsbeiträge und Spitzensteuersätze, wie auch die in Kraft getretenen Einsparungen im Rahmen des Sequester, in Zukunft auf den Konsum der US-Bürger wirken. So ist der Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan für April um ganze 6,3 Punkte auf 72,3 Zähler zurückgegangen. Ein Rückgang, der äusserst enttäuschend ausfällt. Am Markt wurde mit einer Abschwächung um nur 0,6 Punkte gerechnet.

Seit langem debattieren Experten darüber, wann die von der Regierung beschlossenen resp. tolerierten Fiskalmassnahmen auf den Konsum durchschlagen werden. Bisher, so wird vermutet, konsumieren die US-Amerikaner vor allem dank Erspartem und dank der Erholung am Immobilienmarkt. Wegen Kündigungsfristen würden die Einsparungen zudem noch nicht voll wirken.

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