Kuroda sieht kein Risiko eines Abwertungswettlaufs

Der neue Gouverneur der Bank of Japan (BoJ), Haruhiko Kuroda, sieht trotz der beispiellosen geldpolitischen Lockerungen seines Landes und der starken Yen-Abwertung nicht das Risiko eines Abwertungswettlaufs. Dies sagte Kuroda am Mittwoch gegenüber Journalisten. Es würde allgemein verstanden werden, dass die expansive Geldpolitik seiner Notenbank nicht das Ziel habe den Yen zu schwächen, sondern die Deflation zu besiegen, unter welcher Japan seit Jahren leidet. Natürlich sei es im Allgemeinen so, dass Währungen zur Abwertung neigen, wenn die Geldpolitik gelockert wird. Die Yen-Abwertung um rund 24 Prozent in den vergangenen Monaten relativierte er aber als Korrektur. „Man kann sagen, dass sich der Yen nach wie vor in einer Korrekturphase befindet, angesichts seines übermäßigen Anstiegs nach der Finanzkrise“, sagte der Notenbank-Vorsitzende zu den Journalisten.

Falsch sind die Aussagen von Kuroda nicht unbedingt, wenn man bedenkt, dass USD/JPY beispielsweise im Juni 2007 noch bei 124 und Anfang 2002 bei rund 135 lag. Auch EUR/JPY ist im Zuge der Finanzkrise von 170 bis unter 100 gefallen und hat sich nun wieder bis auf über 130 erholt. Sorge bereitet vielen Experten daher auch nicht unbedingt der derzeitige Kurs, sondern eher die Geschwindigkeit der Bewegung.

Weitere geldpolitische Lockerungen schloss Kuroda nicht aus, bremste aber dennoch zu hohe Erwartungen. „Wir planen nicht, eine weitere Maßnahme nach der anderen zu beschließen“, sagte er. Die BoJ hatte Anfang April eine Verdopplung der Anleihenkäufe auf insgesamt 270 Billionen Yen bis 2014 beschlossen. Monatlich sollen für rund 7 Billionen Yen Anleihen gekauft und dabei in Zukunft auch langfristig laufende Papiere erworben werden, während die Käufe vorher auf Laufzeiten von maximal drei Jahren begrenzt waren. Dadurch soll auch die Geldbasis bis Ende 2014 verdoppelt werden. Ziel dieser Politik ist es, die langfristigen Zinsen zu senken, die Wirtschaft anzukurbeln und die Deflation zu besiegen. Die Notenbank um Kuroda hat sich selbst das für japanische Verhältnisse ambitionierte Ziel gesetzt innerhalb von zwei Jahren eine Inflationsrate von zwei Prozent zu erreichen. Deflation ist für eine Volkswirtschaft gefährlich, weil die Erwartungshaltung weiter sinkender Preise Unternehmen und Konsumenten von Investitionen abhält.

Lagarde lobt japanische Geldpolitik

Die Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christina Lagarde, hat unterdessen die japanische Geldpolitik gelobt. Diese seien ein willkommener Schritt zur Ankurbelung der Weltwirtschaft. „Maßnahmen der Geldpolitik – einschließlich unkonventioneller Maßnahmen – haben geholfen, die fortgeschrittenen Volkswirtschaften zu stützen und damit auch das globale Wachstum“, sagte sie. Sie stellt sich somit in Widerspruch zur deutschen Bundesregierung und zu Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, welche die japanische Geldpolitik scharf kritisiert hatten.

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Finanznachrichten, weltweit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.