GBP/USD: Inflationsbericht signalisiert frühere Zinserhöhung

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In ihrem am Mittwoch veröffentlichten vierteljährlichen Inflationsbericht prognostiziert die Bank of England (BoE) eine deutlich schnellere Erholung des Arbeitsmarktes. Die Arbeitslosenquote soll nun mit einer mehr als 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit bereits bis zum dritten Quartal 2015 auf 7,0 Prozent fallen. Vorher hatte die BoE dies erst für Mitte 2016 erwartet. Marktteilnehmer hatten mit Spannung auf die neuen Prognosen gewartet, da die Notenbank ihre Niedrigzinspolitik mit dem Erreichen dieses Zielwertes verknüpft hat. Frühestens dann soll nämlich über eine Erhöhung der bereits seit rund 4,5 Jahren auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent liegenden Leitzinsen nachgedacht werden. Experten waren allerdings angesichts der sich in Großbritannien erholenden Konjunktur schon seit längerem der Meinung, dass die Arbeitslosigkeit schneller sinken wird. Die Notenbank hat sich mit der neuen Prognose also lediglich der allgemeinen Marktmeinung angenähert.

Die Erholung auf dem Arbeitsmarkt bestätigen auch ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte Zahlen. So ist die Anzahl der Arbeitslosen, welche staatliche Unterstützung erhalten, im Oktober um 41.700 gesunken. Die Arbeitslosenquote ging von 7,7 Prozent auf 7,6 Prozent zurück. Ökonomen hatten eine gleichbleibende Quote und einen Rückgang lediglich um 30.200 Personen geschätzt.

BoE-Gouverneur Mark Carney betonte, dass aber auch das Erreichen des Zielwertes keinen Automatismus beim Leitzins auslösen werde. Auf Nachfrage sagte er, dass anderseits aber auch keine Senkung der Schwelle zu erwarten sei. Dies sei im Moment kein Thema. Carney zeigte sich erfreut über die beginnende wirtschaftliche Erholung. Trotzdem würde es bis zur Normalisierung der Wirtschaft noch „ein langer Weg“ sein. Fast eine Million mehr Menschen seien arbeitslos, als in den Jahren vor der Finanzkrise. Zudem müssten viele in Teilzeit arbeiten, obwohl sie eine Vollzeitstelle suchten. „Eine Rückkehr zu Wachstum ist noch keine Rückkehr zur Normalität“, fasste Carney zusammen. Es sei eine starke und nachhaltige Erholung nötig, um die Menschen wieder in Arbeit zu bringen.

Für das vierte Quartal 2013 prognostiziert die BoE nun einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,9 Prozent. Im vergangenen Quartal war die Wirtschaft um 0,8 Prozent gewachsen. Die Inflation soll Anfang 2015 wieder den Zielwert von zwei Prozent erreichen.

Charttechnische Betrachtung von GBP/USD:

Seit dem Jahrestief vom 9. Juli bei 1,4809 war GBP/USD in eine steile Aufwärtsbewegung übergegangen, welche das Paar bis zu einem Hoch bei 1,626 am 1. Oktober geführt hatte. Damit näherte sich das Britische Pfund einem wichtigen Widerstandsgebiet an, in welchem auch das Jahreshoch aus Januar bei 1,638 liegt. Nach einer Korrektur bis 1,589, konnte das Pfund nochmal zulegen und am 23. Oktober mit einem Hoch bei 1,6257 das genannte Oktober-Hoch fast wieder erreichen. Ein Anstieg darüber ist aber nicht gelungen, was bereits gegen eine Fortsetzung der seit Juli zu sehenden Aufwärtsbewegung gesprochen hatte. In der Folge hat die britische Währung dann auch wieder deutlich abgewertet. Am Montag fiel der Kurs in der Spitze bis 1,585 und somit noch unter das genannte Korrektur-Tief, wodurch sich die Situation nochmals eingetrübt hat. Am Dienstag haben dann aber überraschend geringe Zahlen zur Verbraucherpreisinflation zu einer ersten Gegenbewegung geführt, welche sich durch den Inflationsbericht am Mittwoch noch verstärkt hat. Der Kurs stieg in der Spitze bis 1,6046 und liegt auch aktuell (Mittwoch, 13.11.2013, ca. 22:30 Uhr) nur wenig tiefer. Damit hat sich die kurzfristige Situation zwar wieder aufgehellt. Für eine nachhaltigere Bewegung nach oben muss aber nun auch ein Anstieg über das Hoch der vergangenen Woche bei 1,6118 gelingen. Erst dann wäre der Weg frei für einen erneuten Test der beiden Oktober-Hochs bei 1,626. Darüber dürfte sich die seit Juli zu sehende Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen. Die nächsten Ziele finden sich in diesem Fall bei knapp 1,64 und dann 1,6746. Auf dem jetzigen Niveau bleibt das Chartbild aber trotz der deutlichen Erholung noch kritisch für das Pfund. Schon unter 1,595 würde sich die Situation auch kurzfristig wieder eintrüben. Und spätestens unter 1,59/1,585 müsste von einer weiteren Abwertung bis 1,5772; 1,568 und möglicherweise sogar bis 1,5418 ausgegangen werden.

Tageschart GBP/USD (Stand Mittwoch, 13.11.13, ca. 22:30 Uhr):
GBPUSD

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