GBP/USD: Carney bekräftigt lockere Geldpolitik

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Der neue Notenbank-Gouverneur der Bank of England (BoE), Mark Carney, hat am Mittwoch seine mit Spannung erwartete erste öffentliche Rede seit seinem Amtsantritt am 1. Juli gehalten. Carney bekräftigte dabei erwartungsgemäß die expansive britische Geldpolitik.  Mit dem neu eingeführten so genannten „Forward Guidance“ habe man klare messbare Richtlinien für die zukünftige Geldpolitik geschaffen. „Die Arbeitslosenquote muss mindestens bis zur Schwelle von sieben Prozent fallen, bis wir überhaupt daran denken die Zinsen zu erhöhen“, sagte Carney. Derzeit liegt die Arbeitslosigkeit in Großbritannien bei 7,8 Prozent. Zudem müssten die Banken ihre Kapitalquote auf sieben Prozent erhöht haben. Am Beispiel der japanischen Notenbank in den 1990er-Jahren könne man erkennen, dass es ein Fehler sei, die lockere Geldpolitik zu früh zu beenden.

Die BoE rechnet damit, dass die Zielmarke erst im Jahr 2016 erreicht wird. Carney widersprach in diesem Zusammenhang Marktteilnehmern, welche schon früher das Erreichen des Zielwertes prognostizieren und daher auch schon früher anziehende Zinsen für möglich halten. Zwar gehe Carney von einem weiterhin moderaten Wirtschaftswachstum aus. Jedoch würde die britische Wirtschaft erst 2015 wieder das Vor-Krisenniveau erreichen. Zudem seien rund 1 Million neuer Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft nötig, damit die Arbeitslosigkeit auf sieben Prozent fällt. Aber selbst falls die Erholung auf dem Arbeitsmarkt wider Erwarten schneller geschehe, sei eine Arbeitslosenquote von sieben Prozent anderseits auch kein automatischer Auslöser für eine Erhöhung des Leitzinses. Das Ziel für die Arbeitslosenquote würde ohnehin nicht bei sieben Prozent liegen, sondern die Quote solle längerfristig natürlich noch deutlich darunter fallen. An eine Erhöhung des Leitzinses würde man jedenfalls erst denken, wenn die Zahl der Arbeitsplätze und die Höhe der Einkommen deutlich zugenommen hätten. Im Moment sei man aber eher dazu bereit die Geldpolitik noch weiter zu lockern, falls dies notwendig werden sollte.

Dass die amerikanische Notenbank voraussichtlich schon in diesem Jahr mit einem langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik beginnen könnte, bedeute keineswegs, dass auch die BoE diesem Beispiel folgen wird. Die amerikanische Konjunkturerholung sei viel weiter fortgeschritten als die in Großbritannien, sagte der Notenbank-Vorsitzende.

Obwohl die Preise in Großbritannien schon seit längerem deutlich stärker steigen, habe sich der Zielwert für die Inflation von zwei Prozent nicht geändert. Man müsse aber Prioritäten setzen. „Es gibt Zeiten, in denen es angebracht ist, die Inflation langsamer zu drosseln“, erklärte Carney. Trotzdem gehe er davon aus, dass die Teuerung innerhalb der kommenden zwei Jahre „oder etwas länger“ den Zielbereich wieder erreicht.

Charttechnische Betrachtung von GBP/USD:

Am 9. Juli war GBP/USD auf ein Jahrestief bei 1,4809 gefallen. Von dort konnte sich der Kurs aber wieder kontinuierlich erholen und erreichte vor genau einer Woche ein Hoch bei 1,5717. Seitdem korrigiert das britische Pfund langsam nach unten. Am heutigen Mittwoch wurde zunächst die bei rund 1,5509 liegende 200-Tageslinie unterschritten und das Paar fiel anschließend auf ein Tief bei 1,5426. Während der Carney-Rede konnte sich der Kurs aber wieder deutlich bis 1,555 erholen und liegt auch aktuell (Mittwoch ca. 18:15 Uhr) nur wenig tiefer. Trotz der Korrektur der letzten Tage ist die seit Juli zu sehende Aufwärtsbewegung übergeordnet noch in Takt. Allerdings muss GBP/USD dafür nun kurzfristig wieder nach oben drehen. Denn schon bei einem Tagesschluss unter der 200-Tageslinie und insbesondere bei einem nachhaltigen Fall unter die Unterstützung bei 1,5418 (Tagestiefs vom 18. August) würde sich die Situation wieder eintrüben. Und spätestens unter 1,51 müsste mit einem neuen Test des Jahrestiefs gerechnet werden. Sollte die übergeordnete Aufwärtsbewegung aber gültig bleiben und sich das Paar entsprechend stabilisieren, würde ein Anstieg über die Widerstände bei 1,5638 und insbesondere über das Hoch der letzten Woche bei 1,5717 weiterhin deutlich steigende Kurse signalisieren. Oberhalb des Juni-Hochs bei 1,5751 wären die nächsten Ziele bei 1,59 und 1,60 zu finden. Längerfristig könnte in diesem Fall auch das Jahreshoch vom 2. Januar bei 1,638 angesteuert und möglicherweise überschritten werden.

Tageschart GBP/USD (Stand Mittwoch, ca. 18:15 Uhr):
GBPUSD

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