GBP/USD: Britisches BIP steigt um 0,6 Prozent

In Großbritannien ist das Bruttonationalprodukt (BIP) im zweiten Quartal des Jahres gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent angestiegen. Das teilte die britische Statistikbehörde am Donnerstag in einer ersten Schätzung mit. Der Anstieg war damit doppelt so stark, wie im ersten Quartal. Ökonomen hatten einen BIP-Anstieg in dieser Höhe erwartet. Zum ersten Mal seit fast drei Jahren ging es dabei in allen wichtigen Bereichen gleichzeitig aufwärts. Neben dem Dienstleistungssektor konnten auch die Industrieproduktion sowie die Bau- und Agrarwirtschaft zulegen.

Die britische Wirtschaft war vom vierten Quartal 2011 bis zum Schlussquartal 2012 kontinuierlich rückläufig gewesen. Einzige Ausnahme war das dritte Quartal 2012, als ein Plus von 1,0 Prozent erreicht wurde. Das war aber auf Einmal-Effekte wie die olympischen Spiele zurückzuführen. Die Rezession scheint Großbritannien hinter sich gelassen zu haben und langsam wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zurückzukehren.

Zwar ist man von den Wachstums-Raten vor der Finanzkrise 2008 noch weit entfernt. Trotzdem wird es immer sicherer, dass die Notenbank in den kommenden Monaten weder weitere Anleihenkäufe beginnen, noch sonstige geldpolitischen Lockerungen beschließen wird. Eine Straffung der Geldpolitik ist allerdings genauso wenig zu erwarten. Beobachter gehen vielmehr davon aus, dass Notenbank-Gouverneur Mark Carney nach amerikanischem Vorbild ein Bekenntnis zu niedrigen Leitzinsen für einen langen Zeitraum in die Zukunft geben wird. Möglicherweise wird dies bereits bei der nächsten Notenbank-Sitzung in der kommenden Woche geschehen.

Charttechnische Betrachtung von GBP/USD:

GBP/USD zeigt sich bereits das ganze Jahr sehr volatil. Von einem Hoch bei 1,638 am 2. Januar ging es zunächst bis 1,4829 am 12. März nach unten. Danach gelang eine Zwischen-Erholung bis 1,5751 am 17. Juni. Doch dann sorgte die Ankündigung der amerikanischen Notenbank die Geldpolitik unter Umständen schon dieses Jahr zu straffen für einen aufwertenden Dollar, wodurch GBP/USD wieder nach unten drehte und am 9. Juli ein neues Jahrestief bei 1,4809 bildete. Der Bereich 1,48 ist als wichtige Unterstützung zu werten. Vom genannten Jahrestief hat sich das Paar inzwischen wieder nachhaltig nach oben bewegt. In dieser Woche sorgte der Anstieg über das Zwischenhoch vom 3. Juli bei 1,5304 für ein Kaufsignal und weiter steigende Notierungen sind nun wahrscheinlich. Am heutigen Donnerstag liegt der Kurs aktuell (ca. 22:30 Uhr) erstmals seit Ende Juni wieder über 1,54. Der nächsten Widerstände finden sich bei rund 1,553; der 200-Tageslinie bei 1,5571 und 1,56. Darüber sind dann Ziele bei 1,5751; 1,59 und 1,60 zu nennen. Eintrüben wurde sich die Situation allerdings bereits bei einem Fall unter das Tagestief vom heutigen Donnerstag bei 1,526. In diesem Fall könnte in der Folge der Unterstützungsbereich bei 1,50 getestet werden. Darunter wäre der Weg frei für eine weitere Abwertung bis 1,48 und mittelfristig möglicherweise sogar bis 1,423.

Unabhängig von der wieder durchaus bullishen Chartsituation spricht auch die fundamentale Lage für eine weitere Pfund-Aufwertung. Solange neue geldpolitische Lockerungen in Großbritannien zunehmend unwahrscheinlich werden und gleichzeitig die amerikanische Federal Reserve Bedenken über einen zu schnellen Stopp der expansiven Geldpolitik zerstreut, ist durchaus auch aus diesem Blickwinkel von einer steigenden britischen Währung auszugehen. Für die längerfristige Entwicklung könnte in diesem Zusammenhang die kommende Woche wichtig werden, da sowohl die amerikanische Notenbank am Mittwoch, als auch die britische Notenbank am Donnerstag tagt.

Tageschart GBP/USD (Stand Donnerstag ca. 22:45 Uhr):
GBPUSD

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