GBP/USD: BOE ist sich weiterhin nicht einig

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Der geldpolitische Rat der Bank of England (BoE) ist sich in der Frage einer erneuten Lockerung der Geldpolitik weiterhin nicht einig. Aus dem am heutigen Mittwoch veröffentlichten Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung vom 5. und 6. Juni geht hervor, dass BoE-Gouverneur Mervyn King, Paul Fisher und David Miles (wie auch schon in den letzten Monaten) für eine Aufstockung des Volumens der Anleihenkäufe um 25 Milliarden auf 400 Milliarden Pfund gestimmt hatten. Die anderen sechs Mitglieder des neunköpfigen Rats waren aber dagegen. Das bisherige Volumen ist bereits seit Ende Oktober aufgebraucht, wodurch das Programm derzeit ruht.

Einstimmig votierte der Rat dafür den Leitzins auf dem bereits seit März 2009 gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent zu belassen. Auch war man sich einig, dass sich die konjunkturelle Lage in Großbritannien etwas verbessert habe. Die Befürworter weiterer Anleihenkäufe um Gouverneur King sehen aber weiterhin große Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung und hielten daher eine zusätzliche Stimulierung für sinnvoll. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, dass die Gefahr neuer Turbulenzen in der Eurozone immer noch gegeben sei. Die anderen Ratsmitglieder waren aber der Auffassung, dass die gegenwärtige Geldpolitik angemessen sei und verwiesen auf die Inflationsgefahren. Die Teuerung in Großbritannien liegt seit Dezember 2009 ohne Unterbrechung über dem Zielwert der Notenbank von 2,0 Prozent. Für Mai wurde ein Anstieg der Verbraucherpreise um 2,7 Prozent ermittelt. Die BoE erwartet in den nächsten Monaten einen weiteren Anstieg, bevor sich die Inflation dann wieder langsam verringert.

Die geldpolitische Sitzung war die letzte unter Leitung des aus dem Amt scheidenden Gouverneurs Mervyn King. Dieser war seit über 20 Jahren für die Notenbank in gehobener Funktion tätig und seit 2003 BoE-Gouverneur. Ab dem 1. Juli wird der bisherige Gouverneur der kanadischen Notenbank, Mark Carney, seinen Posten übernehmen. Ökonomen sind sich nicht einig, ob unter Carney in den kommenden Monaten doch noch mit einer Ausweitung des Anleihenkaufprogramms zu rechnen ist. In jüngsten Umfragen sind etwas mehr als 50 Prozent der Experten der Meinung, dass dies nicht der Fall sein wird.

GBP/USD: Warten auf die Fed-Entscheidung (Stand Mittwoch ca. 17:00 Uhr)

GBP/USD hat einen turbulenten Jahresauftakt hinter sich. Von einem Hoch bei 1,638 am 2. Januar ging es zunächst im Tief bis 1,4829 am 12. März nach unten. Danach gelang zunächst eine Erholung bis rund 1,56. Seit einem neuen Zwischentief bei 1,5005 Ende Mai, konnte das Pfund nochmals deutlich zulegen. In der Spitze stieg der Kurs am Montag bis 1,5751. Insgesamt ist die Aufwärtsbewegung aber seit rund einer Woche im Bereich der bei ungefähr 1,57 liegenden 200-Tageslinie zum Erliegen gekommen. Am gestrigen Dienstag fiel der Kurs kurzfristig sogar unter 1,56, erholt sich aber aktuell wieder in Richtung 1,57. Sollte das Pfund über das Montag-Hoch bei 1,5751 steigen und die 200-Tageslinie nachhaltig hinter sich lassen, wäre der Weg frei für einen weiteren Anstieg bis 1,59; 1,60 und längerfristig nahe an 1,64. Eintrüben würde sich die Situation dagegen unter dem Montag-Tief bei 1,5561 und insbesondere unter den Tiefs der vergangenen Woche bei 1,5485. In diesem Fall könnte auch eine weitere Abwertung zu den Tiefs bei 1,50 und 1,4829 nicht ausgeschlossen werden.

Genauso wie bei den meisten anderen Währungen könnte für die weitere Entwicklung gegenüber dem US-Dollar aber insbesondere die aktuell laufende Sitzung der amerikanischen Notenbank entscheidend sein. Man erhofft sich von den Ergebnissen Aufschluss darüber, ob und wann mit einer Verringerung der Anleihenkäufe zu rechnen ist. Das Sitzungsergebnis und die Notenbank-Projektionen zur Entwicklung der Konjunktur, Arbeitslosigkeit und Inflation werden heute um 20:00 Uhr bekannt gegeben. Um 20:30 Uhr folgt eine Pressekonferenz mit Fed-Gouverneur Ben Bernanke.

Tageschart GBP/USD (Stand Mittwoch ca. 17:00 Uhr):
GBPUSD

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