GBP/USD: BoE entscheidet erstmals seit Oktober einstimmig

Bei ihrer geldpolitischen Sitzung am 3. und 4. Juli hat die Bank of England (BoE) einstimmig entschieden den Leitzins auf dem seit März 2009 gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent zu belassen und auch das seit Ende Oktober vergangenen Jahres aufgebrauchte Volumen der Anleihenkäufe nicht auszuweiten. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll hervor. Die Sitzung stand erstmals unter Leitung des neuen BoE-Gouverneurs Mark Carney. Zudem war es das erste Mal seit Oktober 2012, dass sich die stimmberechtigten Mitglieder auch in der Frage der Anleihenkäufe einig waren. In den vergangenen Monaten hatten regelmäßig David Miles, Paul Fisher und der bisherige Gouverneur Mervyn King für eine Ausweitung der Anleihenkäufe um 25 auf 400 Milliarden Pfund gestimmt.

Laut dem Protokoll blieben zwar einige Ratsmitglieder bei ihrer Meinung, dass die Wirtschaft eine zusätzliche Stimulierung benötige. Sie wollten aber zunächst abwarten, welche möglichen Alternativen zu Anleihenkäufen sich durch den neuen Notenbank-Gouverneur Carney ergeben könnten. Andere Ratsmitglieder sahen ebenfalls die Möglichkeit, dass eine weitere Stimulierung notwendig werden könnte. Dies aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Wieder andere verwiesen auf die beginnende Konjunkturerholung und gehen davon aus, dass sich diese auch ohne erneute geldpolitische Lockerungen fortsetzen wird. Zudem könne sich sonst der Inflationsdruck verschärfen.

Einig waren sich dagegen alle Ratsmitglieder, dass die beginnende wirtschaftliche Erholung nicht durch eine zu schnelle Beendigung der stimulierenden Maßnahmen gefährdet werden darf. Da kurz vor der Sitzung die kurzfristigen Zinsen angestiegen waren, einigte man sich daher auch darauf neben dem reinen Sitzungsergebnis ein begleitendes Statement zu veröffentlichen. In diesem sollte deutlich gemacht werden, dass die konjunkturelle Entwicklung diesen Anstieg nicht rechtfertigt. Die Märkte wurden von dem Statement überrascht, da die BoE dieses gewöhnlich nur bei einer geldpolitischen Änderung herausgibt.

Durch die einstimmige Entscheidung ist es unwahrscheinlich geworden, dass die BoE ihre Anleihenkäufe in diesem Jahr wieder aufnimmt. Diese Möglichkeit dürfte wohl nur noch im Raum stehen, falls sich die konjunkturelle Entwicklung entgegen den Erwartungen massiv eintrüben sollte.

Charttechnische Betrachtung von GBP/USD:

GBP/USD zeigt sich bereits das ganze Jahr sehr volatil. Von einem Hoch bei 1,638 am 2. Januar ging es zunächst bis 1,4829 am 12. März nach unten. Danach gelang eine Zwischen-Erholung bis rund 1,56. Nach einer neuen Abwärtsbewegung bis 1,5005 Ende Mai, konnte das Pfund dann nochmal in der Spitze bis 1,5751 am 17. Juni steigen. Doch dann sorgte die Ankündigung der amerikanischen Notenbank die Geldpolitik unter Umständen schon dieses Jahr zu straffen für einen aufwertenden Dollar, wodurch GBP/USD wieder nach unten drehte. Vor rund einer Woche fiel der Kurs im Tief bis 1,4809. Damit wurde das vorhergehende Jahrestief aus März leicht unterschritten und erneut der wichtige Unterstützungsbereich bei 1,48 erreicht. Von dort prallte das Paar nach oben ab und hatte sich bereits in der letzten Woche wieder deutlich stabilisiert. Das heutige Sitzungsprotokoll sorgte für eine nochmalige Pfund-Aufwertung, welche das Paar in der Spitze bis 1,5267 (Stand Mittwoch, ca. 16:30 Uhr) geführt hat. Die weitere Entwicklung wird nun interessant. Sollte nämlich auch ein Anstieg über das Hoch vom 3. Juli bei 1,5304 gelingen, würde sich das Chartbild aufhellen und für eine nachhaltigere Aufwertung bis 1,56; 1,5751 und längerfristig möglicherweise sogar 1,63 sprechen. Im Moment ist allerdings trotz des Anstiegs charttechnisch noch nicht viel passiert. Aus diesem Grund muss weiterhin mit einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung gerechnet werden. Dies würde sich bestätigen, falls der Kurs erneut unter 1,50 fällt. Dann müsste von weiter bis 1,48; 1,44 und 1,423 sinkenden Notierungen ausgegangen werden.

Die aktuell vor dem amerikanischen Repräsentantenhaus stattfindende Anhörung des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke könnte möglicherweise noch zu erheblichen Bewegungen in dem Paar führen. Bernanke wird morgen (Donnerstag) ab 16:00 Uhr erneut an einer Anhörung teilnehmen, welche dann von dem Banken- und Finanzausschuss des Senats stattfindet. Vielleicht werden diese beiden Auftritte des Notenbank-Chefs sogar die längerfristige Richtung des Paares maßgeblich beeinflussen.

Tageschart GBP/USD (Stand Mittwoch, ca. 16:30 Uhr):
GBPUSD

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