GBP/USD: Bank of England mit unverändertem Kurs

Die Bank of England (BoE) hat bei ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag den Leitzins unverändert auf dem bereits seit März 2009 gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent belassen und auch das seit Ende Oktober ausgeschöpfte Volumen (und somit ruhende) Anleihenkaufprogramm von 375 Milliarden Pfund nicht erhöht. Ökonomen hatten diese Entscheidung so erwartet. Es handelte sich um die erste geldpolitische Sitzung unter dem erst seit dem 1. Juli im Amt befindlichen neuen Notenbank-Gouverneur Mark Carney, welcher zuvor die kanadische Zentralbank geleitet hatte.

Carney brachte gleich etwas frischen Wind in die Vorgehensweise der Notenbank. Überraschend wurde nämlich ein begleitendes Statement veröffentlicht. Traditionell macht die BoE dies eigentlich nur, falls eine Änderung der Geldpolitik beschlossen wurde. Außerdem scheint sich anzubahnen, dass die BoE bald mit einer in die Zukunft gerichteten Kommunikationspolitik, dem so genannten „Forward Guidance“ beginnt. Carney gilt als Anhänger dieser von der amerikanischen Fed praktizierten Strategie mit lange in die Zukunft reichenden Aussagen die Zinserwartungen zu steuern und somit die Konjunktur zusätzlich zu unterstützen. Auch der britische Schatzkanzler George Osborne hatte die Notenbank bereits im Frühjahr dazu aufgefordert die Möglichkeit eines solchen Vorgehens zu prüfen. Laut BoE-Statement wird dies eine große Rolle bei der kommenden Sitzung im August spielen und man wird eine entsprechende Analyse zusammen mit dem Inflationsbericht vorlegen. Möglicherweise wird man dann die Dauer der Niedrigzinspolitik genauer prognostizieren oder unter Umständen sogar an wirtschaftliche Kennzahlen wie beispielsweise das BIP-Wachstum oder die Arbeitslosenquote binden.

Besorgt zeigte sich die BoE wegen den zuletzt stark gestiegenen Zinsen in den Finanzmärkten, sowie deren Volatilität bei Vermögenswerten. Dies könne die weitere wirtschaftliche Erholung in Großbritannien belasten. Im Moment gebe es aber weitere Anzeichen, dass eine konjunkturelle Erholung im Gange sei. Trotzdem bleibe die wirtschaftliche Entwicklung im historischen Vergleich schwach. Die im Mai auf 2,7 Prozent gestiegene Inflation dürfte sich in der Nahen Zukunft noch etwas weiter erhöhen, dann aber langsam zurück in Richtung der Zielmarke von zwei Prozent fallen.

Charttechnische Betrachtung von GBP/USD:

GBP/USD zeigt sich bereits das ganze Jahr sehr volatil. Von einem Hoch bei 1,638 am 2. Januar ging es zunächst im Tief bis 1,4829 am 12. März nach unten. Danach gelang zunächst eine Erholung bis rund 1,56. Nach einem neuen Zwischentief bei 1,5005 Ende Mai, konnte das Pfund dann sogar nochmal in der Spitze bis 1,5751 am 17. Juni steigen. Das war der höchste Stand seit dem 11. Februar. Doch seitdem sorgt die Ankündigung der amerikanischen Notenbank die Geldpolitik unter Umständen schon dieses Jahr zu straffen für einen aufwertenden Dollar, also einen sinkenden GBP/USD-Kurs. Das hat sich auch in dieser Woche fortgesetzt und das Paar fiel schon am Mittwochmorgen im Tief bis 1,5126. Anschließend konnte sich das Pfund zwar nochmal bis rund 1,53 stabilisieren. Das Statement der BoE führte aber zu einer erneuten Abwärtsbewegung. Im Tief (Stand Donnerstag ca. 19:00 Uhr) fiel der Kurs bis 1,5051. Die Situation hat sich damit weiter eingetrübt. Die nächste wichtige Unterstützung findet sich nun bei den Tiefs von Ende Mai leicht über 1,50. Sollte GBP/USD nachhaltig darunter fallen, wäre der Weg frei für eine weitere Abwertung bis zum Jahrestief bei 1,4829 und unter 1,48 würden sogar Abgaben bis 1,423 drohen. Etwas aufhellen würde sich die Lage dagegen oberhalb von 1,53. Man sollte aber sogar erst über dem Bereich 1,5477/1,553 tatsächlich davon ausgehen, dass ein neuer Anstieg bis 1,575 und längerfristig möglicherweise 1,59; 1,60 und über 1,63 gelingt.

Tageschart GBP/USD (Stand ca. 19:00 Uhr):
GBPUSD

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