GBP/USD: Bank of England lässt Anleihenkaufprogramm unverändert

Die Bank of England (BoE) hat bei ihrer geldpolitischen Sitzung am heutigen Donnerstag keine Änderung an der Geldpolitik vorgenommen. Der Leitzins bleibt somit auf dem seit über vier Jahren gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent und auch das bereits seit Ende Oktober aufgebraucht Volumen der Anleihenkäufe von 375 Milliarden Pfund wurde nicht erhöht. Die letzte Aufstockung um 50 Milliarden Pfund erfolgte im Juli vergangenen Jahres.

Obwohl in den vorangegangenen drei Monaten jeweils drei der neun stimmberechtigten Ratsmitglieder, darunter auch BoE-Gouverneur Mervyn King, für eine Aufstockung der Anleihenkäufe votiert hatten, waren sich Ökonomen im Vorfeld weitgehend einig, dass die Geldpolitik unverändert bleibt. Dafür gesprochen hatte insbesondere, dass sich die wirtschaftlichen Vorzeichen für Großbritannien zuletzt aufgehellt haben. So ist der Einkaufsmanagerindex beispielsweise für April gegenüber dem Vormonat angestiegen und hat die Erwartungen von Volkswirten übertroffen. Während der Dienstleistungsbereich mit 52,9 Punkten Wachstum zeigt, ist das verarbeitende Gewerbe mit 49,8 Punkten nur knapp an der Wachstumsschwelle von 50 Punkten gescheitert. Kurz vor der Veröffentlichung der Notenbank-Entscheidung wurde außerdem bekannt, dass auch die Industrieproduktion die Prognosen deutlich übertroffen hat. Zudem konnte die Wirtschaft des Landes laut der ersten Schätzung in den ersten drei Monaten des Jahres leicht wachsen. Für das Bruttonationalprodukt (BIP) wird ein Anstieg um 0,3 Prozent erwartet, während Ökonomen eigentlich eine Fortdauer der Rezession prognostiziert hatten.

Nachdem außerdem erst vor kurzem das Programm „Funding for Lending“, mit welchem die Kreditvergabe angekurbelt werden soll, ausgeweitet wurde, gehen die meisten Ökonomen nun davon aus, dass auch bei der nächsten Sitzung im Juni keine geldpolitische Lockerung erfolgen wird. Zudem handelt es sich dann um die letzte Sitzung unter Leitung des Ende Juni aus dem Amt scheidenden Gouverneurs Mervyn King. Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass die BoE unter seinem Nachfolger Mark Carney (dem jetzigen Gouverneur der kanadischen Notenbank) dann doch noch weitere Schritte beschließen wird. Dies wird davon abhängen, wie sich die Konjunktur bis dahin entwickelt.

Spannend wird es allerdings schon am kommenden Mittwoch um 11:00 Uhr. Dann stellt Gouverneur King den vierteljährlichen Inflationsbericht der Notenbank vor. Dieser beinhaltet die Einschätzungen zur weiteren Entwicklung der Konjunktur und Inflation. Da dies Schlüsselfaktoren für die Geldpolitik sind, wird man darüber besser abschätzen können, wie wahrscheinlich geldpolitischen Schritte in den kommenden Monaten sind. Auch das Protokoll der jetzigen Sitzung, welches eine Woche später am Mittwoch dem 22. Mai veröffentlicht wird, ist interessant. Dort sind die Ansichten der Entscheidungsträger ersichtlich und man wird sehen, ob weiterhin drei der neun Mitglieder für eine Ausweitung der Anleihenkäufe gestimmt haben. Angesichts der sich aufhellenden konjunkturellen Vorzeichen, hat sich diese Anzahl möglicherweise sogar verringert.

Charttechnische Betrachtung von GBP/USD:

Die Entscheidungen der Bank of England hatten kaum Einfluss auf den Kurs von GBP/USD. Dieser lag vor und auch noch nach der Sitzung leicht unter dem wichtigen Widerstand bei 1,56. im Laufe des Nachmittags wertete das britische Pfund dann aber deutlich ab und fiel in der Spitze bis 1,5422. Im Moment (Donnerstag 22:00 Uhr) liegt der Kurs nur wenig über diesem Tief. Gegebenenfalls setzt sich die Konsolidierung noch etwas fort. Unterstützung findet sich bei rund 1,54 und der Aufwärtstrendlinie beginnend vom 12. März, welche aktuell bei ungefähr 1,5335 liegt. Solange der Kurs diese nicht nachhaltig durchbricht, ist die Situation mittelfristig weiterhin bullish zu werten. Das Pfund sollte also bald wieder nach oben drehen. Sobald das Hoch vom 1. Mai bei 1,5606 überschritten wird, ist der Weg frei für eine weitere Aufwärtsbewegung bis 1,5755 (200-Tageslinie) und dann 1,59. Längerfristig ist ein Anstieg bis über 1,63 zu erwarten. Geändert werden müsste diese Prognose dagegen, falls der Kurs unter die erwähnte Aufwärtstrendlinie bei ungefähr 1,5335 und insbesondere unter das Tief vom 23. April bei 1,5195 rutscht. Dann würde sich das Chartbild auch längerfristig wieder eintrüben und für eine weitere Abwertung bis 1,503; 1,48 und unter Umständen sogar 1,423 sprechen.

Tageschart GBP/USD (Stand Donnerstag ca. 22:00 Uhr):
GBPUSD

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