GBP/USD: Bank of England geht von langer Niedrigzinsphase aus

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Die Bank of England (BoE) will die auf dem Rekord-Tief von 0,5 Prozent liegenden Leitzinsen solange nicht erhöhen und auch keine im Bestand befindlichen Anleihen verkaufen, bis die Arbeitslosigkeit mindestens auf 7 Prozent gefallen ist. Damit rechnet sie voraussichtlich erst im dritten Quartal 2016. Und selbst bei Erreichen der 7-Pozent-Marke würde dies keinen Automatismus in Gang setzen. Dies teilte die Notenbank am Mittwoch anlässlich ihres vierteljährlich erscheinenden Inflationsberichtes mit. Einzige Voraussetzung ist, dass die langfristigen Inflationserwartungen nicht so stark ansteigen, dass dadurch die Finanzstabilität gefährdet wird. Zusätzliche geldpolitische Maßnahmen, wie sie noch von einigen Monaten von den Märkten für wahrscheinlich gehalten wurden, würden anderseits aber derzeit ebenfalls nicht auf der Agenda stehen, sagte der seit dem 1. Juli im Amt befindliche neue BoE-Gouverneur Mark Carney auf der begleitenden Pressekonferenz.

Mit der Bindung der expansiven Geldpolitik an feste Vorgaben will die BoE die langfristigen Zinserwartungen besser steuern. Damit folgt man dem Beispiel der amerikanischen Notenbank, welche aus dem gleichen Grund ihre Niedrigzinsen schon längere Zeit ebenfalls von der Entwicklung der Arbeitslosenquote abhängig macht.

Nach Mitteilung der BoE sei eine Erholung der Konjunktur im Gange. Diese verlaufe im historischen Vergleich aber schwach, was ein „Erbe der Finanzkrise“ sei. Zudem gebe es heute in Großbritannien eine Million Arbeitslose mehr, als vor der Finanzkrise. Insgesamt zeigt sich die Notenbank aber optimistisch und erhöhte die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im laufenden Jahr von 1,2 Prozent auf 1,5 Prozent. Für 2014 wurde die Prognose sogar deutlich von 1,9 Prozent auf 2,7 Prozent angehoben. Die zuletzt bei 2,9 Prozent liegende Inflation soll kurzfristig auf diesem Niveau bleiben. Danach soll sich die Teuerung langsam abschwächen, aber auch in den kommenden 2 Jahren noch über dem Zielwert von 2 Prozent bleiben.

Charttechnische Betrachtung von GBP/USD:

Am 9. Juli war GBP/USD auf ein Jahrestief bei 1,4809 gefallen. Seitdem kann sich das Pfund kontinuierlich erholen. Der Inflationsbericht mit der Aussicht auf eine lange Niedrigzinsphase sorgte zunächst für eine volatile Bewegung nach unten. Wenige Minuten später drehte der Kurs aber bereits wieder nach oben, unterstützt von Carneys Aussage, dass weitere geldpolitische Lockerungen derzeit nicht auf der Agenda stünden. Im Tagesverlauf stieg das Paar um fast 200 Pips bis 1,5531 und erreichte damit ziemlich genau die 200-Tageslinie. Aktuell (Stand Mittwoch, ca. 18:45 Uhr) liegt der Kurs bei rund 1,55. Sollte nun auch die 200-Tageslinie nachhaltig auf Tagesschlussbasis überwunden werden, wäre dies ein bullishes Zeichen. Die nächsten Ziele finden sich dann bei 1,5751; 1,59 und 1,60. Längerfristig könnte auch das Jahreshoch vom 2. Januar bei 1,638 angesteuert und möglicherweise überschritten werden. Eintrüben würde sich die Situation erst wieder unterhalb von 1,52. Und spätestens unterhalb von 1,51 müsste dann doch davon ausgegangen werden, dass GBP/USD wieder nachhaltig abwertet und es zu einem neuen Test der Unterstützungszone bei 1,48 kommt. Darunter könnten sogar deutliche Abgaben bis 1,423 folgen.

Tageschart GBP/USD (Stand Mittwoch ca. 18:45 Uhr):
GBPUSD

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