EZB-Sitzung: Zinssenkung wird unwahrscheinlicher

Teilen!

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag den Leitzins auf dem seit Mai gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent belassen. Ökonomen hatten diese Entscheidung so erwartet. EZB-Präsident Mario Draghi sagte, dass die Entscheidung einstimmig gefallen sei. Der Rat würde außerdem erwarten, „dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben oder noch einmal gesenkt werden“. Vor einem Monat hatte Draghi noch gesagt, dass die Notenbank „intensiv“ über niedrigere Leitzinsen diskutiert habe. Die Änderung in der Formulierung deutet darauf hin, dass eine weitere Zinssenkung etwas unwahrscheinlicher geworden ist und zumindest nicht unmittelbar bevorsteht.

Bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung zeigt sich die Notenbank optimistisch. Nach sechs Quartalen in Folge mit einer zurückgehenden Wirtschaftskraft, hätten die jüngsten Stimmungsindikatoren eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau gezeigt. Im weiteren Jahresverlauf dürfte der Export von einer allmählichen Erholung der weltweiten Nachfrage profitieren, während gleichzeitig die Inlandsnachfrage durch den akkommodierenden geldpolitischen Kurs und die gestiegenen Realeinkommen unterstützt werden. Daher gehe man davon aus, dass zum Ende des Jahres oder spätestens Anfang 2014 eine Konjunkturerholung einsetzen wird.

EZB könnte bald Sitzungs-Protokolle veröffentlichen

Um die Geldpolitik transparenter zu machen könnte die EZB möglicherweise in Zukunft ihre bislang geheimen Sitzungsprotokolle veröffentlichten. Im Herbst soll es dazu einen Vorschlag des Direktoriums geben, kündigte Draghi an. „Wir denken, dass es klug ist, eine reichhaltigere Kommunikation zu haben.“ Die meisten großen Notenbanken der Welt veröffentlichen bereits ihre Protokolle. Allerdings ist der Inhalt unterschiedlich. Während die amerikanische Fed oder britische BoE beispielsweise recht umfangreiche Informationen einschließlich der Abstimmungsergebnisse bekannt geben, ist das Protokoll der australischen Notenbank sehr allgemein gehalten und lässt unter anderem keine Rückschlüsse auf Differenzen innerhalb des Rats oder die persönlichen Meinungen von einzelnen Ratsmitgliedern zu. Wie umfangreich die Protokolle der EZB ausfallen sollen, sagte Draghi nicht. Da man keine Institution eines einzelnen Landes sei, wäre es besonders wichtig, dass „die Unabhängigkeit der EZB-Ratsmitglieder nicht gefährdet wird“.

Auch der Deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sprach sich gegenüber dem „Handelsblatt“ für eine Offenlegung der Protokolle aus. Aus diesen sollten „die wesentlichen Argumentationsstränge“ der Diskussion und die „Beweggründe der Entscheidungen“ hervorgehen. Namen sollten aber keine genannt werden.

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.