EZB ist vorsichtig optimistisch, EUR/USD steigt bis über 1,33

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Die Europäische Zentralbank (EZB) ist optimistisch, dass sich die Konjunktur der Eurozone im Laufe des Jahres stabilisieren wird. „Wir erwarten eine schrittweise Belebung im Laufe des Jahres“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi nach der geldpolitischen Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag. Die Exporte dürften aufgrund der weltweiten Erholung anziehen, während die Geldpolitik der Notenbank die Binnen-Nachfrage unterstützt. Auch die jüngsten Konjunkturindikatoren hätten sich verbessert.

Trotzdem hat die EZB ihre Wachstumsprognose gesenkt. Für das laufende Jahr wird nun ein Minus von 0,6 Prozent erwartet. Bei der letzten Schätzung im März ging man von nur 0,5 Prozent aus. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft dann aber um 1,1 Prozent wachsen, was 0,1 Prozent mehr wäre, als bisher prognostiziert. Die EZB betont aber, dass diese Schätzung Risiken unterliegt. „Dazu gehören sowohl eine schwächer als erwartet ausfallende heimische oder globale Nachfrage, als auch eine langsame oder ineffiziente Umsetzung der Strukturreform in der Eurozone“, sagte Draghi. Stärkere Anstrengungen forderte der EZB-Präsident im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Angesichts eines „inakzeptabel hohen Niveaus der Arbeitslosigkeit in mehreren Ländern“ müssten die Reformen auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze ausgerichtet sein.

Der Leitzins blieb unverändert auf dem seit einem Monat gültigen Rekordtief von 0,5 Prozent und auch sonst wurden keine Änderungen an der Geldpolitik beschlossen. Ökonomen hatten dies im Vorfeld überwiegend so erwartet. Draghi kündigte an, dass die Geldpolitik „so lange wie nötig konjunkturstimulierend“ bleiben soll. Neben einer weiteren Zinssenkung, ist auch die in letzter Zeit immer wieder von Notenbank-Mitgliedern und Experten angesprochene Möglichkeit negativer Einlagenzinsen noch nicht vom Tisch. Technisch sei die EZB dazu bereit, sagte Draghi.

Aufgrund der insgesamt trotz aller Risiken aber relativ optimistischen Einschätzung gehen Experten nicht davon aus, dass eine weitere geldpolitische Lockerung schon bald zu erwarten ist. Die Notenbank dürfte zunächst eine abwartende Haltung einnehmen, hält sich aber bei Notwendigkeit alle Optionen offen. Das betonte auch Draghi. „Wir können jederzeit unkonventionelle Maßnahmen aus der Schublade ziehen“, sagte er auf der Pressekonferenz. Darüber habe man im geldpolitischen Rat auch diskutiert, sei aber zu der Entscheidung gekommen, dass die derzeitige Entwicklung keine weiteren Aktionen rechtfertigen würde.

Sollte sich die konjunkturelle Entwicklung in der Eurozone in den kommenden Monaten aber doch wieder verschlechtern, hätte die EZB durchaus Spielraum um erneut aktiv zu werden. Denn auch die Inflations-Prognose wurde für das aktuelle Jahr von 1,6 auf 1,4 Prozent gesenkt. Im Jahr 2014 soll die Teuerung sogar nur noch bei 1,3 Prozent liegen. Die Notenbank strebt einen Zielwert von knapp unter zwei Prozent an.

 Charttechnische Situation bei EUR/USD:

EUR/USD hatte bereits am Montag die Abwärtstrendlinie ausgehend vom Jahreshoch bei 1,371 überschritten und damit erste bullishe Signale gesendet. Danach zeigte der Euro zunächst nur wenig Bewegung, hielt sich aber leicht oberhalb der Trendlinie. Nach der EZB-Sitzung und der geringer gewordenen Wahrscheinlichkeit für eine baldige erneute geldpolitische Lockerung, konnte die Gemeinschaftswährung nun deutlich zulegen. Von Kursen nur wenig über 1,31 ging es am Donnerstag volatil bis zu einem Hoch bei 1,3305 am nach oben. Damit konnte der Euro auch das Zwischenhoch vom 1. Mai bei 1,3242 überschreiten und hat ein weiteres Kaufsignal generiert. Zwar wertete EUR/USD am Abend wieder ab und liegt aktuell (Donnerstag, ca. 22:15 Uhr) nur noch bei rund 1,324. Trotzdem hat sich die Situation für den Euro deutlich aufgehellt. Es bestehen gute Chancen, dass es in der nächsten Zeit weiter nach oben geht. Bei einem Anstieg über den Bereich 1,3305/1,3318 wären die nächsten Ziele bei 1,343; 1,352 und dem Jahreshoch bei 1,371 zu finden. Eintrüben würde sich die Lage erst wieder bei einem nachhaltigen Fall unter 1,31.

Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Währungspaares werden weiterhin die Spekulationen über die zukünftige Geldpolitik der amerikanischen Notenbank sein. In diesem Zusammenhang haben diesmal die am morgigen Freitag zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktdaten eine noch wichtigere Bedeutung, da die Entwicklung der Arbeitslosigkeit eine wichtige Rolle für die Entscheidungen der Fed darstellen. Daher dürfte das Ergebnis auch bei EUR/USD für Bewegungen sorgen und könnte möglicherweise entscheidend dafür sein, ob der Euro seine Aufwärtsbewegung tatsächlich fortsetzen kann.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, ca. 22:15 Uhr):
EURUSD

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