EUR/USD: ZEW-Konjunkturerwartungen steigen leicht

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Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland sind im Juni leicht um 2,1 auf jetzt 38,5 Punkte gestiegen. Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Experten hatten einen etwas geringeren Anstieg auf 38,2 Punkte prognostiziert. Mit Ausnahme des Februar und März, als die Konjunkturerwartungen auf einem Hoch von 48,2 bzw. 48,5 Punkten lagen, ist das jetzige Ergebnis das Beste seit Mai 2010.

An der Umfrage haben sich 257 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über deren Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Obwohl die Konjunkturerwartungen für Deutschland angestiegen sind, fällt auf, dass mit 47,1 Prozent der Finanzmarktexperten etwas weniger eine Verbesserung der deutschen Konjunktur in den kommenden sechs Monaten erwarten, als noch vor einem Monat, als es 47,6 Prozent waren. Der Index konnte dennoch zulegen, da sich gleichzeitig die Anzahl derjenigen, welche eine Verschlechterung prognostizieren um 2,6 auf 8,6 Prozent verringert hat. 44,3 Prozent (+3,1) gehen von einer unveränderten konjunkturellen Lage aus. Dabei bewertet die überwiegende Mehrheit von 71,8 Prozent der Finanzexperten die gegenwärtige Situation in Deutschland als „gut“.

„Die Finanzmarktexperten halten an ihrer Einschätzung fest: Die deutsche Konjunktur dürfte im zweiten Halbjahr 2013 an Fahrt aufnehmen. Die Ergebnisse der Umfrage deuten jedoch darauf hin, dass die Konjunkturbelebung zaghaft verlaufen wird. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer erwartet, dass es im kommenden Halbjahr keine wesentlichen Konjunkturimpulse geben wird“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

Deutlich schlechter sind die Einschätzungen für die Eurozone. Nur ein einziger Umfrage-Teilnehmer (was 0,4 Prozent entspricht) sieht die derzeitige konjunkturelle Lage als „gut“ an. 19,7 Prozent bezeichnen die Situation als „normal“ und die große Mehrheit von 79,9 Prozent als „schlecht“. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate liegen mit einem Index-Wert von 30,6 Punkten (+3,0) zwar deutlich im positiven Bereich. Allerdings liegt das gute Abschneiden auch hier hauptsächlich daran, dass nur 9,1 Prozent (minus 1,3) eine weitere Verschlechterung befürchten. Eine wirkliche Verbesserung der konjunkturellen Lage prognostizieren aber nur 39,7 Prozent (+1,7), während die Mehrheit von 51,2 Prozent (minus 0,4) der Experten eine gleichbleibend schlechte Lage erwarten.

Den größten Optimismus hat man für die USA und Japan. Für diese Länder prognostiziert die Mehrheit von 58,1 bzw. 52,6 Prozent der Finanzmarktexperten eine Verbesserung der konjunkturellen Lage in den kommenden sechs Monaten. Den höchsten Indexwert hatte dabei in die USA mit 51,8 Punkten (+5,7). Den schlechtesten Indexwert hat Frankreich mit 5,7 Punkten, was allerdings 9,1 Punkte mehr sind, als noch im Mai.

Durchweg optimistisch sieht man die weitere Entwicklung für die Aktienmärkte. Für den DAX erwarten 56,3 Prozent der Teilnehmer steigende Kurse in den nächsten sechs Monaten. Für den Dow Jones sind es 55,9 Prozent und für den japanischen Nikkei 49,1 Prozent.

Interessant ist die Einschätzung zu EUR/USD. Obwohl der Euro in der letzten Zeit deutlich aufwerten konnte, glauben die Finanzmarktexperten nicht daran, dass dies so weitergehen wird. Mit 46,0 Prozent (-4,6) erwarten die Meisten eine Seitwärtsbewegung, während mit 41,4 Prozent (+11,0) fast genauso viele einen sinkenden Kurs prognostizieren. Gegenüber dem japanischen Yen geht mit 54,3 Prozent die Mehrheit dagegen davon aus, dass der Euro in den kommenden sechs Monaten aufwerten wird. Bei EUR/GBP und EUR/CHF wird dagegen mit 65,6 Prozent bzw. 70,5 Prozent eine Seitwärtsbewegung prognostiziert.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD präsentiert sich zum Anfang dieser Woche unentschlossen mit nur sehr wenig Bewegung. Trotzdem konnte der Euro in kleinen Schritten die Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage fortsetzen und am Dienstag erstmals seit dem 20. Februar wieder über 1,34 steigen. Das Chartbild ist bullish zu werten. Die nächsten wichtigen Ziele liegen bei 1,3434; 1,352 und dem Jahreshoch vom 1. Februar bei 1,371. Kurzfristig muss allerdings jederzeit auch mit einer gewissen Korrektur nach unten gerechnet werden, wobei sich das Chartbild aber erst unter dem Tief vom 10. Juni bei 1,3174 wieder eintrüben würde. Unter 1,30 und einer Rückkehr in den etwas tiefer verlaufenden ehemaligen Abwärtstrend wäre sogar ein längerfristig bis 1,28; 1,2744; 1,25 und möglicherweise 1,2238 fallender Euro wahrscheinlich.

Jede Prognose zu EUR/USD sollte derzeit allerdings mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Der Grund für den (trotz der fortgesetzten leichten Aufwertung) über weite Strecken unentschlossenen Handel liegt an der Sitzung der amerikanischen Notenbank an diesem Mittwoch. Die Märkte hoffen, dass man danach mehr Klarheit darüber haben wird, ob und wann mit einer langsamen Verringerung der Anleihenkäufe zu rechnen ist. Die Fed-Entscheidung könnte daher den vielleicht entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung von EUR/USD haben.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch, ca. 0:00 Uhr):
EURUSD

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