EUR/USD: ZEW-Index trübt sich deutlich ein

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Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland sind im August um 18,5 Punkte auf jetzt 8,6 Punkte gefallen. Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Experten hatten einen wesentlich leichteren Rückgang erwartet. Der Index liegt damit auf dem schlechtesten Wert seit Dezember 2012 und deutlich unter dem langfristigen Mittelwert von 18,5 Punkten. Zudem handelte es sich bereits um den achten Rückgang in Folge. Konjunktur-Pessimismus würde der Indikator allerdings erst unter null signalisieren.

„Der Rückgang der Konjunkturerwartungen dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass die anhaltenden geopolitischen Spannungen mittlerweile spürbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft zeigen“, teilte das ZEW-Institut mit. So würden aktuelle Zahlen zur Produktion und zu den Auftragseingängen darauf hindeuten, dass deutsche Unternehmen vor dem Hintergrund unsicherer Absatzperspektiven ihre Investitionstätigkeit merklich verringert hätten. Da außerdem auch die Konjunktur im Euroraum nicht richtig in Fahrt komme, sei zu befürchten, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland im laufenden Jahr weniger stark ausfallen wird, als man bisher angenommen hat.

Auch für die Eurozone trübt sich die Hoffnung der Finanzmarktexperten auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung ein. Hier ist der Indikator mit einem Minus von 24,4 Punkten auf jetzt 23,7 Punkte gegenüber dem Vormonat sogar noch deutlicher gefallen.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage wird ebenfalls schlechter beurteilt, als noch vor einem Monat. Für Deutschland ging es um 17,5 auf jetzt 44,3 Punkte nach unten, womit die Beurteilung der derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen aber immer noch auf einem hohen Niveau bleibt. Für die Eurozone gab es nur ein kleines Minus um 2,3 auf minus 33,8 Punkte. Hier sieht man die Situation also als fast unverändert schlecht an.

Bei genauer Betrachtung sieht man, dass die überwiegende Mehrheit der Experten für die abgefragten Wirtschaftsräume (Euroraum, Deutschland, die USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien) zwar keinen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung, aber auch keinen Abschwung erwartet. Die Mehrheit mit teils deutlich über 50 Prozent geht jeweils von unveränderten Bedingungen aus. Eine Verschlechterung prognostiziert nur eine Minderheit, während die Anzahl der Konjunktur-Optimisten mit beispielsweise 40 Prozent für die USA, aber auch 34,7 Prozent für den Euroraum und 24,6 Prozent für Deutschland immer noch hoch ist.

Trotz der gedämpften Konjunkturwartungen zeigt man sich weiterhin optimistisch für die Aktienmärkte. Auch die zuletzt deutlich gefallen Kurse führen hier zu keiner Änderung. 55,3 Prozent der Experten erwarten einen steigenden Dax in den kommenden sechs Monaten. 27,7 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung aus und nur 15,0 Prozent befürchten einen anhaltenden Abwärtstrend. Die Anzahl der Optimisten hat sich gegenüber dem Vormonat sogar um 9,4 Prozent erhöht. Der Euro soll gegenüber dem Dollar seinen Tiefpunkt allerdings noch nicht erreicht haben. Rund 75 Prozent der Umfrageteilnehmer prognostizieren weiter sinkende Notierungen. Im Vergleich zum Yen, Britischen Pfund und Schweizer Franken geht die Mehrheit dagegen von einer Seitwärtsbewegung aus.

An der Umfrage haben sich 222 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Im Juli 2012 lag EUR/USD im Tief bei 1,204 und drehte von dort in einen Aufwärtstrend, welchen das Paar bis zu einem Hoch bei 1,3993 am 8. Mai dieses Jahres führte. Inzwischen hat sich die Lage aber deutlich geändert. Seit dem genannten Hoch steht die Gemeinschaftswährung stark unter Druck und hat alle Gewinne seit Anfang November vergangenen Jahres wieder verloren. In der vergangenen Woche wurde ein neues Jahrestief bei 1,333 erreicht. Danach gelang zwar nochmals eine leichte Zwischen-Stabilisierung bis über 1,34. Doch schon in dieser Woche dreht der Euro erneut langsam nach unten und hat am heutigen Dienstag mit einem Tief bei 1,3334 das Jahrestief der vergangenen Woche fast wieder erreicht (Stand Dienstag, 12.8.2014, ca. 17:15 Uhr). Kurzfristig kann es zwar jederzeit zu einer gewissen Korrektur nach oben kommen. Insgesamt muss aber von weiter sinkenden Notierungen ausgegangen werden. Unterhalb des Jahrestiefs bei 1,333 liegt die nächste wichtige Unterstützung bei 1,3294 (November-Tief 2013). Fällt EUR/USD auch nachhaltig darunter werden Ziele bei 1,31; 1,30 und 1,28 wahrscheinlich. Aufhellen würde sich die Situation erst oberhalb von 1,3444. Aber selbst dann müsste auch eine Rückkehr über 1,355 und 1,365 gelingen, damit übergeordnet auf längere Sicht zumindest wieder von einer neutralen Chartsituation gesprochen werden kann. Danach sieht es im Moment aber nicht aus.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, 12.8.14, ca. 17:15 Uhr):
EURUSD

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