EUR/USD: ZEW-Index auf Höhenflug

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Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland sind im November weiter angestiegen. Das teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Der Index konnte gegenüber dem Vormonat um 1,8 auf jetzt 54,6 Punkte zulegen und hat damit den höchsten Stand seit Oktober 2009 erreicht. Die Markterwartungen lagen ungefähr in der gleichen Höhe. Der Index liegt zudem deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 24,1 Punkten. Überraschend war allerdings, dass die Einschätzung der aktuellen Lage für Deutschland bereits zum zweiten Mal in Folge rückläufig gewesen ist. Dieser Zähler fiel um einen Punkt auf 28,7 Punkte. Ökonomen hatten eigentlich einen Anstieg auf 31,0 Punkte erwartet. Positiv schätzt man insbesondere die weitere Entwicklung für die Eurozone ein. Zwar hat sich die ohnehin schon sehr schlechte Beurteilung der derzeitigen Lage nochmals um 0,7 auf minus 61,6 Punkte verschlechtert. Die Finanzmarktexperten glauben aber mit großer Mehrheit an eine Verbesserung in den kommenden sechs Monaten. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen entsprechend um 1,1 auf jetzt 60,2 Punkte. Allerdings hatten Ökonomen sogar einen stärkeren Anstieg auf 63,1 Punkte erwartet. Lediglich 3,4 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen hier noch von einer weiteren Verschlechterung aus.

„Seit Monaten bewegen sich die Konjunkturerwartungen für Deutschland auf hohem Niveau. Die leicht verbesserte Konjunkturentwicklung im Euroraum dürfte hierzu beigetragen haben“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

An der Umfrage haben sich 265 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Insgesamt beurteilt die Mehrheit der Experten die aktuelle konjunkturelle Lage im Euroraum gesamt, sowie den einzelnen Ländern Frankreich und Italien als schlecht. Wobei Italien mit minus 86,4 Punkten den schlechtesten Wert erzielt, gefolgt von Frankreich mit minus 78,0 Punkten. Am besten wird die konjunkturelle Lage dagegen trotz des erneuten Rückgangs mit 28,7 Punkten immer noch für Deutschland beurteilt. Danach folgen die USA mit plus 8,4 Punkten, Japan mit minus 11,8 Punkten und Großbritannien mit minus 12,7 Punkten. Die Erwartungen für die weitere Entwicklung in den sechs Monaten sind für alle genannten Länder positiv. Hier wird die Eurozone mit plus 60,2 Punkten am optimistischsten beurteilt, gefolgt von Deutschland mit 54,6 Punkten. Die Schlusslichter sind Frankreich mit 22,7 Punkten und Italien mit 32,8 Punkten.

Die Finanzmarktexperten prognostizieren zudem überwiegend weiter steigende Aktienmärkte. Auch hier sind alle Indexwerte im positiven Bereich. Im Einzelnen erwarten für den deutschen DAX 57,9 Prozent der Umfrageteilnehmer einen weiteren Anstieg. 23,5 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung aus und nur 18,6 Prozent prognostizieren sinkende Kurse. Ähnlich sieht es für den amerikanischen Dow Jones aus, wo 58,0 Prozent einen weiteren Anstieg prognostizieren. Am wenigsten optimistisch zeigt man sich bei französischen und italienischen Aktien. Aber auch hier bleiben die Indexwerte mit 15,8 bzw. 19,5 Punkten im positiven Bereich.

Für den Euro prognostiziert man, wie schon in den vergangenen Monaten, überwiegend sinkende Kurse. 51,0 Prozent (minus 1,5) der Experten sind dieser Ansicht, während nur 15,8 Prozent einen steigenden Wert der Gemeinschaftswährung erwarten. Mit 33,2 Prozent ist allerdings auch eine große Gruppe der Ansicht, dass es in den kommenden sechs Monaten einer Seitwärtsbewegung geben wird. Bei den Wechselkursen des Euros zum Yen, Britischen Pfund und Schweizer Franken prognostizieren sogar jeweils die meisten Umfrageteilnehmer eine Seitwärtsbewegung.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar ausgehend vom Jahreshoch bei 1,3832 Ende Oktober deutlich bis zu einem Tief bei 1,3294 am 7. November ab. Damit wurde auch die Trendlinie des vorhergehenden Aufwärtstrends ausgehend vom 10. Juli bei 1,2761deutlich gebrochen. Seitdem kann sich die Gemeinschaftswährung zwar sukzessive erholen und liegt aktuell (Dienstag, 19.11.2013, ca. 17:30 Uhr) wieder über 1,35. Eine nachhaltige Rückkehr über die derzeit ungefähr bei 1,352 liegende ehemalige Aufwärtstrendlinie und den wichtigen Widerstand bei 1,355 ist aber bisher nicht gelungen. Erst darüber würde sich das übergeordnete Chartbild wieder deutlich aufhellen und eine nachfolgende Erholung in Richtung des genannten Jahreshochs bei 1,3832 wahrscheinlich werden. Anschließend könnte die aktuell ungefähr bei 1,394 liegende langfristige Abwärtstrendlinie ausgehend von 1,6039 (Juli-Hoch 2008) getestet werden. Solange dem Euro aber nicht die Rückkehr in den Aufwärtstrend und über den Widerstand bei 1,355 gelingt, bleibt die Lage kritisch. Schon unter 1,3430 würde sich auch die kurzfristige Situation wieder stark eintrüben und es müsste von einer weiteren Abwertung ausgegangen werden. Unterhalb des Tiefs der vergangenen Woche bei 1,3294, wären die nächsten wichtigen Unterstützungen dann bei der derzeit ungefähr bei 1,3216 liegenden 200-Tageslinie und dem September-Tief bei 1,3102 zu finden. Darunter kommt die langfristige Aufwärtstrendlinie ausgehend vom 2012-Tief in Reichweite, welche derzeit leicht oberhalb von 1,30 verläuft.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, 19.11.2013, ca. 17:30 Uhr):
EURUSD

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