EUR/USD: ZEW-Erwartungen steigen

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Die Erwartungen der deutschen Finanzmarktexperten für die weitere Entwicklung der deutschen Konjunktur konnten im November nach zuvor sieben Rückgängen in Folge erstmals wieder steigen. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich ermittelte Indikator stieg gegenüber dem Vormonat um 8,5 Punkte auf einen Stand von jetzt 10,4 Punkten. Die sich verbessernden Erwartungen kamen überraschend. Ökonomen hatten im Vorfeld im Konsens einen weiteren Rückgang prognostiziert. Der Index liegt damit allerdings weiterhin unter seinem langfristigen Durchschnitt von 24,8 Punkten. Im März, vor Beginn der Abwärtsserie, lag der Index noch bei 54,8 Punkten. Trotzdem sind und bleiben mehr Finanzexperten optimistisch, als pessimistisch. Dies lässt sich an Index-Werten über null ablesen.

„Der Ausblick für die deutsche Volkswirtschaft hellt sich gegen Ende des Jahres etwas auf“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis. Konjunkturpessimismus aufgrund der Terroranschläge in Paris sei nicht zu erkennen. Die robuste deutsche Konjunktur dürfte sich insbesondere auf die derzeitige Konsumfreude der Deutschen, den erneut gesunkenen Außenwert des Euro und die voranschreitende Erholung in den Vereinigten Staaten stützen.

Die Bewertung der aktuellen Lage in Deutschland bleibt mit einem nur minimalen Rückgang um 0,8 auf jetzt 54,4 Punkte auf einem sehr hohen Niveau. 56,7 Prozent der Experten bezeichnet die aktuelle Situation als „gut“ und lediglich 2,3 Prozent als „schlecht“. Der Rest geht von einer „normalen“ Konjunkturlage aus.

Auch die Erwartungen für die weitere Entwicklung der Konjunktur in der Eurozone haben sich leicht um 1,8 auf 28,3 Punkte verschlechtert, bleibt damit aber deutlich im positiven Bereich. 38,7 Prozent der Experten erwarten eine Verbesserung in den kommenden Monaten und die Mehrheit von 50,9 Prozent keine größere Änderung der Lage. Immerhin 10,4 Prozent befürchten allerdings eine schlechter werdende konjunkturelle Situation. Die aktuelle Lage wird dabei mit einem Indexwert von minus 10,0 Punkten zwar weiterhin negativ betrachtet, hat sich aber gegenüber dem Vormonat um 1,2 Punkte verbessert.

Sehr optimistisch zeigt man sich weiterhin für die Aktienmärkte. Für den STOXX 50 prognostizieren 64,4 Prozent, für den DAX 64,1 Prozent und für den Dow Jones 57,0 Prozent der Experten steigende Kurse in den kommenden sechs Monaten. Auch beim japanischen Nikkei überwiegt die Anzahl der Optimisten mit 49,0 Prozent die Anzahl der Experten, welche eine Seitwärtsbewegung erwarten (42,9 Prozent). Die Anzahl von Pessimisten, welche sinkende Kurse prognostizieren, ist bei allen abgefragten Märkten äußerst gering.

Pessimistisch bleibt man dagegen bezüglich der weiteren Wertentwicklung des Euros. Gegenüber allen abgefragten Währungen erwartet nur eine kleine Minderheit einen steigenden Euro-Kurs. Besonders ausgeprägt ist dies gegenüber dem US-Dollar, wo nur 8,1 Prozent von einem steigenden Eurokurs ausgehen. Die meisten Euro-Optimisten finden sich noch gegenüber dem Schweizer Franken. Allerdings ist auch hier mit 16,3 Prozent deren Zahl nicht sehr viel höher. Gegenüber dem Yen mit 69,3 Prozent, dem Britischen Pfund mit 48,5 Prozent und dem Schweizer Franken mit 66,8 Prozent gehen die meisten von einer Seitwärtsbewegung aus. Bei EUR/USD prognostiziert dagegen die große Mehrheit von 68,9 Prozent sinkende Notierungen in den kommenden sechs Monaten, während 27,5 Prozent eine Seitwärtsbewegung erwarten.

An der Umfrage haben sich 225 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Nach einer mehrmonatigen Abwärtsbewegung fiel EUR/USD im März dieses Jahres bis 1,0461. Im Jahresverlauf konnte sich der Euro zunächst stabilisieren und am 24. August in der Spitze bereits wieder 1,1714 erreichen. Anschließend war über einen längeren Zeitraum kaum Bewegung vorhanden und das Paar pendelte in einer Spanne zwischen rund 1,11 und etwas über 1,14 seitwärts. Seitdem die Europäischen Zentralbank (EZB) Ende Oktober weitere geldpolitischen Lockerungen für Dezember angekündigt hat und sich gleichzeitig eine mögliche Zinsanhebung durch die amerikanische Fed ebenfalls für Dezember immer stärker konkretisiert, gerät EUR/USD aber wieder deutlich unter Druck. Am Dienstag ist der Kurs im Tief bis 1,0628 gefallen, was der tiefste Stand seit April war. Zwar hat die Abwärtsdynamik in den letzten Tagen nachgelassen und es ist über weite Strecken nur noch sehr wenig vorhanden, dennoch sind bisher keine Anzeichen für ein Ende der Abwärtsbewegung zu finden. Der Kurs ist zwar inzwischen am nächsten Unterstützungsbereich angekommen, welcher zwischen 1,06 und 1,0623 liegt, und eine kurzfristige gewisse Korrektur erscheint durchaus möglich. Insgesamt liegt das nächste Ziel aber beim Jahrestief bei 1,0461. Darunter würde dann auch die Parität (Kursverhältnis von 1:1) in den Fokus kommen. Kurzfristig etwas aufhellen würde sich die Lage für den Euro erst bei einem nachhaltigen Anstieg über das Hoch der vergangenen Woche bei 1,083. In diesem Fall könnte auch eine stärkere Korrektur folgen. Von einem nachhaltigen Ende des Abwärtsdrucks könnte aber frühestens oberhalb von 1,10/108 ausgegangen werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, 17.11.2015, ca. 21:30 Uhr):
EURUSD

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