EUR/USD: ZEW-Erwartungen für Deutschland fallen leicht

Teilen!

Die Erwartungen der deutschen Finanzmarktexperten für die weitere Entwicklung der deutschen Konjunktur waren im April erstmals seit Oktober 2014 leicht rückläufig. Der Index fiel gegenüber dem Vormonat leicht um 1,5 auf jetzt 53,3 Punkte, womit dieser aber immer noch deutlich über seinem langfristigen Mittelwert von 24,8 Punkten liegt. Dies teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am gestrigen Dienstag mit. Experten hatten im Vorfeld überwiegend einen leichten Anstieg auf 55,3 Punkte erwartet.

„Die deutsche Konjunktur entwickelt sich gut. Ein stabiler Arbeitsmarkt und steigende Löhne stärken das Verbrauchervertrauen und treiben den Konsum in die Höhe. Die derzeitige Schwächephase der Weltkonjunktur dämpft hingegen die Exportaussichten und reduziert den Spielraum für weitere Verbesserungen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

Die Bewertung der aktuellen Lage in Deutschland verbesserte sich dagegen deutlich um 15,1 auf 70,2 Punkte, was der höchste Stand seit Juli 2011 ist. Auch bezüglich der weiteren Entwicklung der konjunkturellen Lage in der Eurozone zeigt man sich sehr zuversichtlich. Der Indikator stieg um 2,4 Punkte auf jetzt 64,8 Punkte. Lediglich 2,9 Prozent der Umfrageteilnehmer befürchten eine Verschlechterung. Die aktuelle Lage wird mit einem Anstieg um 8,3 Punkte zwar ebenfalls deutlich besser beurteilt, bleibt aber mit minus 28,3 Punkte im negativen Bereich.

Eine Deflationsgefahr angesichts der niedrigen Inflationsraten sehen die Finanzexperten nicht. Die Anzahl der Umfrageteilnehmer, welche weiter sinkende Teuerungsraten prognostizieren, liegen für alle abgefragten Wirtschaftsräume im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Die expansiven Maßnahmen der europäischen Zentralbank führen dazu, dass man für die europäischen Aktienmärkte mehrheitlich steigende Kurse erwartet. Für den deutschen Dax prognostizieren dies beispielsweise 58,2 Prozent der Umfrageteilnehmer, während 28,3 Prozent von einer Seitwärtsbewegung ausgehen. Bei den außereuropäischen Aktienmärkten ist die Anzahl der Prognosen für steigende Kurse und für eine Seitwärtsbewegung dagegen ungefähr gleich. Insgesamt befürchten nur wenige Finanzexperten sinkende Kurse in den kommenden sechs Monaten. Für alle abgefragten Aktienmärkte liegt die Anzahl der Pessimisten unter 15 Prozent.

Der Euro wird nach Ansicht von 53,7 Prozent der Experten gegenüber dem US-Dollar in den kommenden sechs Monaten weiter abwerten. 30,4 Prozent erwarten eine Seitwärtsbewegung und nur 15,9 Prozent einen wieder steigenden Euro. Gegenüber dem Yen, Pfund und Schweizer Franken wird dagegen mehrheitlich eine Seitwärtsbewegung prognostiziert.

An der Umfrage haben sich 238 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Am 13. März lag EUR/USD mit 1,0461 auf dem tiefsten Stand seit Januar 2003. Anschließend kam es zu einer Stabilisierung bis 1,1052. Dieser Bereich wurde Anfang April ein zweites Mal getestet, bevor der Kurs wieder nach unten bis auf 1,0519 am Anfang der vergangenen Woche drehte. Im weiteren Wochenverlauf kam es dann aber erneut zu einer Erholung bis rund 1,08. Aktuell liegt EUR/USD leicht tiefer bei rund 1,073 (Stand der Auswertung: Mittwoch, 22.4.2015, ca. 15:30 Uhr). Die weitere Entwicklung ist nicht eindeutig. Übergeordnet ist weiterhin der Abwärtstrend intakt, kurzfristig  betrachtet ist das Paar aber sehr unentschlossen. Der Chartverlauf könnte durchaus auf eine Bodenbildung und damit verbundene Euro-Erholung in der nächsten Zeit hindeuten. Entscheidend ist das genannte Hoch bei 1,1054. Wird dieses nachhaltig überschritten könnte über den Widerstand bei 1,11 eine größere Erholung bis 1,1245 und möglicherweise in Richtung 1,15 folgen. Unterhalb von 1,06 trübt sich dagegen auch die kurzfristige Situation wieder ein. Unter dem Tief bei 1,0461 liegt das nächste wichtige Ziel bei den Hochs aus 2002 bei knapp 1,02.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch, 22.4.15, ca. 15:30 Uhr):
EURUSD

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Chartanalysen, EUR/USD, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.