EUR/USD: ZEW-Erwartungen für Deutschland fallen erneut

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Die Erwartungen der deutschen Finanzmarktexperten für die weitere Entwicklung der deutschen Konjunktur haben sich im Mai bereits den zweiten Monat in Folge eingetrübt. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich ermittelte Indikator sank gegenüber dem Vormonat um 11,4 Punkte auf einen Stand von 41,9 Punkten. Schon im April gab es einen leichten Rückgang um 1,5 Punkte, womit der Indikator erstmals seit Oktober 2014 rückläufig gewesen war. Die ZEW-Konjunkturerwartungen liegen damit aber immer noch deutlich über ihrem langfristigen Mittelwert von 24,9 Punkten.

„Im Mai korrigieren die Finanzmarktexperten ihre zuletzt optimistischen Erwartungen. Maßgeblich für diese Revision dürften das unerwartet niedrige Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2015 und die Turbulenzen an den Aktien- und Anleihenmärkten seien. Dennoch gehen nach wie vor nur wenige Umfrageteilnehmer von einer tatsächlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage aus“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

Auch die Bewertung der aktuellen Lage in Deutschland war um 4,5 Punkte auf nun 65,7 Punkte rückläufig. Diese bleibt damit aber auf einem sehr hohen Niveau. 67,0 Prozent der Experten bezeichnet die aktuelle Situation als „gut“ und lediglich 1,3 Prozent als „schlecht“.

Die Erwartungen für die weitere Entwicklung der Konjunktur in der Eurozone haben sich ebenfalls um 3,6 Punkte verringert. Trotzdem bleibt man auch hier mit einem Stand von 61,2 Punkten sehr optimistisch. Lediglich 4,0 Prozent der Finanzmarktexperten befürchten eine Verschlechterung in den kommenden sechs Monaten. Die aktuelle Lage wird für die Eurozone dagegen weiterhin nicht sehr positiv betrachtet. Trotzdem hat sich dieser Indikator deutlich um 11,8 Punkte auf jetzt minus 16,5 Punkte verbessert.

Optimistisch zeigt man sich für die meisten Aktienmärkte. Für den STOXX 50 prognostizieren 60,3 Prozent, für den DAX 60,4 Prozent und für den Dow Jones 52,9 Prozent steigende Kurse in den kommenden Monaten. Beim japanischen Nikkei ist die Anzahl der Optimisten und derjenigen, welche einer Seitwärtsbewegung erwarten, ungefähr gleich hoch. Die Anzahl von Pessimisten, welche sinkende Kurse prognostizieren, ist bei allen abgefragten Märkten mit rund zehn Prozent sehr gering.

Die Anzahl der Experten, welche einen steigenden Euro erwarten, liegt gegenüber allen abgefragten Währungen nur unter 20 Prozent. Gegenüber dem Yen mit 70,9 Prozent, dem Britischen Pfund mit 54,5 Prozent und dem Schweizer Franken mit 70,4 Prozent gehen die meisten von einer Seitwärtsbewegung aus. Bei EUR/USD prognostizieren 51,5 Prozent dagegen sinkende Notierungen in den kommenden sechs Monaten, während 29,2 Prozent eine Seitwärtsbewegung erwarten.

An der Umfrage haben sich 225 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Kursen bei fast 1,40 wertete EUR/USD seit Mai 2014 kontinuierlich ab und fiel am 13. März mit einem Tief bei 1,0461 auf dem tiefsten Stand seit Januar 2003. Anschließend stabilisierte sich das Paar deutlich um rund 1.000 Pips bis zu einem Hoch bei 1,1466 am vergangenen Freitag. In den letzten beiden Tagen ist es aber zu einer deutlichen Korrektur gekommen. Am heutigen Dienstag fiel der Kurs in der Spitze bis 1,1117, womit sogar das Tief der vergangenen Woche bei 1,1128 kurzfristig unterschritten wurde. Aktuell liegt der Euro mit Kursen bei rund 1,115 nicht weit über diesem Niveau (Stand: Dienstag, 19.5.2015, ca. 18:15 Uhr). Die Gemeinschaftswährung befindet sich damit in einer möglicherweise für die nächste Zeit entscheidenden Situation. Sollte der Kurs weiter abwerten und nachhaltig unter das Tief der vergangenen Woche und anschließend insbesondere unter 1,105 fallen, würde dies für eine Fortsetzung der langfristigen Abwärtsbewegung sprechen. Das nächste Ziel liegt in diesem Fall beim genannten Jahrestief bei 1,0461. Für eine Fortsetzung der Euro-Erholung der vergangenen Wochen müsste dagegen nun kurzfristig eine erneute Stabilisierung und anschließend ein Anstieg über den Bereich 1,1466/1,1533 gelingen. Dies würde für weiter steigende Notierungen bis 1,1679 und zur aktuell bei 1,1927 liegenden 200-Tageslinie sprechen.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, 19.5.15, ca. 18:15 Uhr):
EURUSD

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