EUR/USD: ZEW-Erwartungen erneut gesunken

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Die Erwartungen der deutschen Finanzmarktexperten für die weitere Entwicklung der deutschen Konjunktur haben sich im August bereits den fünften Monat in Folge eingetrübt. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich ermittelte Indikator sank gegenüber dem Vormonat um 4,7 Punkte auf einen Stand von jetzt 25,0 Punkten. Der erneute Rückgang kam überraschend. Ökonomen hatten im Vorfeld im Konsens einen Anstieg um rund 2 Punkte prognostiziert. Der Index liegt damit nur noch knapp über seinem langfristigen Durchschnitt von 24,9 Punkten. Im März, vor Beginn der Abwärtsserie, lag der Index noch bei 54,8 Punkten. Trotz der Abwärts-Tendenz bleiben die Finanzexperten überwiegend optimistisch, was sich an Index-Werten über null ablesen lässt.

„Der deutsche Konjunkturmotor läuft weiterhin gut. Dass die Konjunkturerwartungen sich dennoch eintrüben, dürfte damit zu tun haben, dass unter den gegebenen geopolitischen und weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wesentliche Verbesserungen der Wirtschaftslage in Deutschland mittelfristig unwahrscheinlich sind“, kommentierte ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest das Ergebnis.

Die Bewertung der aktuellen Lage in Deutschland hat auf bereits sehr hohem Niveau liegend sogar erneut um 1,8 Punkte auf jetzt 65,7 Punkte zugelegt. 66,2 Prozent der Experten bezeichnet die aktuelle Situation als „gut“ und lediglich 0,5 Prozent als „schlecht“.

Auch die Erwartungen für die weitere Entwicklung der Konjunktur in der Eurozone haben sich um 4,9 Punkte auf 47,6 Punkte verbessert. 52,1 Prozent der Experten erwarten eine Verbesserung in den kommenden Monaten und 43,4 Prozent keine größere Änderung der Lage. Lediglich 4,5 Prozent prognostizieren eine schlechter werdende konjunkturelle Lage. Die aktuelle Lage wird dabei mit einem Indexwert von minus 10,3 Punkten zwar weiterhin negativ betrachtet, nähert sich aber mit einem erneuten Anstieg um 4,1 Punkte immer mehr dem neutralen Null-Wert an.

Optimistisch zeigt man sich für die Aktienmärkte. Für den STOXX 50 prognostizieren 63,5 Prozent, für den DAX 61,7 Prozent und für den Dow Jones mit 49,8 Prozent knapp die Hälfte der Experten steigende Kurse in den kommenden sechs Monaten. Auch beim japanischen Nikkei überwiegt die Anzahl der Optimisten mit 46,0 Prozent die Anzahl der Experten, welche eine Seitwärtsbewegung erwarten (42,9 Prozent). Die Anzahl von Pessimisten, welche sinkende Kurse prognostizieren, ist bei allen abgefragten Märkten äußerst gering.

Pessimistisch bleibt man dagegen bezüglich der weiteren Wertentwicklung des Euros. Gegenüber allen abgefragten Währungen erwarten nur eine kleine Minderheit zwischen 10 und 15 Prozent einen steigenden Euro-Kurs. Gegenüber dem Yen mit 76,8 Prozent, dem Britischen Pfund mit 52,8 Prozent und dem Schweizer Franken mit 71,5 Prozent gehen die meisten von einer Seitwärtsbewegung aus. Bei EUR/USD prognostiziert dagegen die Mehrheit von 58,0 Prozent sinkende Notierungen in den kommenden sechs Monaten, während 30,7 Prozent eine Seitwärtsbewegung erwarten.

An der Umfrage haben sich 228 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Diese wurden über ihre Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung in den kommenden sechs Monaten befragt. Das Ergebnis ist die Differenz zwischen positiven und negativen Meinungen. Erwarten zum Beispiel 20 Prozent eine Verbesserung der Lage, 30 Prozent aber eine Verschlechterung, würde der Wert bei minus 10 liegen (20 minus 30). Analysten, welche keine Veränderung der Situation erwarten, werden nicht berücksichtigt. Insgesamt bedeuten negative Zahlen also eine überwiegend pessimistische Einschätzung, während positive Zahlen Optimismus verkünden.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Kursen bei fast 1,40 wertete EUR/USD seit Mai 2014 deutlich ab und erreichte am 13. März dieses Jahres ein Tief bei 1,0461, was der tiefste Stand seit Januar 2003 war. Anschließend stabilisierte sich das Paar deutlich um rund 1.000 Pips bis zu einem Hoch bei 1,1466 am 15. Mai. Dann kam es noch einmal zu einer Abwertung bis 1,0817 Ende Mai und einer erneuten Erholung bis rund 1,14. Seitdem ist übergeordnet eine Seitwärtsbewegung zu sehen, wobei der Euro in dieser Woche ausgehend vom unteren Bereich recht zügig aufwertet und am heutigen Mittwoch kurzfristig bis über 1,12 gestiegen ist. Ein nachhaltiger Anstieg über 1,1215 würde für einen weiteren Anstieg in den oberen Range-Bereich bei rund 1,14 sprechen. Aber nur, falls der Kurs in diesem Fall in der Folge auch über das genannte Hoch bei 1,1466 und anschließend über 1,1533 steigt, könnte von einer übergeordneten Bodenbildung ausgegangen werden und weiter bis 1,1679; 1,18 und 1,20 steigende Notierungen wären wahrscheinlich. Nach unten bleibt das genannte Mai-Tief wichtig. Sollte der Bereich 1,0817/1,08 nachhaltig unterschritten werden, würde dies für eine weitere Abwertung bis zum Jahrestief bei 1,0461, sowie anschließend 1,02, der Parität (=Kursverhältnis von 1:1) und möglicherweise sogar 0,965 sprechen.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch, 12.8.15, ca. 20:15 Uhr):
EURUSD

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