EUR/USD: US-Notenbank wartet weiter ab

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Die amerikanische Notenbank (Fed) hat sich auf ihrer zweitägigen Sitzung erneut gegen eine Drosselung ihrer Anleihenkäufe entschieden. Wie der Offenmarktausschuss (FOMC) am Mittwoch mitteilte, sollen weiterhin Staatsanleihen und immobilienbesicherte Wertpapiere im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar gekauft werden. Außerdem bleibt der Leitzins unverändert in der Spanne zwischen null bis 0,25 Prozent. Eine Erhöhung des Schlüsselzinses soll frühestens in Frage kommen, wenn die derzeit bei 7,2 Prozent liegende Arbeitslosenquote auf mindestens 6,5 Prozent gefallen ist. Die Entscheidung wurde von den Märkten so erwartet.

Nachdem der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke im Juni angekündigt hatte, dass der Umfang der Anleihenkäufe möglicherweise schon in diesem Herbst verringert werden könnte, hatten die meisten Experten bereits bei der vorangegangenen Sitzung im September damit gerechnet. Die Notenbank war aber überraschend zu dem Schluss gekommen, dass die wirtschaftliche Erholung noch nicht ausreichend sei, um das Programm zurückzufahren. Bei dieser Einschätzung ist man auch jetzt geblieben. Man wolle „mehr Belege abwarten, dass die Erholung nachhaltig ist, bevor man das Tempo der Anleihenkäufe anpassen wird“, wurde im begleitenden Statement mitgeteilt.

Teilweise zeigt man sich sogar noch etwas skeptischer. So habe die Erholung auf dem Häusermarkt etwas an Tempo verloren. Der Arbeitsmarkt zeige dagegen „Anzeichen weiterer Verbesserungen“. Im September sprach man allerdings von „weiteren Verbesserungen“, ohne das Wort „Anzeichen“ zu verwenden. Entfernt wurde der Hinweis, dass sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtert hätten. Der Haushaltsstreit in den USA habe „das Wirtschaftswachstum behindert“.

Insgesamt gab es im Statement keinen Hinweis darauf, ab wann mit einer Verringerung der Anleihenkäufe konkret zu rechnen ist. Im Protokoll der vorangegangenen September-Sitzung hatten zwar die meisten stimmberechtigten Mitglieder eine Drosselung noch in diesem Jahr für möglich gehalten. Die Mehrheit der Experten geht aber inzwischen erst im kommenden Jahr davon aus. Dafür spricht auch, dass sich zuletzt aufgrund des Haushaltsstreits einige Konjunkturindikatoren wieder eingetrübt haben. Zudem ist die Jahresinflationsrate von 1,5 Prozent im August auf 1,2 Prozent im September gesunken, womit sich diese noch weiter von der zwei-prozentigen Zielmarke der Notenbank entfernt hat. Dies gibt den Spielraum für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik.

Das Protokoll der jetzigen Sitzung wird am 20. November veröffentlicht. Möglicherweise sind dort Hinweise enthalten, ab wann mit einer Drosselung der Anleihenkäufe zu rechnen ist. Die nächste Notenbank-Sitzung findet am 18. Dezember statt.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befindet sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer stabilen Aufwärtsbewegung. Vor einer Woche gelang dabei auch ein Anstieg über das bisherige Jahreshoch aus Februar bei 1,371. Dadurch entstand ein neues Kaufsignal, welches zu einem weiteren deutlichen Euro-Anstieg führte. Im Hoch erreichte EUR/USD am letzten Freitag 1,3832, was der höchste Stand seit November 2011 war. Von dort korrigiert der Euro allerdings aktuell nach unten. Am Mittwochabend näherte sich der Kurs mit einem Tief bei 1,3721 wieder dem Ausbruchslevel des ehemaligen Jahreshochs an. Insgesamt ist die gegenwärtige Korrektur nach dem vorangegangenen starken Anstieg nicht überraschend und könnte sich durchaus noch etwas fortsetzen. Die nächste wichtige Unterstützung findet sich bei 1,3647. Übergeordnet bleibt das Chartbild aber bullish. Erst unterhalb von 1,3458 würde sich die Situation für den Euro deutlich eintrüben. Nach oben würde dagegen bereits eine nachhaltige Rückkehr über 1,38 für eine direkte Fortsetzung des Aufwärtstrends sprechen. In diesem Fall wäre das nächste wichtige Ziel das Hoch aus Oktober 2011 bei 1,4247. Auf dem Weg dorthin finden sich Widerstände bei 1,3869; 1,395 und 1,40. Obwohl das Chartbild also trotz der gegenwärtigen Korrektur bullish bleibt und es bisher kein übergeordnetes Verkaufs-Signal gibt, sollte man vorsichtig agieren. Angesichts des bereits sehr stark gestiegenen Euro-Kurses und der fundamentalen Hintergründe muss nämlich abgewartet werden, ob für die Gemeinschaftswährung genügend Impulse entstehen, um den Aufwärtstrend tatsächlich weiter fortzusetzen. Diesbezüglich ist eine gewisse Skepsis durchaus angebracht.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, 31.10.2013, ca. 0:00 Uhr):
EURUSD

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