EUR/USD: US-Notenbank uneinig über Ausstiegszeitpunkt, Bernanke sorgt für starke Dollar-Abwertung

Die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) der amerikanischen Notenbank (Fed) waren sich bei ihrer letzten Sitzung am 18. und 19. Juni nicht darüber einig, zu welchem Zeitpunkt mit einem Ausstieg aus den Anleihenkäufe begonnen werden soll. Das wurde aus dem am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsprotokoll ersichtlich. Rund die Hälfte geht davon aus, dass die Käufe gegen Ende dieses Jahres langsam auslaufen könnten. Einige wenige Mitglieder wollten das Programm dagegen schon jetzt mit sofortiger Wirkung stoppen oder zumindest verlangsamen. Viele andere sprachen sich aber für ein unverändertes Kaufprogramm bis ins Jahr 2014 aus.

Die amerikanische Notenbank kauft derzeit jeden Monat Staatsanleihen und immobilienbesicherte Wertpapiere im Umfang von rund 85 Milliarden Dollar um so die Märkte mit Liquidität zu versorgen und die Konjunktur zu unterstützen. Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke hatte nach der letzten Notenbank-Sitzung aber angekündigt, dass man möglicherweise noch in diesem Jahr mit einer langsamen Verringerung der Anleihenkäufe beginnen könne, sofern sich die Konjunktur und Arbeitslosigkeit im Rahmen der Prognosen entwickeln.

Nach Ansicht der Notenbank-Mitglieder wächst die amerikanische Wirtschaft moderat und auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt bessert sich. Trotzdem war man sich einig, dass die lockere Geldpolitik an sich, also abgesehen von einer möglichen Verringerung der Anleihenkäufe, fortgesetzt werden müsse. „Beinahe alle Fed-Mitglieder waren für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik“, ist im Protokoll zu lesen. Die Entscheidungen über das Anleihen-Kaufprogramm und den Leitzins müssten getrennt betrachtet werden. Auch nach einem Ende der Anleihenkäufe, würden die Zinsen „für einen längeren Zeitraum“ niedrig bleiben.

Niedrig-Zinsen könnten selbst bei einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent noch bleiben

Ebenfalls am Mittwochabend betonte der Fed-Vorsitzender Bernanke im Anschluss an eine Rede vor dem National Bureau of Economic Research nicht nur nochmals die auch in Zukunft vorhandene Notwendigkeit einer lockeren Geldpolitik, sondern relativierte auf Nachfrage eines Teilnehmers sogar bisherige Äußerungen, nach denen frühestens ab einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent (welche allgemein frühestens Ende 2014 erwartet wird) über einen steigenden Leitzins nachgedacht werden könne. Nun betonte er nämlich, dass dies kein Automatismus sei und man auch bei Erreichen dieses Zielwertes noch „auf absehbare Zeit“ niedrige Zinsen haben könnte.Obwohl man inzwischen etwas optimistischer für die weitere konjunkturelle Entwicklung sei, würde die Wirtschaft noch längere Zeit eine akkomodierende Geldpolitik benötigen.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Nach der Sitzung der amerikanischen Notenbank am 19. Juni hatten die Äußerungen Bernankes über eine mögliche vorzeitige Straffung der Geldpolitik EUR/USD auf Talfahrt geschickt. Das Tief wurde am Dienstag bei 1,2753 erreicht. Von dort konsolidierte das Paar zunächst etwas nach oben, was aber nach der starken Abwertung keine Überraschung war. Zudem war ein wichtiger Unterstützungsbereich erreicht worden. Bei 1,28 befindet sich die Trendlinie ausgehend von November 2012 und bei 1,2744 das Jahrestief von Anfang April. Vor Veröffentlichung des Fed-Protokolls führte diese Korrektur den Kurs bereits wieder über 1,285. Durch das Protokoll entstand dann zunächst nur eine begrenzte volatile Bewegung bis 1,295, welche allerdings nicht nachhaltig war. Anschließend verlor der Euro nämlich schnell wieder bis unter 1,29. Anders waren die Reaktionen dann aber auf die Äußerungen von Bernanke. Genauso wie dieser im Juni für die Euro-Abwertung gesorgt hatte, führten seine Worte diesmal zu einer regelrechten Rallye in die andere Richtung. Aktuell (Donnerstag, ca. 1:00 Uhr) konnte das Paar kurzfristig bereits wieder über 1,32 steigen. Das ist ein Anstieg um rund 350 Pips in nur drei Stunden. Damit wurden auch wichtige Widerstandsgebiete überschritten und das Chartbild hat sich schlagartig aufgehellt. Der nächste wichtige Widerstand findet sich nun im Bereich 1,3254/1,33. Darüber wäre der Weg dann frei bis zum Juni-Hoch bei 1,3415 und anschließend über den Bereich 1,352 bis zum Jahreshoch bei 1,371. Entscheidend für diese bullishe Prognose ist, dass das Paar heute im Tagesverlauf entweder weiter steigen oder sich zumindest oberhalb von 1,31 stabilisieren kann. Eintrüben wurde sich die Situation dagegen wieder bei einem nachhaltigen Fall unter den Bereich zwischen der derzeit bei 1,3073 liegende 200-Tageslinie, sowie der Unterstützung bei 1,30/1,2985.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag ca. 1:00 Uhr):
EURUSD

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