EUR/USD: US-Notenbank sorgt für Überraschung

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Die amerikanische Notenbank (Fed) setzt ihre expansive Geldpolitik unverändert fort und wird vorerst weiterhin Anleihen und immobilienbesicherte Wertpapiere im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar kaufen. Dies teilte die Fed nach ihrer zweitägigen geldpolitischen Sitzung am Mittwochabend mit. Nachdem Fed-Gouverneur Ben Bernanke im Mai angekündigt hatte, das die Anleihenkäufe voraussichtlich schon dieses Jahr verringert und bis Mitte 2014 ganz eingestellt werden könnten, waren Experten überwiegend von einer ersten leichten Verringerung um 5 bis 10 Milliarden schon bei der jetzigen Sitzung ausgegangen. Doch die Notenbank hält die wirtschaftliche Erholung noch für zu instabil, um mit einer Reduzierung zu beginnen. „Der Ausschuss entschied sich jedoch dafür weitere Indizien dafür abzuwarten, dass die Erholung nachhaltig ist, ehe sie den Umfang der Wertpapierkäufe korrigiert“, wurde mitgeteilt. Die aktuellen Daten würde noch keine Straffung der Geldpolitik rechtfertigen. Gegen die Entscheidung stimmte nur die Gouverneurin der Fed von Kansas Esther George.

Als ein Grund für die Ungewissheit bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung wurden die Sparmaßnahmen der amerikanischen Regierung genannt. Zudem hätte allein die Ankündigung einer möglichen geldpolitischen Straffung zu einem deutlichen Anstieg der langfristigen Zinsen geführt, was das Wachstum um rund ein Prozent verlangsamen könne. Und auch die niedrige Inflation würde für eine unveränderte Fortführung der lockeren Geldpolitik sprechen, da eine dauerhaft niedrige Teuerung ein Risiko darstellen könne. Nach den neuesten Schätzungen der Notenbank wird die Inflation frühestens Ende 2015 wieder den Zielwert von 2,0 Prozent erreichen.

Bernanke sagte auf der anschließenden Pressekonferenz, dass man die Märkte nicht bewusst habe überraschen wollen. Man könne sich anderseits die Aktionen aber auch nicht vom Markt diktieren lassen. Die Geldpolitik könne nicht gestrafft werden, bevor sich die Wirtschaft wirklich erholt. An dem grundlegenden Zeitplan die Anleihenkäufe bis Mitte 2014 ganz einzustellen hält man aber offensichtlich fest.

Die Prognose für die weitere wirtschaftliche Entwicklung wurde gleichzeitig gesenkt. Für das aktuelle Jahr erwartet man nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,0 bis 2,3 Prozent. Bei der vorangegangenen Schätzung im Juni war man von 2,3 bis 2,6 Prozent ausgegangen. Im kommenden Jahr soll das BIP dann um 2,9 bis 3,1 Prozent und in 2015 um 3,0 bis 3,5 Prozent wachsen. Die Wirtschaft wachse mit moderater Geschwindigkeit, was sich in der Zukunft weiter beschleunigen dürfte, sagte Bernanke.

Den Leitzins bleibt erwartungsgemäß in der seit 2008 gültigen Spanne zwischen null und 0,25 Prozent. Die Fed hatte schon vor einiger Zeit zugesichert, dass man frühestens über eine Anhebung der Zinsen nachdenken würde, wenn die derzeit bei 7,3 Prozent liegende Arbeitslosigkeit auf mindestens 6,5 Prozent gefallen sei. Die Mehrheit der Notenbank-Mitglieder ist der Meinung, dass eine erste Leitzins-Erhöhung erst 2015 angebracht sein wird. Bis 2016 könne der Schlüsselzins dann auf zwei Prozent steigen. Um den Leitzins wieder auf vier Prozent anzuheben, bedürfe es dagegen „mehrerer Jahre“, sagte Bernanke.

Die nächste NotenbankSitzung findet am 30. Oktober statt. Laut Bernanke hänge der Zeitpunkt einer ersten geldpolitischen Straffung zwar nicht von Terminen, sondern nur von Daten ab. Es ist aber trotzdem fraglich, ob die Fed dann diese Entscheidung treffen wird. Nachteil wäre nämlich, dass im Oktober keine aktualisierten Schätzungen zur weiteren Entwicklung der Konjunktur, Inflation und Arbeitslosigkeit vorliegen. Zudem ist für diese Sitzung keine anschließende Pressekonferenz vorgesehen, bei welcher Bernanke die Entscheidung begründen könnte. Die nächste „große“ Notenbank-Sitzung einschließlich aktualisierter Prognosen und einer Pressekonferenz findet erst am 18. Dezember statt.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD (Stand 19.9.13, ca. 0:00 Uhr):

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befindet sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer Aufwärtsbewegung, welche das Paar bis zu einem Hoch bei 1,3452 am 20. August geführt hatte. Nach einer anschließenden Korrektur bis 1,3102, kann der Euro seit dem 6. September wieder zulegen und näherte sich schon vor der Fed-Sitzung erneut dem August-Hoch an. Die überraschende Entscheidung der amerikanischen Notenbank auf eine geldpolitische Straffung zunächst noch zu verzichten, sorgte für eine starke Dollar-Abwertung, also einen steigenden EUR/USD-Kurs. Im Hoch (Stand Donnerstag, ca. 0:00 Uhr) stieg das Paar bis 1,3541. Aus charttechnischer Sicht ist der Weg nun frei für einen weiteren Anstieg bis zum Jahreshoch vom 1. Februar bei 1,371. Darüber sind längerfristig Ziele bei 1,38; 1,39 und dem Oktober-Hoch 2011 bei 1,4247 möglich. Diese bullishe Einschätzung würde sich auch nicht ändern, falls kurzfristig eine leichte Korrektur zu sehen sein sollte. Eintrüben wurde sich die Situation erst unter 1,332, wobei sogar erst unter 1,3102 wieder von einer langfristigen und nachhaltigen Euro-Abwertung ausgegangen werden müsste.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, ca. 0:00 Uhr):
EURUSD

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