EUR/USD: Stärkeres Wachstum für Deutschland erwartet

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Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hat seine Konjunkturprognose für Deutschland nach oben angepasst. Dies teilte das Institut am Dienstag mit. Aufgrund der kräftigen Entwicklung der Investitionen und des weiterhin starken Konsums im ersten Quartal wird für das laufende Jahr jetzt ein Wachstum von 2,2 Prozent erwartet. Bisher war man nur von 1,7 Prozent ausgegangen. Im kommenden Jahr soll sich das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf 2,0 Prozent erhöhen. Die Binnenkonjunktur sei dabei weiterhin der Wachstumstreiber.

Im ersten Quartal konnte mit 0,8 Prozent der stärkste Anstieg der deutschen Wirtschaft seit drei Jahren verzeichnet werden. Dies sei allerdings auf den äußerst milden Winter zurückzuführen, durch welchen die Bauwirtschaft einen wesentlichen Anteil zu diesem Wachstum beigetragen habe und der sonst übliche Frühjahrsaufschwung vorgezogen wurde. Besonders stark seien mit einem Plus von 2,2 Prozent die Importe angestiegen, während sich die Exporte lediglich um 0,2 Prozent erhöhten. Der Außenbeitrag zum Wachstum ist dadurch mit minus 0,9 Prozent negativ. Nach dem starken Anstieg im ersten Quartal sei durch Korrektureffekte nun mit einem geringeren Wachstum im zweiten Quartal zu rechnen. Dennoch erwartet man für das restliche Jahr eine stabile konjunkturelle Dynamik.

Auch die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sieht man positiv. Zwar würden die Einführung des Mindestlohns und der abschlagsfreien Rente mit 63 dämpfend wirken. Anderseits sollte die konjunkturelle Belebung aber für eine weitere Erhöhung der Beschäftigung sorgen. Das HWWI prognostiziert insgesamt ein Beschäftigungswachstum von rund 0,5 Prozent in den nächsten beiden Jahren, wodurch die Zahl der Arbeitslosen bis zum Jahr 2015 auf rund 2,8 Millionen Personen sinken soll. Durch die zunehmende Auslastung der Kapazitäten und die Einführung des Mindestlohnes würde auch die Inflation anziehen und im kommenden Jahr wieder die von der EZB angestrebte Stabilitätsmarke von zwei Prozent erreichen. Im Prognosezeitraum würden dabei weiterhin wichtige Wachstumsimpulse vom privaten Konsum kommen.

Die weltweite Entwicklung dürfte das deutsche Wachstum ebenfalls unterstützen. „Die Weltwirtschaft hat an Fahrt gewonnen. So zeigt sich die Konjunktur in den USA robust, die Fed hat begonnen ihre Anleihenkäufe schrittweise zurückzufahren und die Finanzmärkte der Schwellenländer haben sich beruhigt“, betont Professor Dr. Michael Brauninger, Forschungsdirektor am HWWI. Mit der Belebung der Weltwirtschaft, aber vor allem auch der Erholung im Euroraum, würden die Exporte zum Ende des Jahres voraussichtlich wieder anziehen und sich im nächsten Jahr weiter entfalten. Vom Außenbeitrag sei dabei allerdings kein nennenswerter Wachstumsbeitrag zu erwarten, da die hohe Investitionstätigkeit zu steigenden Importen führe.

Die größten Risiken für die Prognose sieht das Wirtschaftsinstitut derzeit in der Krise in der Ukraine, der Preisentwicklung im Euroraum und einem gegebenenfalls schlecht kommunizierten Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik. Die Niedrigzinspolitik der EZB dürfte allerdings noch längere Zeit andauern. Erst Ende 2015 rechnet das HWWI mit einer Zinserhöhung.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Übergeordnet befindet sich EUR/USD seit Juli 2012 in einem Aufwärtstrend, durch welchen der Kurs ausgehend von 1,204 bis zu einem Hoch bei 1,3993 am 8. Mai dieses Jahres steigen konnte. Kurzfristig kommt dieser Trend aber unter Druck und es könnte ein Test der derzeit ungefähr bei 1,344 liegenden Aufwärtstrendlinie anstehen. Seit dem genannten Hoch von Anfang Mai ist nämlich eine deutliche Abwertung zu beobachten. Bereits in der vergangenen Woche wurde dabei ein Tief bei 1,3501 erreicht, was der tiefste Stand seit Anfang Februar war. Eine anschließende Stabilisierung bis 1,3677 wird aktuell bereits wieder abverkauft und am heutigen Dienstag nähert sich der Euro mit einem bisherigen Tief bei 1,353 wieder der Marke von 1,35 an (Stand Dienstag, 10.6.2014, ca. 13:30 Uhr). Zusätzlich negativ zu werten ist, dass inzwischen sowohl die 100- als auch die 200-Tageslinien nachhaltig unterschritten wurden. Es muss also grundsätzlich von einer weiteren Abwertung ausgegangen werden. Gewisse Unterstützung findet sich nochmals bei 1,3475. Danach kommt die genannte langfristige Aufwärtstrendlinie bei 1,344 in den Fokus. Sollte der Kurs nachhaltig darunter fallen, könnte in den kommenden Wochen sogar eine Euro-Abwertung in Richtung 1,30 oder 1,28 folgen. Aufhellen würde sich die Situation erst wieder oberhalb von 1,3677. Wobei sogar erst oberhalb von dem Bereich 1,3737/1,3774 tatsächlich wieder von einer Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends ausgegangen werden kann.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, 10.6.14, ca. 13:30 Uhr):
EURUSD

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