EUR/USD: Senkt die EZB am Donnerstag den Leitzins?

Für reichlich Spannung ist gesorgt, wenn sich die Europäische Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag im slowakischen Bratislava zu ihrer geldpolitischen Sitzung trifft. Inzwischen haben sich nämlich die Anzeichen gemehrt, dass der Leitzins dann um 25 Basispunkte auf ein neues Rekordtief von nur noch 0,5 Prozent gesenkt wird. Schon nach der letzten Sitzung Anfang April hatte der EZB-Rat darüber diskutiert, sich letztendlich aber noch dagegen entschieden. EZB-Präsident Mario Draghi betont aber schon damals, dass die Notenbank bereit sei zu handeln, falls dies notwendig werden sollte. Inzwischen könnte dieser Zeitpunkt gekommen sein. Denn schlechte konjunkturelle Daten haben zuletzt zugenommen. So zeigt der wichtige Einkaufsmanagerindex im April sogar für Deutschland, die eigentliche „Konjunktur-Lokomotive“ der Eurozone, gleichzeitig eine Kontraktion im Industrie- und Dienstleistungsbereich an. In den meisten anderen Ländern sieht es noch schlechter aus. Selbst der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, eigentlich als Gegner einer zu lockeren Geldpolitik bekannt, hatte sich vor kurzem offen für eine Zinssenkung gezeigt. „Wir können die Zinsen anpassen, wenn neue Informationen vorliegen“, sagte er in einem Interview. Das sieht auch EZB-Vizepräsident Vitor Constancio so. Vor dem Europäischen Parlament erklärte er in der vergangenen Woche: „Und wir sind bereit zu handeln, wenn die Wirtschaftsdaten schlecht sind, was leider der Fall war.“

Angesichts dieser Aussagen geht eine Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen von einer Zinssenkung am Donnerstag aus. Und auch die Aktienmärkte haben diese mit steigenden Kursen bereits teilweise eingepreist. Sicher ist die Entscheidung allerdings trotzdem nicht, denn es gibt durchaus Argumente dagegen. So hält EZB-Direktor Jörg Asmussen eine Zinssenkung zwar für möglich, warnt aber gleichzeitig vor negativen Folgen. „Zu niedrige Leitzinsen können zu Verwerfungen führen“, sagte er. Außerdem sei die Wirkung begrenzt. Denn die Banken würden das bereitgestellte Geld nur in geringem Umfang als Kredite weitergeben. Das eigentliche Problem seien die unterschiedlichen Bedingungen in der Eurozone. Trotz bereits jetzt historisch niedriger Zinsen, müssten mittelständische Unternehmen in Ländern wie Spanien oder Italien weiterhin hohe Zinsen für Bankkredite zahlen. Das würde auch ein noch niedrigerer Leitzins kaum ändern. Die EZB habe bereits viel getan. Geldpolitik sei aber „keine Allzweckwaffe gegen jede Art ökonomischer Krankheit“. Auch das niederländische Ratsmitglied Klaas Knot sieht einen Zinsschritt zum gegenwärtigen Zeitpunkt eher skeptisch. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte er: „Wir haben nur noch wenig Munition übrig und müssen uns daher fragen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“

Die EZB wird am Donnerstag also über eine Senkung der Leitzinsen diskutieren und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich diesmal dafür auch eine Mehrheit findet. Sicher ist dies aber nicht. Genauso wird man darüber sprechen, wie die Geldpolitik dafür sorgen kann, dass die Kreditvergabe in den Krisenstaaten angekurbelt wird. Unabhängig von der Zinsentscheidung erwartet eine Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen, dass auch dafür innerhalb der kommenden drei Monate ein separates Programm durch die Notenbank gestartet wird. Möglicherweise kommt der EZB-Rat aber auch zu dem Schluss zunächst nur ein solches Programm einzuführen. Wie auch immer die Entscheidung aussieht. Man wird außerdem darauf achten, was EZB-Präsident Draghi auf der anschließenden Pressekonferenz zu sagen hat. Sollte es zu keiner Zinssenkung kommen und Draghi eine solche auch nicht für die kommenden Monate ankündigen, dürfte vor allem in den Aktienmärkten deutliche Abschläge zu sehen sein.

Wie entwickelt sich EUR/USD weiter?

Der Euro zeigte sich von den Zinssenkungs-Spekulationen bisher unbeeindruckt und schwankt nun schon seit rund zwei Wochen in einer engen Spanne um 1,30. Trotzdem könnte die EZB am Donnerstag für Bewegung sorgen. Eine Senkung des Leitzinses dürfte den Euro eher schwächen, während ein gleichbleibender Leitzins zu einer deutlichen Aufwärtsbewegung führen könnte. Unterstützung findet sich derzeit beim Tief der vergangenen Woche bei 1,2953 und der leicht darunter liegenden 200-Tageslinie. Ein weiterer wichtiger Unterstützungs-Bereich liegt bei 1,29/1,2875. Darunter müsste von einer deutlicheren Abwärtsbewegung bis zum Jahrestief bei 1,2744 und anschließend bis 1,2659 ausgegangen werden. Nach oben sind der Widerstands-Bereich bei 1,316 und die Hochs vom 16. und 17. April bei 1,32 entscheidend. Ein Anstieg darüber würde den Weg freimachen für deutlich bis 1,3318; 1,35 und längerfristig 1,38 steigende Kurse.

Tageschart EUR/USD (Stand am Sonntag vor Marktöffnung):
EURUSD

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