EUR/USD: KfW senkt Konjunkturprognose

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Die staatliche Förderbank KfW hat am Dienstag in ihrem vierteljährlichen erscheinenden Konjunkturkompass die Wachstumsprognose für Deutschland deutlich gesenkt. Während man bei der letzten Schätzung im Februar noch ein Wachstum des Bruttonationalproduktes (BIP) von 0,9 Prozent für 2013 prognostiziert hat, geht man jetzt von nur noch 0,3 Prozent aus. Als wichtigster Grund dafür wird das unerwartet schwache Wachstum von nur 0,1 Prozent im ersten Quartal und der noch größere Einbruch von minus 0,7 Prozent im vierten Quartal des letzten Jahres angegeben. Dies sei „selbst unter optimistischen Annahmen nicht mehr aufzuholen“. Erst für das Jahr 2014 prognostiziert man dann wieder kräftiges Wachstum von rund 1,7 Prozent.

Dass die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn nicht in die Rezession gerutscht ist, sei in erster Linie dem privaten Konsum zu verdanken, welcher durch die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt stabil geblieben ist. Für einen Aufschwung habe das aber nicht ausgereicht. Denn die kalte Witterung, die immer noch schwieriger Lage in Europa und die damit verbundene Investitionsschwäche hätten anderseits die Konjunktur belastet und zu der Stagnation geführt. Nun dürfte die Bauindustrie zwar ihre wetterbedingten Ausfälle nachholen, was für zusätzlichen Schwung im zweiten Quartal sorgen wird. Auch geht die KfW unverändert von einer Erholung im Jahresverlauf aus. Trotzdem sei mit diesem ungünstigen Jahresstart insgesamt nur noch ein Miniwachstum erreichbar. Daher habe die Konjunkturprognose entsprechend gesenkt werden müssen.

„Die Eurozone ist nur sehr langsam auf dem Weg der Stabilisierung. Die Sorge um die europäischen Arbeitsplätze und die Einkommen der privaten Haushalte bleibt berechtigt. Gleichwohl sind wir vorsichtig optimistisch, dass die Bremseffekte aus Europa im Prognosezeitraum etwas nachlassen und die Eurozone bis 2014 wieder zu moderat positiven Wachstumsraten zurückfinden kann“, sagte KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner. Die Gründe dafür seien, dass die Unsicherheit über den Fortbestand der Eurozone angesichts des politischen Willens zum Zusammenhalt weiter abebben dürfte. Außerdem seien die Krisenländer in ihren Reformen erkennbar vorangekommen, auch wenn das Ziel noch nicht erreicht sei. Die langsame Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und stärkere Investitionen der Unternehmen aufgrund der verbesserten Kreditmarktbedingungen sowie mehr Klarheit über zukünftige Strukturreformen sollten weitere Impulse liefern. „Bereits die begründete Aussicht auf Besserung in Europa dürfte den deutschen Investitionen einen Schub verleihen – denn nach anderthalb Jahren rückläufiger Ausrüstungsinvestitionen sind inzwischen viele Projekte in der Pipeline, die bei sich aufhellenden Absatzperspektiven und niedrigen Finanzierungszinsen sehr attraktiv sind“, erklärte Ökonom Zeuner.

Die KfW betont, dass die längerfristig immer noch optimistische Konjunkturprognose unter der Voraussetzung erstellt wurde, dass die Erwerbstätigkeit in Deutschland historisch hoch bleibt, die Arbeitslosigkeit nicht zunimmt und die reale Kaufkraft durch Lohnerhöhungen in Verbindung mit der geringen Inflationsrate weiter ansteigt. Zudem wird davon ausgegangen, dass auch die Europäische Zentralbank an ihrer expansiven Geldpolitik festhält, wodurch das Niedrigzinsumfeld noch längere Zeit erhalten bleibt. Gleichzeitig seien auf globaler Ebene die Voraussetzung für eine deutsche Exporterholung grundsätzliche günstig, wie auch die zuletzt deutlichen Anstiege bei den Auftragseingängen schon gezeigt hätten. Sollten sich die Exporte erwartungsgemäß beleben und so die Kapazitätsauslastung steigen, würde dies den Unternehmen auch Impulse zu Investitionen geben.

Der wichtigste Markt für Deutschland, und somit auch das größte Risiko für die wirtschaftliche Erholung, bleibe aber Europa. Man sei „vorsichtig optimistisch, dass die Bremseffekte aus Europa im Prognosezeitraum etwas nachlassen und die Eurozone bis 2014 wieder zu moderat positiven Wachstumsraten zurückfinden kann“. Sollte die Krise aber erneut eskalieren und sich die Rezession verschärfen, müsste auch für Deutschland mit einem wesentlich schlechteren Ergebnis gerechnet werden. Da das prognostizierte Wachstum mit 0,3 Prozent für dieses Jahr ohnehin sehr gering sei, wäre ein Übergreifen der Europäischen Rezession auf Deutschland kaum mehr zu vermeiden, falls die Bremsimpulse aus weiten Teilen der Eurozone nicht nachlassen, sondern sich sogar intensivieren. Eine zeitliche Streckung der Defizitziele, welche derzeit von der Europäischen Kommission beispielsweise für Frankreich angestrebt werden, sei daher auch im Interesse Deutschlands. Die notwendigen Reformen in den Krisenländern müssten in einem Zeitrahmen erfolgen, welcher kurzfristig das Wirtschaftswachstum nicht noch mehr belastet.

 Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD präsentiert sich in dieser Woche bisher sehr unentschlossen. Nachdem am Montag nahezu keine Bewegung zu sehen war, wertete der Euro am Dienstag zunächst von 1,295 um rund 100 Pips ab. Doch schon am Mittwoch ging es wieder bis zu einem Hoch bei 1,2977 nach oben. Aktuell (Donnerstag ca. 0:30 Uhr) liegt der Kurs bei ungefähr 1,294. Die weitere Entwicklung ist nicht eindeutig. Oberhalb von 1,30 würde sich das Chartbild leicht aufhellen. Allerdings finden sich mit der 200-Tageslinie bei ungefähr 1,3027; dem Tageshoch vom 10. Mai bei 1,305 und der Trendlinie der Abwärtsbewegung beginnend beim Jahreshoch bei 1,371, welche sich derzeit bei ungefähr 1,3085 befindet, weitere wichtige Widerstände in der Nähe. Erst darüber wäre der Weg dann auch für eine größere Euro-Aufwertung bis 1,3245; 1,3318 und längerfristig möglicherweise 1,38 frei. Wichtig für Euro-Bullen ist, dass der Kurs nicht unter das Tief vom 17. Mai bei 1,2793 fällt. Andernfalls müsste nämlich auch mit einem Test des Jahrestiefs aus April bei 1,2744 und einer anschließenden größeren Euro-Abwertung bis 1,266 und möglicherweise 1,25 gerechnet werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag ca. 0:30 Uhr):
EURUSD

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