EUR/USD: Inflation sinkt im Euroraum auf den tiefsten Stand seit 2009

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Der Anstieg der Verbraucherpreise im Euroraum dürfte im März im Jahresvergleich lediglich 0,5 Prozent betragen haben. Dies teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Montag in einer ersten Schätzung mit. Das ist der niedrigste Wert seit November 2009 und liegt deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent. Im Februar hatte der Anstieg noch 0,7 Prozent betragen. Im März 2013 sogar 1,7 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen geringeren Rückgang auf 0,6 Prozent erwartet.

Mit einem Minus von 2,1 Prozent waren die Energiepreise am stärksten rückläufig. Im Februar war dieser Bereich mit einem Minus von 2,3 Prozent sogar noch stärker gefallen. Am stärksten angestiegen sind die Preise für Dienstleistungen mit einem Plus von 1,1 Prozent, was 0,2 Prozent unter dem Februar-Wert liegt. Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak verteuerten sich um 1,0 Prozent, gegenüber einer Teuerung von 1,5 Prozent im Februar. Bei Industriegütern ohne Energie stiegen die Preise um 0,3 Prozent, gegenüber 0,4 Prozent im Februar.

Auch die so genannte Kernteuerungsrate, bei welcher die Preise von Energie, Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak nicht berücksichtigt werden, hat sich von 1,0 Prozent im Vormonat auf jetzt 0,8 Prozent verringert. Dieser Wert gilt bei vielen Ökonomen als aussagekräftiger, da er weniger volatil ist.

Bereits vorher hatte Deutschland für März einen Anstieg der Verbraucherpreise um nur noch 1,0 Prozent gemeldet, was der niedrigste Wert seit August 2010 ist. Spanien rutschte mit einem überraschenden Minus von 0,2 Prozent im Jahresvergleich sogar in eine leichte Deflation. Das Land hatte zuletzt zwar die seit neun Quartalen andauernde Rezession überwunden. Dennoch stehen die Preise aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der schwachen Nachfrage der Privathaushalte weiter unter Druck. In anderen europäischen Ländern zeigt sich derzeit eine ähnliche Tendenz.

Die Entwicklung könnte die Befürchtungen über eine drohende Deflation wieder verstärken. Eine solche wäre für die Konjunktur gefährlich, da Verbraucher und Firmen weiter sinkende Preise erwarten und aus diesem Grund Investitionen oder den Kauf von Konsumgütern aufschieben.

Am Donnerstag findet eine Sitzung des geldpolitischen Rats der EZB statt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte mehrfach betont, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik möglich sei, sofern sich der Inflationsausblick verschlechtern würde. Bisher sieht die Notenbank zwar eine längere Phase niedriger Inflation, befürchtet jedoch keinen Preisverfall auf breiter Front. Daher gehen die meisten Ökonomen auch davon aus, dass der Leitzins diesmal noch auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent bleiben wird und auch sonst keine weiteren Maßnahmen beschlossen werden. Sicher ist dies jedoch nicht, insbesondere nach den nun noch niedriger ausgefallenen Inflationszahlen.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD befindet sich seit Juli 2012, ausgehend von 1,204, in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Insbesondere ab dem 6. Februar dieses Jahres war das Paar in eine steile Aufwärtsbewegung übergegangen. Anfang März wurde dabei auch die leicht oberhalb von 1,38 liegende sehr langfristige Abwärtstrendlinie (ausgehend vom Juli-Hoch 2008 bei 1,6039) und das Jahreshoch aus 2013 bei 1,3892 überschritten. Am 13. März wurde ein Hoch bei 1,3966 erreicht, was der höchste Stand seit Oktober 2011 war. Seitdem geht es aber deutlich nach unten. Bereits am 20. März wurde die massive Kreuz-Unterstützung aus den Trendlinien des genannten langfristigen Abwärtstrends und des steilen untergeordneten Aufwärtstrends nach unten durchbrochen. Auch in der vergangenen Woche gelang keine Gegenbewegung, sondern das Paar hat im Wochenverlauf weiter bis zu einem Tief bei nur noch 1,3703 am Freitagvormittag abgewertet. Inzwischen hat sich der Kurs zwar stabilisiert und ist am heutigen Montag in der Spitze bis 1,3808 gestiegen (Stand Montag, 31.3.2014, ca. 16:15 Uhr), womit sich das Chartbild kurzfristig etwas aufgehellt hat. Von einer direkten Fortsetzung des Aufwärtstrends mit Zielen bei 1,3966; 1,40 und 1,42 kann aber erst bei einem Anstieg über das Zwischenhoch vom 14. März bei 1,3876 ausgegangen werden. Solange dies nicht gelungen ist, bleibt das Chartbild angeschlagen. Sollte der Euro unter 1,37 rutschen wäre eine stärkere Abwärtsbewegung bis 1,364; 1,356 und der derzeit ungefähr bei 1,3511 liegenden 200-Tageslinie wahrscheinlich.

Tageschart EUR/USD (Stand Montag, 31.3.14, ca. 16:15 Uhr):
EURUSD

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