EUR/USD: FOMC-Protokoll bringt keine Klarheit

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Das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der amerikanischen Notenbank (Fed) brachte keine Klarheit über den Zeitpunkt einer Verringerung der Anleihenkäufe. Die Notenbank kauft derzeit jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und immobilienbesicherte Wertpapiere um die Konjunktur zu stützen. Fed-Präsident Ben Bernanke hatte aber angekündigt, noch in diesem Jahr mit einer Verringerung dieser Käufe zu beginnen und das Programm bis Mitte des kommenden Jahres ganz einzustellen, sofern sich die Konjunktur und Arbeitslosigkeit im Rahmen der Prognosen entwickelt. Mit dieser Vorgehensweise zeigten sich die Ausschuss-Mitglieder weitgehend einig. Man ist allgemein überzeugt, dass das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten weiter zulegen wird und somit die entsprechenden Voraussetzungen dafür gegeben sind. Uneinig ist man sich aber, wann genau dies geschehen soll. Einige Mitglieder mahnten zur Geduld, andere sahen dagegen „bald“ die Notwendigkeit.

Deutlich wird im Protokoll außerdem, dass die Aufmerksamkeit der Notenbank in der Frage der Anleihenkäufe nicht nur auf der Entwicklung der Arbeitslosenquote liegt. Sorge bereitet einigen Mitgliedern die zuletzt deutlich gestiegenen Zinsen, sowie die weiterhin sehr niedrige Inflationsrate. Andere gehen aber davon aus, dass zum einen die Inflation bald wieder anziehen dürfte und verwiesen anderseits sogar auf positive Nebeneffekte der gestiegenen Zinsen. Denn dadurch seien zahlreiche spekulative Positionen aufgelöst worden, wodurch sich das Finanzsystem stabilisiert habe.

Die Märkte zeigen sich aufgrund der Unklarheit über den Zeitpunkt einer ersten Verringerung der Anleihenkäufe schon seit einiger Zeit recht unentschlossen. Zunehmend scheint man zwar von der kommenden Sitzung am 18. September auszugehen. Sicher ist dies aber keineswegs. Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung könnte die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im August sein, welche in der übernächsten Woche veröffentlicht wird. Sollte die Notenbank im September noch keine Verringerung beschließen, kann davon ausgegangen werden, dass dies erst im Dezember geschieht. Es findet zwar auch im Oktober eine Notenbank-Sitzung als möglicher Zeitpunkt statt. Aber nur zum September und Dezember erstellt die Fed auch neue Prognosen zur Entwicklung der Konjunktur, Inflation und Arbeitslosigkeit. Außerdem wird es nur bei diesen beiden Sitzungen anschließend eine Pressekonferenz mit dem Fed-Vorsitzenden Bernanke geben, bei welcher er die Entscheidung ausführlich begründen könnte.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befindet sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer deutlichen Aufwärtsbewegung. Am Dienstag stieg das Paar im Hoch bis 1,3452 und somit auf den höchsten Stand seit Mitte Februar. Die Aufwärtsbewegung hat zuletzt allerdings an Dynamik verloren und der Euro korrigierte außerdem im Anschluss an das Hoch bis 1,3295 (Stand Donnerstag, ca. 16:30 Uhr). Trotzdem sieht es insgesamt nach einem weiteren langsamen Euro-Anstieg aus. Schon oberhalb von 1,34 würde sich die Situation auch kurzfristig wieder aufhellen. Über 1,345 wäre das nächste wichtige Ziel dann bei 1,352 zu finden. Längerfristig könnte das Jahreshoch vom 1. Februar bei 1,371 erreicht werden. Sollte EUR/USD aber unter das Tagestief vom 15. August bei 1,3204 fallen, würde sich die Situation eintrüben. Zwar finden sich auch darunter noch einige Unterstützungsbereiche, insbesondere bei rund 1,316, sowie die 200-Tageslinie bei 1,3126 und die 100-Tageslinie bei 1,3117. Dennoch würde in diesem Fall insgesamt eine weitere Abwertung in Richtung des Jahrestiefs bei 1,2744 wahrscheinlich werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, ca. 16:30 Uhr):
EURUSD

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