EUR/USD: Fed lässt Anleihenkaufprogramm unverändert

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Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch nach zweitägigen Beratungen den Leitzins unverändert auf dem seit Dezember 2008 gültigen Rekordtief von null bis 0,25 Prozent belassen. Auch werden weiterhin Staatsanleihen und immobilienbesicherte Wertpapiere im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar gekauft. Ökonomen hatten die Entscheidung so erwartet.

Keine Antwort gab es auf die Frage, ab wann mit dem Ausstieg aus den Anleihenkäufen begonnen wird. Fed-Gouverneur Ben Bernanke hatte im Mai angekündigt, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr verringert werden könnten, sofern sich die Konjunktur und Arbeitslosigkeit im Rahmen der Erwartungen entwickeln. Bis Mitte des kommenden Jahres könnten die Anleihenkäufe dann allmählich ganz eingestellt werden. Wie schon nach der letzten Sitzung heißt es dazu im Statement aber nur, dass der Ausschuss die eingehenden Informationen über die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten genau beobachten wird und die Anleihenkäufe bei Bedarf sowohl verringern als auch ausweiten kann. Im ersten Halbjahr habe die Wirtschaft mit „maßvollem Tempo zugelegt“. Im Statement der vorangegangenen Sitzung wurde noch von einem „moderaten“ Wachstum gesprochen.

Erstmals wird die niedrige Inflation von derzeit rund 1 Prozent als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung bezeichnet, falls diese dauerhaft unter der Zielmarke von zwei Prozent bleiben sollte. Die Notenbank rechnet aber weiterhin damit, dass die Teuerung sich mittelfristig wieder in den Zielbereich bewegen wird.

Erneut betont die Fed im Statement, dass auch nach einem Ende der Anleihenkäufe die „sehr akkommodierendeGeldpolitik noch für eine beträchtliche Zeit“ bleiben würde, um die wirtschaftliche Erholung angemessen zu unterstützen. Der Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent würde voraussichtlich mindestens so lange nicht erhöht, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent liegt.

Die Entscheidung fiel fast einstimmig. Nur Esther George, die Gouverneurin der regionalen Fed von Kansas, sprach sich dagegen aus und vertrat die Ansicht, dass die anhaltend expansive Geldpolitik die Risiken für künftige wirtschaftliche und finanzielle Ungleichgewichte erhöhen würde und außerdem zu einem Anstieg der langfristigen Inflationserwartungen führen könne. James Bullard von der Fed in St. Louis votierte dagegen diesmal, anders als noch vor einem Monat, für die geldpolitischen Maßnahmen.

Die nächste geldpolitische Sitzung der amerikanischen Notenbank findet am 18. September statt. Da dann nicht nur ein Statement veröffentlicht, sondern Gouverneur Bernanke die Geldpolitik auch vor der Presse erklären wird, könnte dies der geeignete Zeitpunkt für eine Verringerung der Anleihenkäufe sein. Analysten sind sich aber nicht einig. Viele prognostizieren diese Entscheidung auch erst für das Jahresende.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befindet sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer deutlichen Aufwärtsbewegung. In dieser Woche präsentiert sich das Paar allerdings bisher sehr unentschlossen und bewegt sich in einer engen Spanne seitwärts. Auch die Entscheidung der amerikanischen Notenbank hat nur zu kurzfristiger Volatilität geführt, die Situation aber nicht verändert. Zwar konnte der Euro nach dem Sitzungsergebnis ein Tageshoch bei 1,3344 erreichen, ist aktuell (Mittwoch ca. 23:30 Uhr) aber bereits wieder auf rund 1,33 gefallen. Die charttechnische Situation ist dennoch interessant. Bei rund 1,3326 verläuft derzeit die flache Abwärtstrendlinie beginnend beim Jahreshoch vom 1. Februar bei 1,371. Diese wurde nach der Fed-Sitzung zwar kurzfristig überschritten, was aber nicht nachhaltig war, da das Paar anschließend sofort wieder zurückgefallen ist. Ein nachhaltiger Anstieg über die Trendlinie und anschließend über das Tageshoch vom Mittwoch bei 1,3344 würde für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends mit Zielen bei 1,3415; 1,35 und längerfristig dem Jahreshoch bei 1,371 sprechen. Doch auch eine anstehende neue Euro-Abwertung kann aus jetziger Sicht nicht ausgeschlossen werden. Ebenfalls nahe am aktuellen Kurs, bei rund 1,3248, befindet sich nämlich auch die steile Aufwärtstrendlinie beginnend vom 15. Juli, welche am heutigen Mittwoch ebenfalls kurzfristig überschritten wurde. Sollte der Kurs nun erneut unter diesen Bereich und im Anschluss insbesondere auch unter 1,3162 fallen, würde sich die Situation wieder deutlich eintrüben. Dann bietet die 200-Tageslinie bei 1,308; das Tagestief vom 18. Juli bei 1,3063; die 100-Tageslinie bei 1,305 und das Tagestief vom 15. Juli bei 1,299 allerdings nochmal Unterstützung. Darunter musste dann aber spätestens mit einem Rückfall zum Juli-Tief bei 1,2753 bzw. dem Jahrestief aus April bei 1,2744 gerechnet werden.

Die EZB-Sitzung am Donnerstag (Ergebnis um 13:45 Uhr bzw. Pressekonferenz ab 14:30 Uhr) und/oder die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag um 14:30 Uhr könnten zu erheblichen Bewegungen bei EUR/USD führen und möglicherweise eine Entscheidung darüber bringen, in welche Richtung es mittelfristig weiter geht.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch ca. 23:30 Uhr):
EURUSD

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