EUR/USD: EZB senkt Leitzins auf neues Rekordtief

Teilen!

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag den Leitzins überraschend um 25 Basispunkte auf das neue Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Zuvor war der Schlüsselzins letztmalig im Mai um 0,25 Prozent auf 0,5 Prozent verringert worden. Die meisten Experten wurden von der Entscheidung überrascht. Zwar hatte sich in letzter Zeit zunehmend angedeutet, dass die Geldpolitik erneut gelockert werden könnte. Dass dies bereits bei der jetzigen Sitzung geschieht, war aber überwiegend nicht erwartet worden. Vielmehr wurde darauf spekuliert, dass EZB-Präsident Mario Draghi einen solchen Schritt nur verbal vorbereiten würde und es dann erst bei der kommenden Sitzung im Dezember dazu kommt. Neben dem Leitzins wurde auch das Übernachtgeld um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent gesenkt, während der Einlagenzins bei null Prozent blieb.

EZB-Präsident Draghi begründete die Entscheidung vor allem mit der niedrigen Inflation. „Es gibt aktuell Anzeichen dafür, dass der grundlegende mittelfristige Preisdruck im Euroraum sinkt, und das von einem niedrigen Niveau von unter ein Prozent aus“, sagte er bei der anschließenden Pressekonferenz. Zwar seien die mittelfristigen Inflationserwartungen stabil. Man erwarte aber für eine längere Zeit eine niedrige Teuerung. Das Inflationsziel von leicht unter zwei Prozent dürfte demnach erst später wieder erreicht werden, als bisher erwartet. Zuletzt lag die Inflation im Januar bei 2,0 Prozent. Seitdem liegt sie deutlich tiefer. Im Oktober war der Anstieg der Verbraucherpreise von 1,1 auf 0,7 Prozent und somit auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gesunken.

Draghi betonte, dass die jetzige Zinssenkung noch nicht das Ende der geldpolitischen Lockerungen darstellen muss. „Wir haben die Untergrenze noch nicht erreicht und könnten den Zins grundsätzliche weiter senken“, sagte er. Man sei bereit, alle „zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen“. Neben einem noch niedrigeren Leitzins, wäre auch eine Senkung des Einlagenzinses für Banken in den negativen Bereich oder die Neuauflage einer bereits zuvor vor knapp zwei Jahren eingesetzten Kreditlinie für Geldinstitute mit ungewöhnlich langer Laufzeit (LTRO) weiterhin denkbar. Bei der jetzigen Sitzung seien diese Maßnahmen allerdings nicht ernsthaft diskutiert worden. In jedem Fall solle aber die Vollzuteilung bei Finanzierungsgeschäften bis mindestens Mitte 2015 fortgeführt werden. Auch könne man davon ausgehen, dass der Leitzins noch längere Zeit auf dem gegenwärtigen oder einem noch niedrigeren Niveau bleiben würde.

Laut Draghi sei man sich im geldpolitischen Rat einig gewesen, dass die Notenbank handeln müsse. Jedoch habe es Unstimmigkeiten über den Zeitpunkt gegeben. Letztendlich sei die Entscheidung aber mit großer Mehrheit gefallen. Der in den vergangenen Wochen stark gestiegene Euro-Kurs sei dagegen kein Thema gewesen. „Die Wechselkurse sind kein politisches Ziel der EZB“, erklärte er.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Der Euro hatte schon seit Ende Oktober gegenüber dem US-Dollar ausgehend vom Jahreshoch bei 1,3832 deutlich verloren. Am Montag wurde dabei ein Tief bei 1,3439 erreicht, womit EUR/USD ziemlich genau die Aufwärtstrendlinie ausgehend vom Juli-Tief bei 1,2753 berührt hatte. Danach zeigte das Paar zunächst nur wenig Bewegung und schwankte um 1,35. Die überraschende Zinssenkung sorgte nun für einen erneut scharf abwertenden Euro. Im Tief fiel die Gemeinschaftswährung bis 1,3294, kann sich allerdings aktuell (Stand Donnerstag, 7. November 2013, ca. 18:30 Uhr) wieder etwas stabilisieren und liegt nur noch leicht unter 1,34. Trotzdem hat sich die Situation für den Euro durch den Bruch des Aufwärtstrends auch längerfristig deutlich eingetrübt. Die nächsten wichtigen Unterstützungen finden sich nun bei der derzeit ungefähr bei 1,3217 liegenden 200-Tageslinie und dem September-Tief bei 1,3102. Darunter kommt dann die langfristige Aufwärtstrendlinie ausgehend vom 2012-Tief in Reichweite, welche derzeit ungefähr bei 1,30 liegt. Eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung der letzten Wochen wird dagegen nur wahrscheinlich, falls EUR/USD nun kurzfristig mit einem Anstieg über das Hoch vom gestrigen Mittwoch bei 1,3547 wieder in den bisherigen Aufwärtstrend zurückkehrt. Dies ist aus jetziger Sicht nicht wahrscheinlich. Allerdings könnten die morgen um 14:30 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktdaten aus Oktober erneut für größere Bewegung sorgen, wodurch man dieses bullishe Szenario auch nicht ausschließen sollte.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, 7.11.13, ca. 18:30 Uhr):
EURUSD

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Chartanalysen, EUR/USD, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.