EUR/USD: EZB senkt Inflationsprognose

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Die Europäische Zentralbank hat ihre Prognose zur weiteren Entwicklung der Inflation im Euroraum nochmals gesenkt. Das sagte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach der geldpolitischen Sitzung am Donnerstag. Für 2013 und 2014 geht man nun von einem Anstieg um 1,4 und 1,1 Prozent aus. Zuvor waren 1,5 und 1,3 Prozent prognostiziert worden. Auch für 2015 soll die Inflation mit 1,3 Prozent deutlich unter dem Zielwert der Notenbank von 2,0 Prozent bleiben. Die niedrige Inflation war bereits vor einem Monat eine der Hauptgründe für die Senkung des Leitzinses auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Bei der jetzigen Sitzung wurde der Leitzins unverändert belassen und auch keine sonstigen geldpolitischen Maßnahmen beschlossen.

EZB-Präsident Draghi gab auch keinen Hinweis auf eventuell zukünftige geldpolitische Maßnahmen. Man würde sich alle Optionen offen halten. Die letzte Zinssenkung mache sich aber bereits positiv bemerkbar. Nun müsse man weiter die Auswirkungen abwarten. Die in den letzten Wochen von vielen Experten angeregte Möglichkeit den Einlagenzinssatz für Banken in den negativen Bereich zu senken, habe man laut Draghi „nur kurz“ andiskutiert. Die Option sei aber nicht weiter thematisiert worden. Eine weitere Zinssenkung sei dagegen von niemandem vorgeschlagen worden. Ansonsten wiederholte der Notenbank-Vorsitzende seine schon früher gemachte Zusicherung, dass der Leitzins noch lange Zeit auf dem jetzigen oder einem noch tieferen Niveau bleiben würde.

Draghi deutete an, dass man im kommenden Jahr möglicherweise die Banken erneut mit langfristiger Liquidität versorgen könnte. Ende 2011 und Anfang 2012 hatte man mit einem langfristigen Tender über drei Jahre insgesamt rund 1 Billion Euro in das Bankensystem gepumpt. Die Banken haben die Liquidität allerdings größtenteils gehortet und nicht, wie von der EZB eigentlich erwünscht, über Kredite in den Wirtschaftskreislauf vergeben. Draghi betonte daher: „Wenn wir uns erneut für diese Option entscheiden sollten, wollen wir sicherstellen, dass die Liquidität tatsächlich dahin gelangt, wo sie in der Wirtschaft am dringendsten gebraucht wird“.

Etwas optimistischer schätzt die EZB die weitere wirtschaftliche Entwicklung ein. Zwar bleibt es dabei, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone in 2013 um rund 0,4 Prozent gefallen sein dürfte. Es würde sich aber eine kontinuierliche Erholung einstellen. Für 2014 wird nun ein Wachstum von 1,1 Prozent prognostiziert. Zuvor ging man von 1,0 Prozent aus. Im Jahr 2015 soll das BIP dann um 1,5 Prozent ansteigen. Draghi betonte allerdings, dass die Risiken für diesen wirtschaftlichen Ausblick weiterhin abwärtsgerichtet sind.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar ausgehend vom Jahreshoch bei 1,3832 von Ende Oktober deutlich bis zu einem Tief bei 1,3294 am 7. November ab. Damit wurde auch die Trendlinie des vorhergehenden Aufwärtstrends ausgehend vom 10. Juli bei 1,2761gebrochen. Danach konnte sich die Gemeinschaftswährung zwar wieder sukzessive erholen. EUR/USD bewegte sich dabei aber mehr oder weniger kontinuierlich um die ehemalige Aufwärtstrendlinie herum, ohne nachhaltig in den Aufwärtstrend zurückkehren zu können. Die Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi am heutigen Donnerstag haben nun aber doch zu einem deutlicheren Anstieg bis aktuell 1,3674 geführt, wodurch der Euro wieder innerhalb des Aufwärtstrends liegt (Stand Donnerstag, 5.12.2013, ca. 18:15 Uhr). Es wird nun spannend. Sollte sich EUR/USD innerhalb des Aufwärtstrends stabilisieren, würde die charttechnische Situation wieder sehr bullish aussehen. Die nächsten wichtigen Ziele liegen in diesem Fall beim Jahreshoch bei 1,3832 und anschließend der derzeit ungefähr bei 1,3917 liegenden langfristigen Abwärtstrendlinie ausgehend von 1,6039 (Juli-Hoch 2008). Gegenwärtig sollte man allerdings noch vorsichtig sein. Insbesondere die am morgigen Freitag um 14:30 Uhr anstehenden US-Arbeitsmarktdaten könnten zu erheblichen Marktbewegungen führen und die aktuelle Chartsituation möglicherweise nochmals ändern. Deutlich eintrüben würde sich auch die kurzfristige Situation bereits wieder unter den Tiefs dieser Woche im Bereich von 1,352. Danach finden sich bei 1,3488 und 1,3397 weitere Unterstützungen. Spätestens darunter müsste von einer Abwärtsbewegung bis 1,3294; der derzeit bei 1,3230 befindlichen 200-Tageslinie und anschließend 1,31 ausgegangen werden. Anschließend kommt die sich derzeit bei ungefähr 1,306 befindende langfristige Aufwärtstrendlinie ausgehend vom 2012-Tief bei 1,204 in Reichweite.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, 5.12.13, ca. 18:15 Uhr):
EURUSD

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