EUR/USD: EZB schließt auch unkonventionelle Maßnahmen nicht aus

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer Sitzung am Donnerstag den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent belassen. Auch der Spitzenrefinanzierungssatz blieb bei 0,75 Prozent und der Einlagenzinssatz für Banken bei 0,0 Prozent. Ökonomen hatten die Entscheidung im Vorfeld überwiegend so erwartet. Etwas Zweifel waren allerdings aufgekommen, da wenige Tage vor der Notenbank-Sitzung bekannt wurde, dass die Inflation im März mit nur 0,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende 2009 gefallen war.

EZB-Präsident Mario Draghi bezeichnete die Inflationsrisiken auf der anschließenden Pressekonferenz allerdings trotz des erneuten Rückgangs weiterhin als ausgewogen. Zwar dürften diese noch längere Zeit auf niedrigem Niveau bleiben, mit der Zeit aber wieder steigen. Erst Ende 2016 wird mit einer Teuerung von 1,7 Prozent eine Annäherung an den Zielwert der EZB von 2,0 Prozent prognostiziert. Für den niedrigen März-Wert machte Draghi vor allem niedrige Nahrungsmittel-, Güter- und Dienstleistungen, sowie rückläufige Energiepreise verantwortlich. Zudem habe das dieses Jahr erst im April stattfindende Osterfest einen Einfluss gehabt. „Im aktuellen Monat dürfte die Inflation wieder etwas anziehen“, sagte Draghi.

Trotzdem würde die EZB die Entwicklung genau beobachten und hat ihre Tonwahl insgesamt auch verschärft. „Im EZB-Rat herrscht Einstimmigkeit, dass gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen unseres Mandats eingesetzt werden können, wenn die Inflation zu lange sehr niedrig bleibt“, sagte Draghi. Wenn nötig, könne man schnell handeln. Zu diesen unkonventionellen Maßnahmen würde ausdrücklich auch die Möglichkeit eines groß angelegten Kaufprogrammes von Anleihen gehören. Darüber sei auf der jetzigen Sitzung erstmals diskutiert worden. Allerdings würde sich die Ausgestaltung einer solchen Maßnahme kompliziert gestalten, da die Konstruktion der EZB anders sei, als beispielsweise bei der amerikanischen Fed. Auch sonst habe man eine umfangreiche Diskussion im geldpolitischen Rat über alle möglichen Schritte geführt, darunter auch „ausführlich“ über Zinsen, einen negativen Satz für Bankeinlagen bei der Notenbank oder eine Einengung des Leitzinskorridors.

Genau beobachten würde man zudem den Wechselkurs. Der Euro hatte in den vergangenen Monaten gegenüber den meisten Währungen spürbar aufgewertet. Zwar strebe die EZB weiterhin kein Wechselkursziel an. Dennoch sei dieser ein zunehmend wichtiger Faktor bei der Einschätzung der mittelfristigen Preisentwicklung.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD befindet sich seit Juli 2012, ausgehend von 1,204, in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Insbesondere ab dem 6. Februar dieses Jahres war das Paar in eine steile Aufwärtsbewegung übergegangen. Anfang März wurde dabei auch die leicht oberhalb von 1,38 liegende sehr langfristige Abwärtstrendlinie (ausgehend vom Juli-Hoch 2008 bei 1,6039) und das Jahreshoch aus 2013 bei 1,3892 überschritten. Am 13. März wurde ein Hoch bei 1,3966 erreicht, was der höchste Stand seit Oktober 2011 war. Inzwischen hat sich die Chartsituation aber eingetrübt. Bereits am 20. März wurde die massive Kreuz-Unterstützung aus den Trendlinien des genannten langfristigen Abwärtstrends und des steilen untergeordneten Aufwärtstrends nach unten durchbrochen. In der Folge wertete der Euro bis 1,3703 am 28. März ab. In dieser Woche war zwar zunächst eine leichte Erholung in den Bereich 1,38 zu sehen. Doch nach der heutigen EZB-Sitzung ging es erneut deutlich nach unten. Dabei ist der Kurs kurzfristig mit 1,3695 auf den tiefsten Stand seit Ende Februar gefallen. Zwar konnte sich EUR/USD anschließend schnell wieder über 1,37 stabilisieren. Trotzdem hat sich die Situation für den Euro damit nochmals verschlechtert und der Kurs nähert sich aktuell bereits wieder dem genannten Tief an (Stand Donnerstag, 3.4.2014, ca. 17:45 Uhr). Sollte der Kurs nun auch nachhaltig (auf Tagesschlussbasis) unter 1,37 fallen, wäre eine weitere Abwertung bis 1,364; 1,356 und der derzeit ungefähr bei 1,3521 liegenden 200-Tageslinie wahrscheinlich. Aufhellen würde sich die Situation nur bei einem Anstieg über das Hoch vom gestrigen Mittwoch bei 1,382. Gelingt in diesem Fall anschließend auch ein Anstieg über das Tageshoch vom 24. März bei 1,3876 könnte auch wieder von einer direkten Fortsetzung des Aufwärtstrends mit Zielen bei 1,3966; 1,40 und 1,42 ausgegangen werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, 3.4.14, ca. 17:45 Uhr):
EURUSD

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