EUR/USD: EZB-Präsident Draghi sieht einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik „weit entfernt“

Anders als bei der amerikanischen Notenbank, welche schon in diesem Jahr den Umfang ihrer Anleihenkäufe zurückfahren möchte, zeichnet sich eine Straffung der lockeren Geldpolitik in der Eurozone nicht ab. „Der Ausstieg liegt noch in weiter Ferne, da die Inflation niedrig und die Arbeitslosigkeit hoch ist“, sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am Dienstag auf dem Wirtschaftstag der CDU in Berlin.

Gleichzeitig betonte Draghi den Nutzen und die Wichtigkeit des eigenen Kaufprogramms für Anleihen kriselnder Euro-Staaten (OMT). Die Vorteile des vor knapp einem Jahr beschlossenen Programms seien anerkannt. „Unsere Initiative ist für alle von Vorteil: für Banken, Unternehmen und Haushalte – und es haben sowohl die Länder der Peripherie als auch die Kernländer profitiert“, sagte er. Im Hinblick auf die mögliche Straffung der amerikanischen Geldpolitik sei das OMT-Programm derzeit sogar noch wichtiger geworden.

Trotzdem zeigte sich Draghi optimistisch für die weitere Entwicklung: „Wir erwarten, dass der geldpolitische Stimulus und die Besserung an den Finanzmärkten eine Erholung später im Jahr stützen werden“.

Bei einer anderen Rede vor dem französischen Parlament bekräftigte Draghi am Mittwoch erneut die Wichtigkeit der geldpolitischen Maßnahmen und forderte gleichzeitig größere Anstrengungen der Staaten zur Haushaltskonsolidierung und Wettbewerbsfähigkeit. Der Versuch höheres Wirtschaftswachstum durch mehr Schulden zu erreichen, sei bereits in der Vergangenheit gescheitert. So habe Frankreich beispielsweise 1980 einen Schuldenstand von nur rund 20 Prozent des BIP gehabt, während  dieses heute bei rund 90 Prozent liege. Das Wirtschaftswachstum habe sich in dieser Zeit aber immer weiter verringert. Wichtig sei allerdings die notwendige Konsolidierung so wachstumsfördernd wie möglich zu gestalten. Daher sollten Steuerhöhungen vermieden werden um das verfügbare Einkommen der Haushalte nicht zu belasten.

Auch EZB-Direktor Coeure betont die Notwendigkeit der lockeren Geldpolitik

Ähnlich wie Draghi hatte sich am Dienstag auch der französische EZB-Direktor Benoit Coeure geäußert. „Es sollte keine Zweifel geben, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik noch in weiter Ferne ist“, sagte er bei einer Rede in London. Das gelte auch für die beschlossenen außergewöhnlichen Maßnahmen der Notenbank. Im Gegenteil könne man sogar noch weitere Maßnahmen ergreifen, falls diese nötig werden sollten.

Kommende Woche wohl noch kein weiterer Zinsschritt

Trotz des Bekenntnisses zur lockeren Geldpolitik durch die EZB-Vertreter, prognostizieren die meisten Ökonomen für die in der kommenden Woche stattfindende geldpolitische Sitzung noch keine weitere Verringerung des auf dem Rekord-Tief von 0,5 Prozent liegenden Leitzinses. Dagegen spricht insbesondere, dass sich die Rhetorik von Draghi nicht verändert hat und er für den weiteren Jahresverlauf – trotz aller wirtschaftlichen Risiken – optimistisch bleibt. Auch einige Konjunkturindikatoren hatten zuletzt eine Stabilisierung der konjunkturellen Talfahrt angedeutet.

Spannender dürfte am Donnerstag daher sein, ob die EZB möglicherweise den Einlagenzinssatz, zu welchem Banken Geld bei der Notenbank parken können, in den negativen Bereich senkt. So könnten diese mit einer Art Strafzins belegt werden, wenn sie ihr Geld behalten, anstatt es in Form von Darlehen in den Wirtschaftskreislauf zu leiten. EZB-Direktor Coeure sagte dazu: „Wir haben uns technisch darauf vorbereitet, auch mit den Marktteilnehmern diskutiert, jetzt sind wir bereit“.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Die seit der Sitzung der amerikanischen vor einer Woche zu sehende Abwertung von EUR/USD hat sich auch in dieser Woche fortgesetzt. Am heutigen Mittwoch ist der Kurs im Tief bis 1,2982 gefallen und liegt auch aktuell (Mittwoch ca. 23:30 Uhr) mit rund 1,301 nicht viel höher. Damit wurden auch die leicht über 1,307 liegenden 100- und 200-Tageslinien durchbrochen, wodurch sich die charttechnische Situation nochmals eingetrübt hat. Auch wenn kurzfristig jederzeit eine leichte Korrektur nach oben möglich ist, sollte es insgesamt in den kommenden Tagen weiter nach unten gehen. Die nächste wichtige Unterstützung findet sich im Bereich von 1,295 und der etwas tiefer verlaufenden ehemaligen Abwärtstrendlinie ausgehend vom Jahreshoch bei 1,371. Darunter liegen die nächsten Ziele dann bei 1,28 und dem Jahrestief bei 1,2744. Aufhellen würde sich die Situation dagegen bei einem Anstieg über das Tageshoch vom Dienstag bei 1,3151. Allerdings findet sich auch in diesem Fall bereits bei 1,3254/1,33 neuer Widerstand und erst darüber könnte von einer Fortsetzung der vorhergehenden Aufwärtsbewegung mit Zielen bei 1,34; 1,35 und 1,37 ausgegangen werden. Diese bullishe Variante erscheint aus jetziger Sicht aber eher unwahrscheinlich. Gegen den Euro spricht nicht nur die charttechnische, sondern auch die fundamentale Lage. Während in der Eurozone zur Zeit eine geldpolitische Straffung kaum denkbar erscheint, gibt es in den USA bereits konkrete Pläne für einen schrittweisen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Bei diesem Hintergrund wäre es keine Überraschung, wenn EUR/USD in der kommenden Zeit noch wesentlich deutlicher abwertet und auf neue Jahrestief bei 1,2659; 1,25 und möglicherweise auch bis zum 2012-Tief bei 1,204 fällt.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch, ca. 23:30 Uhr):
EURUSD

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Chartanalysen, EUR/USD, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.