EUR/USD: EZB bekräftigt die Niedrigzins-Politik

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent belassen. Experten hatten die Entscheidung so erwartet. EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigte zudem seine Einschätzung, dass der Leitzins noch „über einen längeren Zeitraum“ auf dem gegenwärtigen Niveau oder sogar noch darunter bleiben würde. Einzige Bedingung sei, dass die Inflation weiterhin niedrig ist. Im geldpolitischen Rat habe man sogar über eine weitere Senkung des Leitzinses diskutiert. Die Mehrheit hielt einen solchen Schritt derzeit aber für nicht angebracht.

Die Wachstumsprognose für das laufende Jahr wurde leicht von minus 0,6 auf minus 0,4 Prozent angehoben. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt dann um 1,0 Prozent (gegenüber 1,1 Prozent bei der letzten Schätzung) steigen. Die Inflationsrate wird für dieses Jahr auf 1,5 Prozent geschätzt und soll sich im kommenden Jahr auf 1,3 Prozent verringern.

Das Bruttoinlandsprodukt war in der Eurozone im zweiten Quartal des Jahres um 0,3 Prozent gewachsen und hatte somit die seit sechs Quartalen andauernde Rezession hinter sich gelassen. Die EZB geht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Erholung in einem langsamen Tempo fortsetzt. Unterstützt durch die lockere Geldpolitik dürfte sich die Binnennachfrage allmählich verbessern, während der Export von einer steigenden Auslandsnachfrage profitiere.

Draghi forderte die Euro-Länder auf ihre Reformen fortzusetzen. Es sei wichtig, dass die Defizite-Quote weiter verringert und Schulden abgebaut würden. Dabei sollten Haushaltskonsolidierungen allerdings auf Wachstum ausgerichtet sein.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befand sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer Aufwärtsbewegung, welche das Paar bis zu einem Hoch bei 1,3452 am 20. August geführt hatte. Nach einer anschließenden Seitwärtsbewegung geht es für den Euro aber seit Ende August wieder nach unten. Das hat sich im Anschluss an die EZB-Pressekonferenz verstärkt fortgesetzt. Dabei ist das Paar inzwischen mit einem Tief bei 1,3108 (Stand Donnerstag, ca. 17:00 Uhr) auch unter die leicht darüber liegenden 100- (derzeit bei 1,3137) und 200-Tageslinien (derzeit bei 1,3145) gefallen. Sollte dies auf Tagesschlusskurs so bleiben, würde sich das Chartbild auch übergeordnet eintrüben. Insgesamt müsste dann in der nächsten Zeit von einer weiteren Abwertung ausgegangen werden. Die nächsten Unterstützungen finden sich bei 1,3063 und 1,30. Mittelfristig könnte der Kurs wieder in Richtung des Jahrestiefs aus April bei 1,2744 fallen. Aufhellen würde sich die charttechnische Lage dagegen bei einem Anstieg über den Bereich 1,323/1,3255. In diesem Fall könnte anschließend doch wieder ein Anstieg bis zum genannten Hoch bei 1,3452 erfolgen. Darüber wären dann Ziele bei 1,352; 1,36 und dem Jahreshoch bei 1,371 möglich.

Beachtet werden sollten die am morgigen Freitag um 14:30 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktdaten aus August. Diese könnten einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidung der amerikanischen Notenbank haben, wenn diese in der übernächsten Woche über eine mögliche Verringerung der Anleihenkäufe diskutiert. Aufgrund dieser Bedeutung ist morgen Nachmittag von größerer Bewegung in den Märkten auszugehen. Bei EUR/USD könnte dadurch eine nachhaltige Bewegung eingeleitet werden, welche sich möglicherweise auch in der kommenden Woche fortsetzt.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, ca. 17:00 Uhr):
EURUSD

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