EUR/USD: Eurozonen-Wirtschaft stabilisiert sich im Juli

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Die Privatwirtschaft der Eurozone hat sich im Juli weiter stabilisiert. Das geht aus dem vom Londoner Markit-Institut am Montag veröffentlichten finalen Einkaufsmanagerindex hervor. Der Composite-Index stieg um 1,7 Punkte auf jetzt 50,5 Punkte und hat somit erstmals seit Januar 2012 wieder knapp die 50-Punkte-Marke überschritten, ab welcher Wachstum signalisiert wird. Außerdem lag das Ergebnis leicht höher, als bei der Vorab-Schätzung.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und 2000 Dienstleistungs-Unternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Der Composite Index ist ein gewichteter Mittelwert zwischen dem Index für die Industrie und dem für den Dienstleistungssektor.

Die konjunkturelle Stabilisierung hat die Eurozone insbesondere der Industrie zu verdanken, deren Produktionsniveau so stark wie seit Juni 2011 nicht mehr gestiegen ist. Zuvor wurde die Produktion 16 Monate lang kontinuierlich zurückgefahren. Im Dienstleistungssektor nahm die Geschäftstätigkeit zwar auch im Juli noch ab. Dies aber nur noch sehr leicht und mit der geringsten Rate seit eineinhalb Jahren.

Das größte Wachstum ist in Deutschland zu sehen. Der Industriebereich steht hier auf einem 17- und der Dienstleistungsbereich auf einem 5-Monatshoch. Die anderen drei Kernländer Frankreich, Italien und Spanien liegen dagegen immer noch unter dem Wachstumsbereich. In allen drei Ländern hat sich die Situation aber weiter stabilisiert. Italien erreichte mit 49,7 Punkten ein 26-Monatshoch und verfehlte den Wachstumsbereich nur knapp. Frankreich weist mit 49,1 Punkten das beste Ergebnis seit 17 Monaten aus und auch Spanien konnte mit 48,6 Punkten auf ein 25-Monatshoch steigen.

Die Auftragseingänge sind allerdings noch rückläufig und auch der Stellenabbau hat sich mit Ausnahme von Deutschland in den vier Kernländern fortgesetzt. Trotzdem hat sich auch in diesen Bereichen die Situation stabilisiert. Die Neuaufträge nahmen mit der geringsten Rate seit zwei Jahren ab und dabei weniger, als man über die Vorabschätzung erwarten konnte. Außerdem waren in den letzten 16 Monaten davor immer mehr Arbeitsplätze verloren gegangen, als jetzt im Juli.

Rob Dobson, Ökonom bei Markit, sagte: „Zu Beginn des dritten Quartals signalisiert der finale Wert des Markit Eurozonen Composite Index von 50,5 Punkten einen willkommenen Schritt der Eurozonen-Privatwirtschaft in die Wachstumszone. Damit steigt auch die Hoffnung, dass die Region die bisher längste Rezession allmählich hinter sich lässt.“  Zwar habe in der Vergangenheit schon „so mancher Silberstreifen am Horizont sich später als Irrlicht erwiesen“. Die Verbesserung der Geschäftsaussichten und anderer zukunftsgerichteter Indikatoren gebe aber durchaus Grund zum Aufatmen. Derzeit würde die Industrie die Eurozone aus der Rezession führen. Einige Euroländer würden von der gestiegenen Exportnachfrage profitieren. Der eigentliche „Hoffnungsfunke“ wäre aber in der gleichzeitigen Stabilisierung der Binnenmärkte zu sehen. Dies habe nicht nur den Herstellern entscheidend geholfen, sondern auch zu einer Entspannung im Dienstleistungssektor geführt.

„Das Hauptproblem der Eurozone bleibt die weiterhin prekäre Lage auf dem Arbeitsmarkt, da die steigende Arbeitslosigkeit dem Wirtschaftswachstum schadet und für politische und soziale Spannungen sorgt“, betont Dobson. Doch auch hier gebe es Anzeichen einer Besserung, da die Entlassungsrate auf ein 16-Monatstief gefallen ist.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befindet sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer deutlichen Aufwärtsbewegung, welche aber zuletzt unterhalb von 1,33 in eine Seitwärtsbewegung übergegangen ist. In der vergangenen Woche führte zwar das Sitzungsergebnis der amerikanischen Notenbank zu einem kurzfristigen Anstieg bis 1,3344. Anschließend fiel der Euro aber sofort wieder deutlich zurück. Die langfristige Abwärtstrendlinie, ausgehend vom Jahreshoch vom 1. Februar bei 1,371, liegt derzeit ungefähr bei 1,331. Ein nachhaltiger Anstieg darüber würde den Weg freimachen für weiter steigende Notierungen bis zum Juni-Hoch bei 1,3416 und anschließend zum Jahreshoch bei 1,371. Eintrüben würde sich die Situation dagegen unterhalb von 1,316. Dann bietet zwar die 200-Tageslinie bei 1,3092; das Tagestief vom 18. Juli bei 1,3063; die 100-Tageslinie bei 1,3057 und das Tagestief vom 15. Juli bei 1,299 nochmal Unterstützung. Darunter müsste dann aber spätestens mit einem Rückfall zum Juli-Tief bei 1,2753 bzw. dem Jahrestief aus April bei 1,2744 gerechnet werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Montag ca. 22:45 Uhr):
EURUSD

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