EUR/USD: Eurozonen-Erholung beschleunigt sich

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Die seit Juni 2013 andauernde wirtschaftliche Erholung der Eurozone hat sich im vierten Quartal des vergangenen Jahres beschleunigt. Das geht aus dem am Montag vom Londoner Markit-Institut veröffentlichten Composite-Einkaufsmanagerindex für Dezember hervor, welcher um 0,4 auf jetzt 52,1 Punkte gestiegen ist. Wenngleich auch das Wachstum damit weiterhin niedrig ausfällt, stellt dies ein 3-Monatshoch und den zweithöchsten Stand der letzten zweieinhalb Jahre dar. Damit sei auch das vierte Quartal insgesamt besser ausgefallen, als noch das dritte Quartal, teilte Markit mit.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und 2000 Dienstleistungs-Unternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Der Composite Index ist ein gewichteter Mittelwert zwischen dem Index für die Industrie und dem für den Dienstleistungssektor.

Das größte Wachstum wurde im Dezember erneut in der Industrie verzeichnet. Diese konnte dank der stark anziehenden Exportgeschäfte und des damit verbundenen erhöhten Gesamtauftragseingangs den größten Produktionszuwachs seit Mai 2011 erzielen. Im Dienstleistungsbereich sank der Einkaufsmanagerindex dagegen auf ein 4-Monatstief. Der Grund dafür sei laut Markit die anhaltend schwache Binnennachfrage, welche in einigen Ländern auf die hohe Arbeitslosigkeit zurückzuführen sei. Trotz des Rückgangs blieb aber auch die Dienstleistungsbranche mit 51,0 Punkten im Wachstumsbereich.

Die Entwicklung in den einzelnen Ländern der Eurozone fällt allerdings sehr unterschiedlich aus. Am Besten schneiden Irland mit 58,6 und Deutschland mit 55,0 Punkten ab. Auch Spanien scheint sich sukzessive aus der Krise zu arbeiten und erreichte mit 53,9 Punkten ein 77-Monatshoch. Italien konnte mit einem 2-Monatshoch von 50,0 Punkten gerade noch die Wachstumsschwelle erreichen. Sorge bereitet den Ökonomen dagegen vor allem Frankreich, wo der Index auf ein 7-Monatstief von 47,3 Punkten gefallen ist. Das Land sei damit gegen Ende 2013 möglicherweise wieder in eine Rezession abgerutscht, teilte Markit mit. Der Aufwärtstrend im restlichen Euroraum und die sich für 2014 insgesamt abzuzeichnende Verbesserung der Konjunktur könne zwar dazu beitragen, dass auch Frankreich wieder auf Wachstumskurs kommt. Die Daten würden aber darauf hinweisen, „dass Strukturreformen nötig sind, um eine nachhaltige und kräftige Erholung für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region herbeizuführen“.

In Deutschland und Irland wurden zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen. Der deutsche Beschäftigungsaufbau erreichte dabei sogar fast ein 2-Jahreshoch. Dies führte dazu, dass auch das Beschäftigungsniveau der Eurozone insgesamt im Dezember weitgehend konstant geblieben ist und eine fast zwei Jahre andauernde Entlassungsphase beendet wurde. Trotzdem hat sich in Frankreich, Italien und Spanien der Stellenabbau fortgesetzt, milderte sich aber zumindest ab. Angesichts der zunehmenden Auftragseingänge erwarten die Markit-Experten, dass die Beschäftigungszahlen im Jahr 2014 voraussichtlich wieder steigen werden.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, sagte, dass die Umfragen darauf hindeuten würden, dass die Erholung der Eurozone sich zu Ende des letzten Jahres weiter gefestigt habe. Im Dezember habe sich der zweithöchste Anstieg der Geschäftstätigkeit seit Juni 2011 abgezeichnet, was zugleich das erfolgreichste Quartal seit zweieinhalb Jahren abrunden würde. Zwar könne durch die Ergebnisse nur auf ein minimales BIP-Wachstum von 0,2 Prozent im vierten Quartal geschlossen werden. Es sei jedoch im Verlauf des Jahres 2013 „eine deutliche Trendwende in der Konjunkturentwicklung“ zu erkennen, wodurch sich im ersten Quartal 2014 das Wachstum beschleunigen dürfte.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD lag Anfang Juli nur wenig über dem Jahrestief aus April 2013 bei 1,2744. Von dort konnte sich die Gemeinschaftswährung sukzessive erholen und bereits Ende Oktober mit 1,3832 auf ein Jahreshoch steigen. Danach gab es zwar nochmals eine deutliche Korrektur  bis knapp unter 1,33 Anfang November. Doch auch davon erholte sich der Euro wieder in Richtung 1,38. Während dem dünnen Handel zwischen den Jahren gelang am 27. Dezember sogar kurzfristig ein steiler Anstieg bis 1,3892, wodurch die sehr langfristige Abwärtstrendlinie ausgehend von 1,6039 (Juli-Hoch 2008) fast exakt erreicht wurde. Dieser Kursanstieg wurde allerdings bereits am gleichen Tag wieder abverkauft. Zum Ende der vergangenen Woche korrigiert EUR/USD stärker nach unten. Dabei wurde auch das Zwischentief vom 20. Dezember bei 1,3622 unterschritten, wodurch sich die Chartsituation kurzfristig eingetrübt hat. Obwohl sich das Paar am heutigen Montag etwas stabilisiert hat (Stand ca. 16:15 Uhr), bleibt das Risiko einer weiteren Euro-Abwertung hoch. Wichtige Unterstützung findet sich im Bereich von ungefähr 1,352. Darunter müsste mit weiteren Abgaben bis 1,34 und 1,3294 gerechnet werden. Aufhellen würde sich die Situation dagegen über dem Tageshoch vom Freitag bei 1,3672 und insbesondere über 1,3716. In diesem Fall wäre ein anschließender erneuter Anstieg über 1,38 wieder wahrscheinlich. Gelingt es der Gemeinschaftswährung auch das Oktober-Hochs bei 1,3832 nochmals zu überschreiten, dürfte anschließend die genannte langfristige Abwärtstrendlinie knapp unter 1,39 wieder getestet werden. Darüber würden sich Ziele bei 1,40 und 1,4247 finden.

Tageschart EUR/USD (Stand Montag, 6.1.2014, ca. 16:15 Uhr):
EURUSD

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