EUR/USD: Eurozonen-Einkaufsmanagerindex zeigt erstes leichtes Wachstum seit Januar 2012

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Die Hinweise auf ein baldiges Ende der Rezession im Euroraum verdichten sich. Darauf deutet nun auch die am Mittwoch vom Londoner Markit-Institut veröffentlichte Schnellschätzung des Einkaufsmanagerindex für Juli hin. Für die Erhebung wird erstmals seit Januar 2012 mit 50,4 Punkten wieder ein Composite-Index über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten erwartet. Der Composite-Index ist ein gewichteter Durchschnittswert aus dem Index Industrieproduktion und der Geschäftstätigkeit im Dienstleistungsbereich. Die Industrieproduktion wurde dabei so stark ausgeweitet wie zuletzt im Juni 2011 und der entsprechende Index stieg auf den höchsten Wert seit Februar 2012. Auch der Einkaufsmanagerindex Industrie stieg um 1,3 Punkte auf ein Zwei-Jahreshoch bei 50,1 Punkten und liegt somit ebenfalls wieder über der Wachstumsschwelle. Der Dienstleistungsbereich verfehlte mit 49,6 Punkten zwar knapp die neutrale Marke, hat sich aber gegenüber dem Vormonat (48,3 Punkte) weiter stabilisiert und liegt mit dem vierten Anstieg in Folge jetzt auf einem 18-Monatshoch.

Der Auftragseingang wies mit dem niedrigsten Minus seit August 2011 noch einen minimalen Rückgang aus. Die Auftragsverluste verringerten sich das vierte Mal in Folge und nahmen mit der geringsten Rate seit knapp zwei Jahren ab. Die Industrie konnte dagegen erstmals seit Mai 2011 wieder mehr Neuaufträge als im Vormonat einsammeln, was das Markit-Institut unter anderem auf eine leicht anziehende Exportnachfrage zurückführt. Arbeitsplätze gingen in der Eurozone zwar auch im Juli verloren. Dies aber so schwach, wie seit März 2012 nicht mehr. In der Industrie erreichte der Teilindex ein 18-Monatshoch, im Dienstleistungsbereich ein 13-Monatshoch.

Insbesondere Deutschland weist das stärkste Wirtschaftswachstum seit fünf Monaten aus. Sowohl der Industriebereich mit 50,3 Punkten, als auch der Dienstleistungsbereich mit 52,5 Punkten liegt über der Wachstumsschwelle. Entgegen dem Trend in der Eurozone insgesamt, wurden in Deutschland auch weiterhin neue Stellen geschaffen und diese per Saldo so viele wie zuletzt im März.

Das andere Schwergewichtland Frankreich weist mit 49,8 Punkten in der Industrie und 48,3 Punkten im Dienstleistungsbereich zwar weiterhin eine zurückgehende Geschäftstätigkeit aus. Diese waren aber so gering, wie noch nie seit Beginn der Rezession im März 2012. Auch der Stellenabbau verringerte sich auf die niedrigste Rate seit April 2012.

In der restlichen Eurozone fielen die Wachstumseinbußen so schwach aus wie zuletzt im Juni 2011. Zwar wurde insbesondere in den Peripherie-Ländern immer noch eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen abgebaut. Diese lag aber dennoch auf dem niedrigsten Stand seit September 2011.

„Der beste Einkaufsmanagerindex-Wert seit eineinhalb Jahren liefert ermutigende Hinweise darauf, dass sich die Eurozone nach langer Durststrecke im dritten Quartal 2013 endlich wieder aus der Rezession befreien könnte“, sagte Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit. Die Belebung gehe dabei eindeutig „von einem umfassenden Aufschwung im Industriesektor aus“. Die Industrieproduktion habe so stark zugenommen, wie seit zwei Jahren nicht mehr. Und dies nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und den übrigen Ländern. Und auch der Dienstleistungsbereich würde vielversprechende Hinweise darauf liefern, dass sich die Lage stabilisiert und die dringend benötigte Binnennachfrage in Schwung kommt.

„Unsere Umfragedaten dürften die politischen Entscheidungsträger in ein sommerliches Stimmungshoch versetzen“, ergänzte Williamson. Endlich würde auch „für die leidgeprüften Peripherieländer, die unter zunehmenden politischen und sozialen Spannungen leiden, Licht am Ende des Tunnels auftauchen“. Insbesondere bei der EZB dürfte daher die Zuversicht steigen, das die Eurozone bis zum Jahresende wieder auf Wachstumskurs sein wird.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da dann bereits rund 85 Prozent der Fragebögen ausgewertet sind und es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die endgültigen Ergebnisse werden für die Industrie am 1. August und für den Dienstleistungsbereich am 5. August bekannt gegeben. Dann stehen insbesondere die Krisenländer Spanien und Italien im Fokus, da es für diese Länder keine Vorabschätzung gegeben hat.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Notierungen unter 1,28 befindet sich EUR/USD seit dem 10. Juli in einer deutlichen Aufwärtsbewegung. Am heutigen Mittwoch wurde ein neues Hoch bei 1,3256 (Stand ca. 15:15 Uhr) erreicht. Oberhalb dem Bereich 1,3256/1,326 liegt das nächste Ziel bei 1,33. Darüber finden sich weitere Widerstände bei 1,3415 und rund 1,35. Man sollte allerdings beachten, dass der Schwung bei dem Paar in letzter Zeit deutlich nachgelassen hat und sich die Kurse über weite Strecken sehr unentschlossen verhalten. Das sorgt nicht nur für Schwierigkeiten bei kurzfristigen Einstiegen, sondern könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass die gegenwärtige Aufwärtsbewegung nicht von Dauer sein wird. Bei dem Paar dreht sich derzeit alles mehr oder weniger um die Geldpolitik (und hier besonders um die amerikanische Geldpolitik). Sobald es dazu Neuigkeiten gibt, dürften wieder größere Bewegungen entstehen, welche dann unter Umständen aber auch in die andere Richtung führen könnten. Im Moment bleibt aber eine langsame weitere Euro-Aufwertung wahrscheinlich. Eine ganze Reihe wichtiger Unterstützungen finden sich unterhalb von 1,31. Zum einen ist hier das Tagestief vom 18. Juli bei 1,3063 zu nennen. Zum anderen liegen bei 1,3081 die 200-Tageslinie und bei 1,3037 die 100-Tageslinie. Darunter liefert das Tagestief vom 15. Juli bei 1,299 eine weitere wichtige Unterstützung. Erst darunter würde sich die Lage wieder nachhaltig eintrüben und es müsste mit einem Rückfall zum Juli-Tief bei 1,2753 bzw. dem Jahrestief aus April bei 1,2744 gerechnet werden.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch, ca. 15:15 Uhr):
EURUSD

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