EUR/USD: Eurozonen-Einkaufsmanagerindex steigt wieder

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Nach einer Abschwächung in den vergangenen beiden Monaten, kann der vom Londoner Markit-Institut ermittelte Composite-Einkaufsmanagerindex im Dezember um 0,4 auf 52,1 Punkte zulegen und nähert sich damit wieder seinem 27-Monatshoch aus September an. Das teilte Markit am heutigen Montag in einer ersten Schätzung mit. Der Composite-Index ist ein gewichteter Durchschnittswert aus dem Index der Industrieproduktion und dem Index für den Dienstleistungsbereich. Die Nachfrage hat sogar so kräftig angezogen, dass die Unternehmen das höchste Auftragsplus seit Juni 2011 verzeichnen können.

Verantwortlich für den Anstieg war vor allem der Industriebereich. Hier gab es die sechsten Produktionssteigerung und Auftragszuwächse in Folge, welche dabei so hoch waren wie zuletzt im April 2011. Zudem wurde der stärkste Anstieg der Exportbestellungen seit Anfang 2011 verzeichnet. Der Index stieg dadurch auf ein 31-Monatshoch von 52,7 Punkten.

Weniger positiv hat sich allerdings der Dienstleistungsbereich entwickelt. Zwar bleibt auch hier der Index mit 51,0 Punkten über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Er ist aber bereits das dritte Mal in Folge rückläufig, was für eine sich abschwächende Dynamik spricht. Auch der Auftragseingang ist aufgrund der Nachfrageflaute innerhalb der Eurozone nur mäßig ausgefallen und hat sich gegenüber November nochmals abgeschwächt.

Sorge bereitet den Ökonomen Frankreich. Dort liegt der Einkaufsmanagerindex mit 47,1 Punkten im Industriebereich und 47,4 Punkten im Dienstleistungsbereich deutlich unter der Wachstumsschwelle und war dabei das zweite Mal in Folge rückläufig. Der Rückgang ist auf Monatssicht sogar so stark ausgefallen wie seit Mai nicht mehr.

Sehr positiv sieht es dagegen in Deutschland aus. Im Dezember wurde mit 54,2 Punkten bei der Industrie und 54,0 Punkten im Dienstleistungsbereich die höchste Wachstumsrate seit der ersten Jahreshälfte 2011 erreicht. Auch in den übrigen Ländern der Eurozone verbesserte sich die Wirtschaftskraft zum fünften Mal hintereinander und dabei so deutlich wie seit April 2011 nicht mehr. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt entspannt sich. So ist der Abbau von Arbeitsplätzen insgesamt so schwach ausgefallen, wie noch nie seit Beginn der Entlassungswelle vor genau zwei Jahren. Im Dienstleistungsbereich kam es nur vereinzelt zu Entlassungen und in der Industrie blieb die Beschäftigungslage sogar weitgehend konstant. Einen Anstieg der vorhandenen Arbeitsplätze verzeichnet allerdings weiterhin nur Deutschland. Hier gab es den dritten Jobaufbau innerhalb der letzten vier Monate und dabei wurden per Saldo so viele neue Stellen geschaffen wie zuletzt im Januar 2012.

„Der neuerliche Anstieg des Einkaufsmanagerindex nach zweimonatigem Rückgang ist eine große Erleichterung und zeigt, dass sich der Aufschwung wieder belebt“, sagte Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit. Dies bedeute, dass die Wirtschaft in der Eurozone zwei Quartale in Folge gewachsen sei. Allerdings würde das unterm Strich im vierten Quartal zu erwartende magere Plus von 0,2 Prozent zeigen, „dass der Aufschwung weiter schwach ist und auf wackeligen Beinen steht“. Außerdem konzentriere sich der Aufschwung auf die Industrie, welche vor allem durch steigende Exporte profitiere. Der Dienstleistungsbereich habe dagegen wegen der schwachen Binnennachfrage an Fahrt verloren. Besorgniserregend sei, dass sich die Unterschiede auf Länderebene weiter vergrößert hätten. Vor allem Frankreich schlüpfe immer mehr in die Rolle des neuen „kranken Mannes in Europa“. Aufgrund der Ergebnisse erwartet Williamson für Frankreich im vierten Quartal den zweiten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes in Folge, wodurch sich das Land nach technischer Definition in der Rezession befindet.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da dann bereits rund 85 Prozent der Fragebögen ausgewertet sind und es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die endgültigen Ergebnisse werden am 2. Januar für die Industrie und am 6. Januar für den Dienstleistungsbereich bekannt gegeben. Dann stehen insbesondere die Krisenländer Spanien und Italien im Fokus, da es für diese Länder keine Vorabschätzung gegeben hat.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Der Euro wertete gegenüber dem US-Dollar ausgehend vom Jahreshoch bei 1,3832 von Ende Oktober deutlich bis zu einem Tief bei 1,3294 am 7. November ab. Damit wurde auch die Trendlinie des vorhergehenden Aufwärtstrends ausgehend vom 10. Juli bei 1,2761gebrochen. Danach konnte sich die Gemeinschaftswährung aber sukzessive erholen und Anfang Dezember in den Aufwärtstrend zurückkehren. In der Folge stieg die Gemeinschaftswährung bis zu einem Hoch bei 1,3811 am vergangenen Mittwoch. Damit wurde das Jahreshoch also fast wieder erreicht. Seitdem bewegt sich das Paar unter diesem Wert in sehr engen Handelsspannen seitwärts. Übergeordnet bleibt die Aufwärtsdynamik grundsätzlich intakt. Wichtig ist aber, dass nun in den nächsten Tagen auch ein Anstieg über das Jahreshoch bei 1,3832 gelingt. Dann könnte anschließend auch die derzeit ungefähr bei 1,391 liegende langfristige Abwärtstrendlinie ausgehend von 1,6039 (Juli-Hoch 2008) getestet werden. Zu beachten ist, dass sich die charttechnische Situation für den Euro bereits unter dem Tagestief vom 9. Dezember bei 1,3692 wieder eintrüben würde. Auf etwa gleicher Höhe liegt auch die Aufwärtstrendlinie ausgehend von Juli 2013. Darunter kommt dann das bisherige Monatstief bei 1,352 in Reichweite. Hält auch diese Unterstützung nicht, müsste von einer deutlichen Abwertung bis 1,34; 1,3294 und möglicherweise bis zur derzeit ungefähr bei 1,308 liegenden langfristigen Aufwärtstrendlinie ausgehend vom 2012-Tief ausgegangen werden.

Eine wichtige und möglicherweise entscheidende Bedeutung für die weitere Entwicklung des Paares dürfte die Sitzung der amerikanischen Notenbank an diesem Mittwoch haben. Für den Fall, dass dort keine Reduzierung der monatlichen Anleihenkäufe erfolgt, könnte dies dem Euro zu einem erneuten deutlichen Anstieg verhelfen.

Tageschart EUR/USD (Stand Montag, 16.12.2013, ca. 19:00 Uhr):
EURUSD

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