EUR/USD: Eurozonen-Einkaufsmanagerindex steigt leicht

Teilen!

Das Wachstum der Eurozone hat sich im Oktober erstmals seit drei Monaten geringfügig beschleunigt. Das geht aus der vom Londoner Markit-Institut am heutigen Donnerstag veröffentlichten Schätzung für den Einkaufsmanagerindex hervor. Der Composite-Einkaufsmanagerindex, welcher die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit im Servicesektor zusammenfasst, stieg gegenüber September um 0,2 auf jetzt 52,2 Punkte. Ökonomen hatten im Vorfeld einen leichten Rückgang prognostiziert. Allerdings liegt der Index damit trotzdem auf dem zweitniedrigsten Wert seit Jahresbeginn und unterschreitet auch den Durchschnittswert für das dritte Quartal 2014.

Die Industrieproduktion stieg um 0,9 Punkte auf ein 3-Monatshoch von 51,9 Punkten, während der Dienstleistungsbereich gegenüber September unverändert auf dem 6-Monatstief von 52,4 Punkten bleibt. Dennoch liegen beide Bereiche laut Markit auf „historische niedrigen Werten und unterschreiten auch ihre jeweiligen Durchschnittswerte seit Jahresbeginn“. Der Auftragseingang konnte dabei mit dem niedrigsten Plus seit August 2013 kaum noch zulegen. Im Industriebereich musste sogar das zweite moderate Minus verbucht werden. Auch die Auftragsbestände schrumpften so zügig wie zuletzt im Juni 2013, was sich besonders im Dienstleistungsbereich bemerkbar machte. Dies führte erstmals seit November 2013 zu einem geringfügigen Stellenabbau. Um die Umsätze anzukurbeln, wurden die Verkaufspreise erneut herabgesetzt, was diesmal so stark wie seit Februar 2010 nicht mehr ausgefallen ist. Gleichzeitig legten allerdings die Einkaufspreise weiter zu, womit die Gewinnmargen der Unternehmen entsprechend geringer wurden. Die Geschäftsaussichten für die kommenden zwölf Monate entwickelten sich unterschiedlich. Im Dienstleistungsbereich fielen die Erwartungen auf den tiefsten Wert seit Juni 2013, während man in der Industrie die Entwicklung leicht optimistischer sieht.

Besonders Frankreich bereitet weiterhin Grund zur Sorge. Dort schrumpfte die Wirtschaft den sechsten Monat in Folge und dabei so stark wie zuletzt im Februar. In beiden Bereichen hat sich die Talfahrt beschleunigt. Der Stellenabbau fiel so kräftig aus, wie seit April 2013 nicht mehr und die Verkaufspreise wurden so stark reduziert wie zuletzt im Oktober 2009. In Deutschland konnte das Wirtschaftswachstum dagegen leicht ansteigen. Außerhalb dieser beiden Länder kam es überwiegend zu einer leichten Wachstumsbelebung. Doch auch dort fielen die Auftragszuwächse so niedrig aus wie zuletzt vor elf Monaten und der Stellenaufbau kam fast zum Erliegen.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, sagte, dass die Eurozone vor einem erneuten Abschwung stehen könnte. Der Einkaufsmanagerindex habe im Oktober zwar unmerklich zugelegt, doch „beim Blick auf die Unterindizes deuten sich die Probleme der Region an“. So nähere sich der Auftragseingang der Stagnation weiter an, die Auftragsbestände würden mit beschleunigter Rate schrumpfen und hätten den ersten Beschäftigungsrückgang seit knapp einem Jahr verursacht. Zwar habe die Eurozone wohl ein Abrutschen in die Rezession vermeiden können, der Abschwung sei damit jedoch keineswegs vom Tisch. Das Wachstum sei „so kraftlos“, dass sich immer mehr Unternehmen zu Entlassungen und Preisreduzierungen gezwungen sehen. Zwar prognostiziert Williamson, dass das BIP im dritten Quartal um 0,25 Prozent gestiegen ist. „Sollte es jedoch nicht bald zu einer Nachfragebelebung kommen, dürfte sich nicht nur das Wachstum im vierten Quartal wieder abschwächen, sondern auch der Deflationsdruck weiter steigen.“

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da dann bereits rund 85 Prozent der Fragebögen ausgewertet sind und es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die endgültigen Ergebnisse werden am 3. November für die Industrie und am 5. November für den Dienstleistungsbereich bekannt gegeben. Dann stehen insbesondere die anderen Eurozonen-Länder im Fokus, für welche es keine Vorabschätzung gegeben hat.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Am 8. Mai erreichte EUR/USD ein Hoch bei 1,3993. Von dort hat der Euro im weiteren Jahresverlauf erheblich abgewertet. Anfang Oktober wurde ein Tief bei 1,2498 erreicht, was der tiefste Stand seit August 2012 war. Anschließend konnte sich die Gemeinschaftswährung zwar etwas stabilisieren und im Hoch Mitte Oktober bis 1,2887 steigen. Doch inzwischen ist der Kurs auch aus dieser kurzfristigen Aufwärtsbewegung wieder herausgefallen und am heutigen Donnerstag in der Spitze bis 1,2612 gesunken (Stand der Auswertung: Donnerstag, 23. 10. 2014, ca. 12:00 Uhr). Insgesamt bleibt die Chartsituation damit bearish für den Euro. Spätestens unterhalb von 1,258/1,257 muss von einer erneuten Abwertung zum genannten Jahrestief bei 1,2498 ausgegangen werden. Darunter liegen die nächsten Ziele bei 1,24 und dem Jahrestief aus dem Jahr 2012 bei 1,204. Aufhellen würde sich die Lage dagegen bei einem Anstieg über den Bereich bei 1,2845 und 1,2887. Allerdings folgt auch in diesem Fall schon bei 1,30 der nächste wichtige Widerstand, welche eine weitere Euro-Aufwertung aufhalten könnte.

Tageschart EUR/USD (Stand Donnerstag, 23.10.14, ca. 12:00 Uhr):
EURUSD

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Chartanalysen, EUR/USD, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.