EUR/USD: Eurozonen-Aufwärtstrend beschleunigt sich

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Das Wachstum der Eurozone hat sich im März abermals beschleunigt. Das geht aus dem vom Londoner Markit-Institut veröffentlichten finalen Einkaufsmanagerindex hervor. Der Composite-Einkaufsmanagerindex, welcher die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit im Servicesektor zusammenfasst, stieg gegenüber September um 0,7 auf jetzt 54,0 Punkte. Damit erreichte er den höchsten Stand seit 11 Monaten und kam zugleich zum zweiten Mal nahe an ein 4-Jahreshoch heran. Auch den Durchschnittswert für das erste Quartal liegt mit 53,3 Punkten auf dem höchsten Stand seit dem zweiten Quartal 2014.

Den zweiten Monat in Folge konnte ein Wachstum in allen vier großen Volkswirtschaften der Eurozone registriert werden. Vor allem Spanien mit 56,9 Punkten (2-Monatshoch) und Deutschland mit 55,4 Punkten (8-Monatshoch) zeigten solide Zuwachsraten. In Italien wurde ein 8-Monatshoch von 52,4 Punkten verzeichnet, während sich das Wirtschaftswachstum in Frankreich mit einem 2-Monatstief von 51,5 Punkten etwas verlangsamte. Eurozonen-Spitzenreiter bleibt Irland mit 59,8 Punkten, obwohl dies ein 9-Monatstief darstellt.

Insgesamt verteilte sich der Zuwachs gleichmäßig auf den Industrie- und Dienstleistungsbereich. Die Industrie verzeichnete dabei den größten Produktionsanstieg seit Mai 2014. Auch die Neuaufträge haben zugenommen und stiegen fast auf ein 4-Jahreshoch. Durch die hohe Auslastung zahlreicher Betriebe wurden zudem zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Aktuell zeichne sich daher auch der stärkste Beschäftigungsaufbau seit August 2011 ab. Vor allem in Deutschland, Italien, Spanien und Irland seien neue Stellen geschaffen worden. Aber auch in Frankreich seien nach dem Abbau der letzten 16 Monate nun wieder im begrenzten Umfang die Personalbestände erhöht worden.

Gleichzeitig sei der Deflationsdruck im März gesunken. Bei den Verkaufspreisen habe sich der Rückgang gegenüber den sechs Vormonaten verlangsamt und die Einkaufspreise seien sogar so schnell gestiegen, wie seit letztem Juli nicht mehr.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, sagte, dass noch ungewiss sei, ob die Wirtschaft der Eurozone eine ausreichende Dynamik entwickelt habe, um eine kräftige und nachhaltige Erholung zu sichern. „Sicher ist jedoch, dass die Eurozone derzeit den stärksten Wachstumsschub seit dem Jahr 2011 verzeichnet.“ Zwar würde man derzeit nur einen leichten BIP-Anstieg von 0,3 Prozent für das erste Quartal prognostizieren. Es sei aber davon auszugehen, dass sich in den kommenden Monaten eine Beschleunigung des Aufwärtstrends einstellt. Insgesamt habe die Nachfragebelebung nicht nur zum größten Stellenaufbau seit dreieinhalb Jahren geführt. Ermutigend sei vor allem, dass es auch mit Frankreich wieder bergauf gehe und nun alle vier größten Volkswirtschaften der Eurozone Wachstum verzeichneten. „Somit baut die wirtschaftliche Expansion auf einer breiten Basis auf und sollte daher auch robuster sein“, erläuterte Williamson. Die quantitative Lockerung der EZB würde die Erholung unterstützen und zusätzliche Impulse verleihen, wodurch sogar eine Anpassung der Jahresprognose nach oben möglich sei. Williamson warnte allerdings, dass es für die Fortsetzung des Aufwärtstrends keine Garantie gebe. Vor allem die Griechenland-Krise stelle nach wie vor „eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der Eurozone“ dar.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Am 13. März lag EUR/USD mit 1,0461 auf dem tiefsten Stand seit Januar 2003. Anschließend kam es zu einer Stabilisierung bis 1,1052. Danach wertete der Euro nochmals bis 1,0712 ab, kann sich dann aber wieder bis über 1,10 erholen. Aktuell (Stand: Dienstag, 7.4.2015, ca. 16:00 Uhr) liegt der Kurs unterhalb von 1,09. Die weitere Entwicklung ist kurz- und mittelfristig nicht eindeutig. Sowohl eine weitere Erholung, als auch eine direkte Fortsetzung der langfristigen Abwärtsbewegung ist denkbar. Die beiden genannten Bereiche könnten entscheidend für die weitere Entwicklung sein. Ein nachhaltiger Anstieg über 1,1052 würde neue Kursziele bei 1,11 und 1,1245 generieren. Sollte der Kurs dagegen unter das genannte Tief der vergangenen Woche bei 1,0712 fallen, müsste von einer weiteren Abwertung bis 1,06; 1,0461 und anschließend den Hochs aus 2002 bei knapp 1,02 ausgegangen werden. Das Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung der amerikanischen Notenbank, welches am morgigen Mittwoch um 20:00 Uhr veröffentlicht wird, könnte unter Umständen für eine Entscheidung sorgen.

Tageschart EUR/USD (Stand Dienstag, 7.4.15, ca. 16:00 Uhr):
EURUSD

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