EUR/USD: Einkaufsmanagerindex zeigt stärksten Beschäftigungsaufbau seit vier Jahren

Teilen!

Das Wachstum der Eurozone hat sich im Mai zwar leicht abgeschwächt. Dennoch wurde so stark Beschäftigung aufgebaut, wie seit vier Jahren nicht mehr. Dies geht aus dem vom Londoner Markit-Institut am heutigen Mittwoch veröffentlichten finalen Einkaufsmanagerindex hervor.

Der Composite-Einkaufsmanagerindex, welcher die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit im Servicesektor zusammenfasst, fiel gegenüber April leicht um 0,3 auf jetzt 53,6 Punkte. Verlangsamt haben sich sowohl das Produktionswachstum in der Industrie als auch das Geschäftswachstum im Dienstleistungsbereich, wobei dieser erneut knapp vor der Industrie lag. Die Auftragsbestände blieben im Mai konstant, nachdem diese in den drei Vormonaten gestiegen waren. Sehr positiv sieht es beim Jobaufbau aus. Zum siebten Mal in Folge wurden mehr Arbeitsplätze geschaffen, als abgebaut, und diesmal so stark wie zuletzt vor vier Jahren. Deutschland verzeichnete bei der Beschäftigung ein 2-Monats-, Frankreich ein 41- und Spanien ein 94-Monatshoch. In Italien verringerte sich der Jobaufbau zwar leicht, bleibt aber dennoch kräftig.

Unter den vier wirtschaftlich bedeutendsten Volkswirtschaften blieb Spanien beim Wirtschaftswachstum mit einem Composite-Wert von 58,3 Punkten Spitzenreiter, obwohl dies ein 2-Monatstief war. Danach folgen Italien mit 53,7 Punkte, Deutschland mit 52,6 Punkte und Frankreich mit 52,0 Punkte. Alle Werte über 50,0 Punkte bedeuten Wachstum.

Zudem zeigt der Einkaufsmanagerindex, dass die Inflation allmählich wieder in die Eurozone zurückkehrt. Die Einkaufspreise verzeichneten den kräftigsten Anstieg seit April 2012 und der Rückgang der Verkaufspreise verlangsamte sich auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Abwärtsspirale vor 38 Monaten. In Deutschland wurden die Verkaufspreise sogar angehoben. Die durchschnittliche Kostenbelastung der Unternehmen stieg so stark wie seit April 2012 nicht mehr. Laut Markit sind dafür vor allem höhere Lohnkosten und verteuerte Importe infolge der Euro-Schwäche und der gestiegenen Ölpreise verantwortlich.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, sagte, dass der Eurozonen-Aufschwung im Mai leicht an Fahrt verloren habe, was die Drei-Monatstiefs bei Wachstum und Auftragseingang zeigen würden. Zwar habe der schwache Euro die Industrie angekurbelt und die privaten Haushalte würden von der niedrigen Inflationsrate profitieren, doch die hohe Arbeitslosigkeit bremse die Ausgaben für Güter und Dienstleistungen. Die zunehmende Verunsicherung hinsichtlich der Schuldenkrise Griechenlands sei ein zusätzlicher Bremsfaktor. „Die Anreize der EZB haben ganz offensichtlich entscheidend zur Stimmungsaufhellung unter Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen geführt. Angesichts des wackeligen Aufschwungs und der potentiellen Risiken sind folglich jegliche Appelle hinsichtlich einer Einschränkung der EZB-Maßnahmen verfrüht.“ Markit schätzt, dass die Eurozone in diesem Jahr ein Wachstum von zwei Prozent erreichen könne. Es würden allerdings „signifikante Risiken“ bestehen. So müssten die Ölpreise niedrig bleiben und eine weitere Eskalation der Lage Griechenlands könnte den Aufschwung schnell beenden.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Ausgehend von Kursen bei fast 1,40 wertete EUR/USD seit Mai 2014 kontinuierlich ab und fiel am 13. März mit einem Tief bei 1,0461 auf dem tiefsten Stand seit Januar 2003. Anschließend stabilisierte sich das Paar deutlich um rund 1.000 Pips bis zu einem Hoch bei 1,1466 am 15. Mai. Zwar kam es dann noch einmal zu einer Abwertung bis 1,0817 Ende Mai. Doch in dieser Woche kann die Gemeinschaftswährung wieder sehr stark zulegen und nähert sich aktuell bereits wieder der Marke von 1,13 an (Stand Mittwoch, 3.6.2015, ca. 16:30 Uhr). Das Chartbild sieht damit für den Euro sehr positiv aus. Allerdings muss zur Bestätigung auch ein Anstieg über das genannte Hoch bei 1,1466 und den folgenden Widerstand bei 1,1533 gelingen. Anschließend würden die nächsten Ziele bei 1,1679 1,18 und 1,20 liegen. Wichtig für dieses bullishes Szenario ist, dass der Kurs nicht mehr unter das Tief bei 1,0817 fällt. Andernfalls würde das Jahrestief bei 1,0461 wieder in den Fokus kommen. Darunter finden sich weitere Ziele bei 1,02, der Parität (=Kursverhältnis von 1:1) und 0,965. Ein im Moment kaum kalkulierbarer Risikofaktor ist die Entwicklung in der griechischen Schuldenkrise.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch, 3.6.2015, ca. 16:30 Uhr):
EURUSD

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Chartanalysen, EUR/USD, Europa, Finanznachrichten abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.