EUR/USD: Einkaufsmanagerindex signalisiert stärkstes Wachstum seit fast 3 Jahren

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Der vom Londoner Markit-Institut monatlich ermittelte Einkaufsmanagerindex zeigt für die Eurozone im April das stärkste Wachstum seit fast 3 Jahren. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Schätzung stieg der Composite Index, welcher ein gewichteter Durchschnittswert zwischen dem Index Industrieproduktion und der Geschäftstätigkeit im Servicesektor ist, um 0,9 auf 54,0 Punkte, was der höchste Wert seit Mai 2011 ist. Sowohl im Industrie-, wie auch im Dienstleistungsbereich steigerte sich der Einkaufsmanagerindex und liegt deutlich über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Zudem wurden erstmals seit ebenfalls knapp 3 Jahren wieder mehr neue Stellen geschaffen, als abgebaut.

Die Eurozone verzeichnet damit seit Juli vergangenen Jahres und somit den zehnten Monat in Folge Wachstum. „Angesichts des stärksten Zuwachs beim Auftragseingang seit Mai 2011 und dem zweiten leichten Anstieg der Auftragsbestände dürfte sich der Aufschwung auch im Mai fortsetzen“, teilte Markit mit. Wachstumstreiber im April blieb die Industrie, wo die Produktion zum zehnten Mal in Folge und dabei mit der zweithöchsten Rate seit 3 Jahren ausgeweitet wurde. Aber auch der Servicesektor verzeichnete bereits das neunte Mal in Folge Wachstum.

Besonders positiv fällt auf, dass es erstmals seit fast  Jahren wieder zu einem Jobaufbau gekommen ist. Zwar war dieser nur moderat, da die Unternehmen weiterhin kostenbewusst agieren. Dafür konnten aber endlich auch wieder die Peripherieländer eine steigende Zahl von Jobs vermelden.

Deutschland, als größte Volkswirtschaft der Eurozone, erwies sich mit florierenden Geschäften in beiden Sektoren erneut als Wachstumslokomotive. Für Frankreich signalisiert der Einkaufsmanagerindex dagegen nur ein kleines Plus, was zudem niedriger ausfällt, als noch vor einem Monat.

Sorge bereitet den Ökonomen die Preisentwicklung. Trotz des Aufschwungs legten die Einkaufspreise nur mit der niedrigsten Rate seit Juni vergangenen Jahres zu. In der Industrie waren die Preise sogar schon zum dritten Mal in Folge rückläufig. Im Servicesektor stiegen die Einkaufspreise zwar. Dies aber mit der niedrigsten Rate seit Februar 2010. Die Verkaufspreise wurden insgesamt bereits den 25. Monat in Folge reduziert, wobei der Rückgang bei der Industrie moderater ausgefallen ist, als bei den Dienstleistern. Diese Entwicklung dürfte die Sorgen vor einer drohenden Deflation weiter verstärken.

Chris Williamson, Chef-Ökonom von Markit, erwartet für das zweite Quartal einen Anstieg des Bruttoinlandproduktes der Eurozone um 0,5 Prozent. Im ersten Quartal betrug der Anstieg 0,4 Prozent. Deutschland würde erneut mit einem Anstieg des BIP um voraussichtlich 0,7 Prozent die stärksten Wachstumsimpulse liefern, während es in Frankreich lediglich zu einer Stabilisierung reiche. „Die beste Nachricht kommt jedoch aus den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern, wo die höchste Wachstumsrate seit Anfang 2011 darauf hindeutet, dass der Anstieg auch in den Peripherieländern zusehends an Fahrt gewinnt“, sagte Williamson.

Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um einen wichtigen monatlich ermittelten Konjunkturindikator, für welchen Einkaufsmanager von rund 3.000 Industrie- und rund 2.000 Dienstleistungsunternehmen nach der Entwicklung von bestimmten Kenngrößen, wie Auftragslage, Einkaufspreisen und Anzahl der Beschäftigten befragt werden. Der neutrale Wert liegt bei 50. Indexwerte darüber signalisieren eine sich verbessernde und Indexwerte darunter eine sich verschlechternde Einschätzung der Geschäftslage. Die europäische Umfrage wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich, Irland und Griechenland durchgeführt. Die Geschäftstätigkeit dieser Länder entspricht rund 90 Prozent der gesamten Eurozone. Schnellschätzungen werden allerdings nur für Deutschland, Frankreich und die Eurozone insgesamt veröffentlicht. Diese werden stark beachtet, da dann bereits rund 85 Prozent der Fragebögen ausgewertet sind und es gewöhnlich keine größeren Abweichungen zum Endergebnis mehr gibt. Die endgültigen Ergebnisse werden am Freitag nächster Woche für die Industrie und am 6. Mai für den Dienstleistungsbereich bekannt gegeben. Dann stehen insbesondere die Krisenländer Spanien und Italien im Fokus, da es für diese Länder keine Vorabschätzung gegeben hat.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

EUR/USD befindet sich langfristig betrachtet bereits seit Juli 2012, ausgehend von 1,204, in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Am 13. März wurde ein Hoch bei 1,3966 erreicht, was der höchste Stand seit Oktober 2011 war. Danach korrigierte die Gemeinschaftswährung bis 1,3670, konnte sich aber Anfang April nochmals bis 1,3905 erholen. Seitdem ist das Paar sehr unentschlossen und zeigt kaum Bewegung. Kurzfristig betrachtet wäre ein nachhaltiger Anstieg über 1,3864 positiv zu bewerten und könnte zu einem anschließenden Test des genannten Hochs bei 1,3905 führen. Darüber würde wieder das Jahreshoch und möglicherweise auch Ziele bei 1,40 und 1,424 in Reichweite kommen. Anderseits würde sich die Situation bereits unter 1,3782/1,3777 merklich eintrüben. Sollte der Kurs anschließend auch unter 1,367/1,364 rutschen, könnte der Euro sogar bis zur derzeit ungefähr bei 1,3578 liegenden 200-Tageslinie und der Unterstützung bei 1,3475 abwerten.

Tageschart EUR/USD (Stand Mittwoch, 23.4.14, ca. 18:00 Uhr:
EURUSD

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