EUR/USD: Draghi deutet erneut weitere Zinssenkung an

Bei einer Rede an der Universität für Sozialwissenschaften in Rom hat der  Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi am Montag die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung angedeutet. Man werde die eingehenden Daten in den kommenden Wochen genau analysieren und sei bei Notwendigkeit „bereit zu handeln“. Die EZB hatte erst in der vergangenen Woche den Leitzins um 0,25 Prozent auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt. Begründet wurde dies mit der Rezession in der Eurozone und der sich weiter abkühlenden Stimmungslage in der Wirtschaft. Schon da hatte Draghi auf der Pressekonferenz angedeutet, dass weitere Schritte folgen könnten.

Der Notenbank-Vorsitzende betonte außerdem, dass die Krisen-Länder ihren Spar- und Reformkurs unbedingt fortsetzen müssten. Nur auf dieser Grundlage sei auch ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erreichen. Dies wiederum sei die Voraussetzung, um die Arbeitslosigkeit zu verringern. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit habe inzwischen in einigen Ländern ein Niveau erreicht, welches „extreme und zerstörerische Formen des Protests“ auslösen könnte. In Griechenland sind beispielsweise 58 Prozent der Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. In Spanien sieht es mit 55 Prozent nicht besser aus.

Schon vor Draghis Rede hatte auch EZB-Vorstandsmitglied Benoit Coeure eine weitere Zinssenkung angedeutet. In einem Radio-Interview sagte er, man sei bereit die Leitzinsen weiter zu senken, falls sich der wirtschaftliche Ausblick verschlechtern sollte. EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch betonte unterdessen bei einer Rede in Luxemburg, dass die EZB bereit sei alles für den Erhalt des Euros zu unternehmen. Weitere kurzfristige Turbulenzen könnten allerdings nicht ausgeschlossen werden.

Die meisten Ökonomen gehen inzwischen davon aus, dass die EZB noch in diesem Frühjahr oder spätestens im Sommer einen erneuten Zinsschritt beschließen wird.

Charttechnische Betrachtung von EUR/USD:

Der Euro reagierte auf die Äußerungen von Draghi mit Verlusten. Während der Kurs von EUR/USD den gesamten Montag zunächst kaum Bewegung zeigte und leicht über 1,31 verharrte, ging es danach innerhalb kurzer Zeit bis 1,305 nach unten. Gegen Abend stabilisierte sich die Gemeinschaftswährung leicht über diesem Wert. Insgesamt hat sich charttechnisch dadurch allerdings nichts verändert. Seit inzwischen rund vier Wochen präsentiert sich das Paar sehr unentschlossen. Nach unten findet sich kurzfristig bei 1,3032; 1,30 und 1,2986 Unterstützung. Wichtig für die längerfristige Entwicklung ist aber erst das Tief vom 24. April bei 1,2953 und die derzeit etwas höher liegende 200-Tageslinie. Sollte der Kurs nachhaltig unter diesen Bereich rutschen, müsste von einer weiteren Abwertung bis zum Jahrestief bei 1,2744 und anschließend 1,2659 ausgegangen werden. Sollte sich die Gemeinschaftswährung dagegen wieder erholen, finden sich bei 1,316 und 1,32 die nächsten Widerstände. Aber erst über dem Hoch der letzten Woche bei 1,3245 könnte sich der Handel im Anschluss wieder deutlich lebhafter zeigen und ein weiterer Anstieg bis 1,3318; 1,35 und anschließend zum Jahreshoch bei 1,37 folgen.

Tageschart EUR/USD (Stand 6.5.2013, ca. 23:30 Uhr):
EURUSD

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